Gründerinnen

„Mädels, macht Euch selbstständig!“

Altersvorsorge und Versicherungen sind auch für Gründerinnen „kein Hexenwerk“. Julia Sommerer und Franziska von der Ahé sehen das Thema ganz pragmatisch. Besonders viel Wert legen sie auf ihre unternehmerische und kreative Freiheit, die ihnen die Selbstständigkeit bietet. Sie ermutigen Frauen deshalb zur Unternehmensgründung. Allerdings nicht um jeden Preis. 

Gründerinnen - Sommerer und von der Ahe
Franziska von der Ahe und Julia Sommerer sind Gründerinnen der Glutamat GmbH

Wann haben Sie sich dazu entschieden, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Franziska von der Ahé: Mit ungefähr 17 Jahren als wir noch in der Schule waren. Dort haben wir uns auch kennengelernt. Wir sind dann zwar erstmal in unterschiedliche Richtungen gegangen: Julia war in Agenturen tätig, ich eher im Journalismus. Als wir dann beide in unseren festen Anstellungsverhältnissen gemerkt haben, dass wir in unserer Kreativität durch feste Konzernstrukturen eingeschränkt werden, haben wir uns 2008 zusammengetan.

Als GmbH existiert Glutamat Kommunikation seit 2012. Aufgrund unserer Selbstständigkeit waren wir nicht mehr durch einen vorgefertigten Bewegungsradius begrenzt, wir konnten näher am Puls der Zeit arbeiten und mit Inhalten experimentieren. Darauf haben wir beide immer großen Wert gelegt.

Was waren Ihre Hauptgründe für die Selbstständigkeit?

Julia Sommerer: Wir kommen aus der Medienbranche und haben dort einen Umbruch gespürt. An dem wollten wir gern aktiv teilhaben und den Wandel mitgestalten. Die festen Strukturen unserer Anstellungen waren dafür nicht geeignet. Ein weiterer Grund war meine persönliche Lebenssituation. Damals hatte ich noch keine Kinder und eigentlich nur die Verantwortung für mich selbst. Ich hatte das Gefühl, dass ich es jetzt oder nie versuchen muss.

Haben fehlende Aufstiegschancen in einem Anstellungsverhältnis zu der Entscheidung beigetragen?

Franziska von der Ahé: Julia und ich waren in unseren vorherigen Jobs sehr erfolgreich und auf dem Weg die Karriereleiter hochzusteigen. Fehlende Karrierechancen waren also nicht der Grund. Nicht aus der Not heraus gründen zu müssen macht ja auch viel mehr Spaß. Wir haben uns beide dafür entschieden, unsere eigenen Strukturen und Prozesse zu schaffen.

Haben Sie sich für die Selbstständigkeit entschieden, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren?

Julia Sommerer: Bei mir war das tatsächlich eher andersherum. Ich habe an einem Zeitpunkt gegründet, zu dem ich noch keine Verantwortung für ein Kind getragen habe. Das hat die Entscheidung leichter gemacht.

Franziska von der Ahé: Ich habe damals noch nicht an Kinder gedacht und somit hat diese Frage für mich bei der Gründung überhaupt keine Rolle gespielt.

Wovor hatten Sie bei Ihrer Entscheidung zur Existenzgründung am meisten Angst?

Julia Sommerer: Wir hatten beide keine Angst zu gründen. Aber eine Unternehmensgründung ist sicherlich mit einigen Risiken verbunden. Wir würden deshalb zwar jeder Frau empfehlen, den Schritt zu wagen, aber letztlich ist es eine Typfrage: Freiheit in der Arbeitswelt ist eben nicht gleichbedeutend mit Freiheit im Kopf. Wer nachts vor Sorgen kein Auge zubekommt, sollte sich dagegen entscheiden.

Welche Rolle haben die Kosten und Ausgaben für Versicherungen und Vorsorge bei der Entscheidung zu gründen gespielt?

Franziska von der Ahé: Kosten und Ausgaben für Versicherungen und Vorsorge haben tatsächlich keine große Rolle gespielt. Das ist im Prinzip kein Hexenwerk: Wir haben uns informiert und von einem Experten beraten lassen. Dabei haben wir darauf geachtet, dass unsere Anfangsausgaben gering bleiben. Wir hatten damals nicht den Anspruch eines Premiumschutzes.

 

Gründerinnen: Die wichtigsten Fakten zu Altersvorsorge und Versicherungen

Sie haben vor, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen oder sind diesen Schritt bereits gegangen? Dann lesen Sie jetzt unsere Tipps rund um die richtige Altersvorsorge und den passenden Versicherungsschutz für Gründerinnen. Neben wertvollen Expertenmeinungen finden Sie hier spannende Interviews mit erfolgreichen Gründerinnen, die ihren Traum bereits verwirklicht haben.  

