„Vorsorge und Versicherungen? Ich zahle 900 Euro monatlich“

Die Gründerin Lea Lange hat sich unabhängig von den Kosten für Vorsorge und Versicherungen zur Geschäftsgründung entschieden – und bereut nichts. Das Thema blendet sie aber nicht aus, sondern sorgt fürs Alter vor. Sie will Frauen ermutigen zu gründen und zeigen, „dass sie sich mehr zutrauen müssen und dass sich Selbstbewusstsein auszahlt.“

Gründerinnen - Lea Lange
Lea Lange ist Gründerin von Juniqe

Wann haben Sie sich dazu entschieden, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Lea Lange: Mir war eigentlich schon immer klar, dass ich irgendwann selber etwas gründen möchte. Und dann hat einfach das Timing gestimmt: Ich hatte relevante Erfahrung bei meinem vorherigen Arbeitgeber gesammelt, wir haben uns als Gründerteam zu dritt gefunden und waren alle von der Idee zu Juniqe überzeugt.

Was waren Ihre drei Hauptgründe für die Selbstständigkeit?

Lea Lange: Ich wollte business-relevante Entscheidungen selbstständig treffen, meinen Erfolg zu 100 Prozent selbst in der Hand haben und mit Leuten zusammenarbeiten, mit denen ich gerne zusammen arbeite.

Wovor hatten Sie bei Ihrer Entscheidung zur Existenzgründung am meisten Angst?

Lea Lange: Angst hat mir die Entscheidung eigentlich nicht gemacht, ich habe mich auf die Herausforderung sehr gefreut. Mir war sehr klar, dass ich diesen Weg unbedingt gehen möchte. Natürlich trägt man aber eine unheimliche Verantwortung, vor allem seinen Mitarbeitern gegenüber. Dessen muss man sich bewusst sein und in allen seinen Entscheidungen berücksichtigen. 

Welche Rolle haben die Kosten und Ausgaben für Versicherungen und Vorsorge bei der Entscheidung zu gründen gespielt?

Lea Lange: Meine Entscheidung habe ich nicht von den Kosten abhängig gemacht, die für Versicherungen und Vorsorge anfallen. Jedoch musste ich mich natürlich seit meinem Schritt in die Selbstständigkeit viel intensiver beziehungsweise breiter damit auseinandersetzen, auch im Hinblick auf das, was ich meinen Mitarbeitern bezüglich betrieblicher Altersvorsorge etcetera anbieten will.

Fühlen Sie sich heute in der Selbstständigkeit ausreichend versichert?

Lea Lange: Ja. Ich habe eine private Altersvorsorge sowie diverse Versicherungen.

Welche Versicherungen haben Sie denn? Was geben Sie im Schnitt monatlich für Ihren Versicherungsschutz und Ihre Altersvorsorge aus?

Lea Lange: Ich habe eine Haftpflicht-, eine Hausrat-, eine Berufsunfähigkeits- und natürlich die Krankenversicherung. Zusammen mit der privaten Altersvorsorge gebe ich insgesamt rund 900 Euro monatlich dafür aus.

 

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Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht von einer gläsernen Decke, über die Frauen auch in der Selbstständigkeit nicht hinauskommen. Wie ist Ihre Erfahrung?

Lea Lange: Schon allein die Tatsache, dass ich sehr häufig nach meiner „Situation“ als Frau in einer Führungsrolle gefragt werde, zeigt, dass es noch etwas Besonderes zu sein scheint. Stellen Sie sich vor, dass Männer gefragt würden, „Wie ist es, als Mann eine Firma zu führen?“.

Ich denke, viele Frauen sind zu bescheiden, was ihre Fähigkeiten angeht. Mein Ziel ist es also, anderen Frauen zu zeigen, dass sie sich mehr zutrauen müssen und dass Selbstbewusstsein sich auszahlt.

Persönlich sehe ich in der  Zusammenarbeit mit meinen beiden männlichen Mitgründern keinerlei Gefälle. Wir haben ein sehr ausgeglichenes Verhältnis. Ich denke, in der Startup-Szene ist der Unterschied nicht so deutlich wie in klassischen Corporate Jobs. Hier sind Hierarchien insgesamt weniger steil und Leute, die hier arbeiten, haben generell eine andere Einstellung zu Rollenverteilung und Karrierethemen.

Sehen Sie in der Selbstständigkeit mehr Raum, sich beruflich zu verwirklichen als in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis?

Lea Lange: Ja. Wie oben schon gesagt, liebe ich es einfach, alle Entscheidungen treffen zu können und meinen Erfolg ganz selbst in der Hand zu haben. Gleichzeitig ist es mir wichtig, meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Raum für Weiterentwicklung und Verwirklichung ihrer Ideen bieten zu können. Das ist meistens ja auch nur gut für die Firma. Wir Startups leben von proaktiven Leuten, die Lust auf Innovation haben.

Vielen Dank für das Interview.

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