Berufsunfähigkeits-
versicherung
Ratgeber

Ist es für mich sinnvoll eine BU mit Karenzzeit abzuschließen? Was sind die Vor- und Nachteile? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Karenzzeit vereinbaren?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung Karenzzeit bestimmt den Beginn der Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsrente. Je nachdem wie lang dieser Zeitraum angesetzt ist, muss der Versicherte trotz eingetretener Berufsunfähigkeit auf die Leistung verzichten. Wer die Karenzzeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung jedoch eigenständig finanziell überbrücken kann, profitiert oft von geringeren Versicherungsbeiträgen.

Berufsunfähigkeitsversicherung Karenzzeit
Berufsunfähigkeitsversicherung
Karenzzeit nicht immer sinnvoll.

Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung Karenzzeit?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit Karenzzeit kann bei Abschluss der Police mit der Versicherung vereinbart werden. Bei der Karenzzeit handelt es sich um eine Frist für den Beginn der BU-Rente. Wird der Versicherungsnehmer nachweisbar berufsunfähig, beginnt am Monatsende zunächst ein Zeitraum, innerhalb dessen er gar keine Leistungen erhält. Erst nach Ablauf dieser Karenzzeit erhält er seine erste monatliche Zahlung aus der Berufsunfähigkeitsrente.

Entscheidend ist der Zeitpunkt des Eintritts der Berufsunfähigkeit, welcher der Versicherung mit einem ärztlichem Attest nachgewiesen werden muss. Wenn die Krankheit schleichend verläuft und daher auch erst später ein Arzt aufgesucht wird, kann sich die Versicherungsgesellschaft kulant zeigen: Sofern die verspätete Meldung nicht durch den Versicherten verschuldet ist, lässt sich die Berufsunfähigkeitsversicherung Karenzzeit auch rückwirkend anrechnen.

Einige Anbieter sehen in ihren Versicherungsbedingungen eine standardmäßige Berufsunfähigkeitsversicherung Karenzzeit von sechs Monaten vor. Je nach Berufsunfähigkeitsversicherung ist es möglich, dass die Karenzzeit 12, 18 oder 24 Monate beträgt. Dieser Zeitraum kann auch auf Wunsch des Versicherten angesetzt werden.

Unterbrechung der Berufsunfähigkeitsversicherung Karenzzeit

Je nach Anbieter hat der Versicherte nur dann Anspruch auf die Versicherungsleistungen, wenn er während der gesamten Karenzzeit ununterbrochen berufsunfähig war und dies auch nach Ende der Frist weiterhin ist. Kann er beispielsweise bereits nach drei Monaten wieder arbeiten, so ist es wahrscheinlich, dass er für die drei Monate seiner Berufsunfähigkeit keine rückwirkenden Berufsunfähigkeitsversicherung Leistungen erhält.

Wenn der Versicherte zwischenzeitlich wieder in seinem Beruf arbeiten kann, aber später aufgrund derselben Ursache wieder berufsunfähig wird, kann die bereits verstrichene Karenzzeit der BU angerechnet werden. Er muss in diesem Fall für dieselben Beschwerden nicht erneut sechs Monate warten, bevor er Anspruch auf die Zahlungen der Berufsunfähigkeitsrente hat. Die Versicherungen legen die Bedingungen für Unterbrechungen allerdings unterschiedlich fest.

Vorteil der Berufsunfähigkeitsversicherung Karenzzeit

Wer eine BU mit Karenzzeit abschließt, hat meist auch geringere Berufsunfähigkeitsversicherung Kosten. Dies liegt daran, dass der Versicherer die BU-Rente erst ab einem späteren Zeitpunkt leisten muss und somit ebenfalls an Ausgaben spart. Hinzu kommt, dass die Berufsunfähigkeit nicht immer bis zum Ende der Versicherungslaufzeit andauert, sondern auch vorübergehend sein kann. Die Versicherung muss also unter Umständen nur wenige Monate oder gar nicht zahlen. Da das finanzielle Risiko für die Berufsunfähigkeitsversicherung bei einer Karenzzeit deutlich niedriger ist, kann sie dem Versicherungsnehmer auch deutlich günstigere Prämien anbieten. In der Regel gilt: je länger die Karenzzeit der BU, desto günstiger die Versicherungsbeiträge.

