Gründerinnen

„Altersvorsorge? Da schwingt ehrlich gesagt ein ungutes Gefühl mit“

Franziska von Hardenberg wollte schon als Jugendliche ihre eigene Firma gründen. Den Traum hat sie sich erfüllt, obwohl ihr auch als Angestellte alle Türen offenstanden. Sie ist für das Hier und Jetzt zwar gut über Versicherungen abgesichert. Doch für Altersvorsorge ist momentan noch kein Geld vorhanden. Das Thema steht aber auf der To-Do-Liste.

Gründerinnen - Franziska von Hardenberg
Franziska von Hardenberg ist Gründerin von Bloomy Days

Wann haben Sie sich dazu entschieden, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Franziska von Hardenberg: Ich wusste bereits mit 12 Jahren, dass ich ein eigenes Unternehmen gründen will. Aus diesem Grund habe ich mein Leben und meine Ausbildung auch danach ausgerichtet.

Was waren Ihre Hauptgründe für die Selbstständigkeit?

Franziska von Hardenberg: Ich wollte gern die unternehmerische Freiheit als Gründerin genießen, meine Ideen und Projekte selbst gestalten können und meine Vision zu einem profitablen Unternehmen führen.

Haben fehlende Aufstiegschancen in einem Anstellungsverhältnis zu der Entscheidung beigetragen?

Franziska von Hardenberg: Nein, fehlende Aufstiegschancen waren gar kein Grund für meine Entscheidung. Solche Mauern standen mir aber auch nicht im Weg. Unabhängig davon hatte ich nie vor, lange als Angestellte in einem Unternehmen zu bleiben.

Haben Sie sich für die Selbstständigkeit entschieden, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren?

Franziska von Hardenberg: Auch hier muss ich mit Nein antworten. Meiner Meinung nach ist es in Deutschland einfacher in einem Angestelltenverhältnis ein Kind zu bekommen. Ich habe als werdende Mutter nicht einmal Mutterschutz, weil ich Geschäftsgründerin bin. Dafür musste ich eine Zusatzversicherung abschließen, damit ich mir meine „Auszeit“ leisten kann. Auf der anderen Seite kann ich meine Zeit sehr viel freier einteilen und kann das Baby auch mal mit ins Büro nehmen, ohne jemanden um Erlaubnis bitten zu müssen.

Wovor hatten Sie bei Ihrer Entscheidung zur Existenzgründung am meisten Angst?

Franziska von Hardenberg: Es gibt tausend Gründe, die einem vor der Unternehmensgründung Angst machen können. Sie drehen sich um die Finanzierung, das Konzept und die Verantwortung. Allerdings verschieben sich Ängste im Laufe der Gründungsphase. Am Anfang hatte ich beispielsweise eher existenzielle Ängste. Heute drehen sich meine Sorgen um die Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern. Ein bisschen Angst ist aber auch ein guter Begleiter: Sie hält einen wachsam und vorsichtig.

Welche Rolle haben die Kosten und Ausgaben für Versicherungen und Vorsorge bei der Entscheidung zu gründen gespielt?

Franziska von Hardenberg: Das hat um ehrlich zu sein keine Rolle gespielt.

 

Gründerinnen: Die wichtigsten Fakten zu Altersvorsorge und Versicherungen

Sie haben vor, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen oder sind diesen Schritt bereits gegangen? Dann lesen Sie jetzt unsere Tipps rund um die richtige Altersvorsorge und den passenden Versicherungsschutz für Gründerinnen. Neben wertvollen Expertenmeinungen finden Sie hier spannende Interviews mit erfolgreichen Gründerinnen, die ihren Traum bereits verwirklicht haben.

Welche Versicherungen haben Sie und was geben Sie im Schnitt monatlich für Ihren Versicherungsschutz und Ihre Altersvorsorge aus?

Franziska von Hardenberg: Ich bin gesetzlich krankenversichert und habe eine Krankentagegeld-Zusatzversicherung. Für die Firma habe ich verschiedene Haftpflichtversicherungen. Eine private Altersvorsorge habe ich nicht. Um ehrlich zu sein, habe ich sogar meine betriebliche Altersvorsorge aus meiner vorherigen Anstellung für die Gründung aufgelöst – das waren etwa 1.500 Euro.

Wie viel mich der Versicherungsschutz kostet, kann ich nicht genau sagen. Aber ich habe das Gefühl, dass die Ausgaben für die Versicherungen in einem fairen Verhältnis zu dem Schutz stehen, den ich im Ernstfall erhalte.

Fühlen Sie sich heute in der Selbstständigkeit ausreichend versichert und denken Sie, dass Sie ausreichend für das Rentenalter vorsorgen?

Franziska von Hardenberg: Versichert schon. Ich bin zwar nicht überversichert, aber ich fühle mich ausreichend geschützt.

Bei der Altersvorsorge sieht es anders aus. Ich habe aktuell leider keine Zeit darüber nachzudenken. Natürlich schwingt ein ungutes Gefühl mit, da ich noch nicht privat für mein Rentenalter vorsorge. Doch im Moment ist meine Strategie einfach anders. Ich setze derzeit darauf, dass mein Firmenerfolg meine Altersvorsorge ist.

Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht von einer gläsernen Decke, über die Frauen auch in der Selbstständigkeit nicht hinauskommen. Wie ist Ihre Erfahrung?

Franziska von Hardenberg: Ich habe tatsächlich nie die Erfahrung gemacht, dass ich aufgrund meines Geschlechts an Grenzen gestoßen bin oder mich benachteiligt gefühlt habe. Dennoch ist mir natürlich bewusst, dass Diskriminierung existiert. In meiner Firma arbeiten ungefähr 70 Prozent Frauen und sie haben alle Aufstiegschancen, die sie ergreifen möchten. Wir arbeiten sozusagen aktiv gegen gläserne Decken. Allerdings kann ich nur für meinen erschaffenen Mikrokosmos sprechen und nicht für die gesamte Startup-Szene.

Sehen Sie in der Selbstständigkeit mehr Raum sich beruflich zu verwirklichen als in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis?

Franziska von Hardenberg: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte in meiner Anstellung immer das Gefühl, dass ich Prozesse anders gestalten würde und dass ich vieles besser machen könnte. Jetzt habe ich solche Entscheidungen selbst in der Hand. Das ist sehr bereichernd.

Vielen Dank für das Interview.

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