Fühlen Sie sich heute in der Selbstständigkeit ausreichend versichert?

Franziska von der Ahé: Ja.

Welche Versicherungen haben Sie und was geben Sie im Schnitt monatlich für Ihren Versicherungsschutz und Ihre Altersvorsorge aus?

Julia Sommerer: Wir haben jetzt für die Firma verschiedene Haftpflichtversicherungen und eine Hausratversicherung. Nur ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die allerdings nur „das Gröbste“ abdeckt. Außerdem haben wir beide eine private Arbeitslosenversicherung und wir sind privat krankenversichert. In der Gründungszeit schlagen gerade die Krankenversicherungsbeiträge zu Buche. Mit dem Gründungszuschuss und den vergünstigten Beiträgen bei der Künstlersozialkasse konnten wir diese Kosten anfangs aber auch stemmen. Heute haben wir Immobilien, die wir als private Altersvorsorge betrachten. Ich habe darüber hinaus noch eine private Rentenversicherung. Dafür zahle ich mittlerweile 200 Euro im Monat. Am Anfang lagen meine Beiträge bei monatlich nur 80 Euro.

Denken Sie, dass Sie ausreichend für das Rentenalter vorsorgen?

Franziska von der Ahé: Eigentlich ja. Dadurch, dass wir wohl niemals die „typischen Rentner“ werden, die mit spätestens 67 Jahren ihren Beruf vollständig niederlegen, habe ich nicht das Gefühl zu wenig vorzusorgen. Wir können natürlich auch andere Rücklagen schaffen. Beruhigend ist es außerdem, sich immer mal wieder vor Augen zu führen, was man denn wirklich zum Leben braucht. Wenn man alles hat, was einen glücklich macht und die Finanzen es einem erlauben, sich frei und unabhängig zu fühlen, dann reicht uns das. Das hat sich auch mit den Kindern nicht verändert.

Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht von einer gläsernen Decke, über die Frauen auch in der Selbstständigkeit nicht hinauskommen. Wie ist Ihre Erfahrung?

Julia Sommerer: Als Arbeitgeberinnen versuchen wir beispielsweise über flexible Arbeitszeiten gläserne Decken gar nicht erst zu reproduzieren. In der Startup- und Gründerszene selbst sind Frauen aber immer noch eher marginal vertreten. Ich würde sogar sagen: Die Szene ist extrem männlich. Auf Mittelstandsevents waren wir beispielsweise schon öfter die einzigen Frauen, die nicht als Begleitung der männlichen Kollegen gekommen sind. Viele Frauen machen sich eher klein. Dabei muss man manchmal einfach auf „dicke Hose machen“, damit man sich in der Szene Raum und Gehör verschafft.

Sie haben beide eine Familie mit Kindern. Ist die Zeiteinteilung in der Selbstständigkeit einfacher?

Franziska von der Ahé: Wir arbeiten beide in Teilzeit. Das bezieht sich allerdings nur auf die Präsenz im Büro, nicht auf unsere tatsächliche Arbeitszeit. Wer ein Geschäft führt, lässt nicht nach sechs Stunden den Stift fallen. Das Gleiche gilt übrigens für unsere Ehemänner. Die flexible Zeiteinteilung macht es sehr viel einfacher, Kind und Karriere zu vereinbaren. Auch die Väter haben durch diese Möglichkeit an Lebensqualität gewonnen. Schließlich haben wir uns gemeinsam und ganz bewusst für ein Leben mit Kindern entschieden. Da wäre es ja absurd, keine Zeit mit ihnen zu verbringen. Am besten auch gemeinsam mit Vater und Mutter.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Gründerinnen im Portrait

Wer noch mehr Tipps von erfolgreichen Gründerinnen sucht, findet weitere Erfahrungen in unseren Gründerinnen-Portraits:

Freya Oehle: „Für die Rente versorgt? Derzeit nicht im Mindesten“

Sabine Hockling: „Durchhalten und weitermachen“

Franziska von Hardenberg: „Altersvorsorge? Da schwingt ehrlich gesagt ein ungutes Gefühl mit“

Lea Lange: „Vorsorge und Versicherungen? Ich zahle 900 Euro monatlich“

Miriam Wohlfarth: „Die finanzielle Seite meiner Gründung habe ich gut geplant“

Dr. Birte Gall: „Angst ist bei mir ein seltener Gast“

Esther Eisenhardt: „Die traditionelle Arbeitswelt finde ich unflexibel, absurd und unzeitgemäß“

Anette Weiß: „Die eigenen Finanzen durchblicken“

Aimie-Sarah Carstensen: „Das Ziel ist, dass wir uns bald selbst abschaffen können“

Tijen Onaran: „Netzwerken ist die neue Rente“

Ute Blindert: „Frauen müssen den Wandel mitgestalten, aktiv und laut“