Ausgleich der BU-Karenzzeit

Eine lange Karenz ist nur dann empfehlenswert, wenn man genügend finanzielle Rücklagen hat, um diese Zeit zu überbrücken. Zunächst unterstützt der Arbeitgeber den Angestellten mit einer Lohnfortzahlung. In der Regel zahlt das Unternehmen im Falle der Arbeitsunfähigkeit das Gehalt bis zu sechs Wochen weiter. Dazu muss das Beschäftigungsverhältnis allerdings seit mindestens vier Wochen bestehen. Erst ab der 5. Woche nach Unterzeichnung des Arbeitsvertrages hat der Arbeitnehmer Anspruch auf die Fortzahlung seines Gehalts.

Danach übernimmt die gesetzliche Krankenkasse mit einem Krankengeld für maximal 72 Wochen innerhalb von drei Jahren, wenn es sich um dieselbe Krankheit handelt. Die Leistungen der gesetzlichen Krankversicherung fallen meist niedriger als die des Arbeitgebers aus. Das Krankengeld beträgt mindestens 70 Prozent des Bruttoentgelts und höchstens 90 Prozent des Nettoentgelts. Im Jahr 2016 liegt die Maximalgrenze bei 98,88 Euro pro Kalendertag, das heißt 2.966,40 Euro monatlich.

Für insgesamt maximal 78 Wochen, also etwa 18 bis 19 Monate, lässt sich die ausbleibende BU-Rente so gegebenenfalls überbrücken. Eine längere Karenzzeit sollte der Versicherte nur dann in Erwägung ziehen, wenn er eine private Krankentagegeld-Versicherung besitzt.

Nachteile einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit Karenzzeit

Der größte Nachteil einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit Karenzzeit liegt darin, dass für einen bestimmten Zeitraum kein Anspruch auf diejenigen Leistungen besteht, für die die Police abgeschlossen wurde. Bei einem Vertrag ohne Karenzzeit setzt die BU-Rente mit dem Nachweis der Berufsunfähigkeit hingegen sofort ein.

Je nach Art der Vereinbarung kann es sein, dass der Versicherte auch während der Karenzzeit seine Beiträge weiterhin zahlen muss. Damit ergib sich eine doppelte finanzielle Belastung: Zusätzlich zu den fehlenden Einkünften aufgrund der Berufsunfähigkeit müssen die Prämien weiterhin aufgewendet werden.

Karenzzeit der BU: Sonderfall Selbständigkeit

Besonders benachteiligt sind Selbständige und Freiberufler. Einerseits besitzen sie keinen Arbeitgeber, der ihnen das Gehalt für einen begrenzten Zeitraum weiterzahlen kann. Andererseits besteht bei ihnen keine gesetzliche Versicherungspflicht und viele Selbständige sind privat krankenversichert. In diesem Fall besitzen sie keinen Anspruch auf Krankengeld aus einer gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Alternative ist der Abschluss einer privaten Krankentagegeld-Versicherung.

Für diejenigen Selbständigen, die sich dennoch freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert haben, gelten besondere Regeln. Sie haben zwei Möglichkeiten, um im Falle einer Berufsunfähigkeit Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse zu erhalten:

  • Der Versicherte gibt eine sogenannte Wahlerklärung ab und muss bereits ab Beginn der Mitgliedschaft anstatt des ermäßigten Beitragssatzes von 14 Prozent (zuzüglich Zusatzbeitrag) den regulären Beitragssatz von 14,6 Prozent (zuzüglich Zusatzbeitrag) zahlen. Dann hat er wie ein Angestellter Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit.
  • Der Versicherte kann vor Beginn der Mitgliedschaft einen Wahltarif mit Krankengeldanspruch abschließen. Damit zahlt er zwar weiterhin den ermäßigten Beitragssatz, es kann aber eine zusätzliche Prämie für den Tarif fällig werden. Ab welchem Tag der Arbeitsunfähigkeit die Zahlungen einsetzen, wird mit der Kasse vereinbart.

Lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Karenzzeit?

Die Länge einer Karenzzeit bei der BU entscheidet sowohl über die Beitragsersparnis als auch über die Einkommenseinbußen und eine eventuelle Beitragsbelastung im Fall von Berufsunfähigkeit. Ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Karenzzeit sinnvoll ist, sollte daher gründlich abgewogen und je nach persönlicher finanzieller und beruflicher Situation entschieden werden.

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