Gründerinnen

„Die finanzielle Seite meiner Gründung habe ich gut geplant“

Miriam Wohlfarth ist Mutter und Geschäftsfrau. Mit einem durchgeplanten Terminkalender bringt sie Familie und Beruf sehr gut unter einen Hut. Sie ermutigt Frauen sich von Au Pairs oder Haushaltshilfen unter die Arme greifen zu lassen. Darüber hinaus erleichtert sie ihren Arbeitnehmern mit Kindern das Leben, indem sie flexiblere Arbeitszeitmodelle unterstützt.   

Gründerinnen - Miriam Wohlfarth
Miriam Wohlfarth ist Geschäftsführerin und Gründerin von RatePAY 

Wann haben Sie sich dazu entschieden, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Miriam Wohlfarth: Die endgültige Entscheidung, ein Payment-Unternehmen zu gründen, entstand 2009, im Jahr der Gründung selbst. Die Idee ist aber über einige Zeit hinweg gewachsen. 

Was waren Ihre drei Hauptgründe für die Selbstständigkeit?

Miriam Wohlfarth: Ich hatte eine Produktidee im Payment-Bereich, die so noch von keinem anderen Unternehmen angeboten wurde. Diese Idee wollte ich in die Tat umsetzen und selbst über den Erfolg des Produkts bestimmen. Gleichzeitig traf ich Partner, die mit mir gemeinsam den Schritt in die Gründung wagten.

Haben fehlende Aufstiegschancen in einem Anstellungsverhältnis zu der Entscheidung beigetragen?

Miriam Wohlfarth: Nein, das auf keinen Fall. Ich war lange Zeit im Angestelltenverhältnis tätig und immer sehr zufrieden. Ich hatte gute Jobs und gute Chefs. Aber es hat gebrannt in mir und ich wollte mich mit meiner Idee verwirklichen. 

Haben Sie sich für die Selbstständigkeit entschieden, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren?

Miriam Wohlfarth: Auch das nicht. Ich habe immer alles gut unter einen Hut bekommen, obwohl ich nach der Geburt meiner jetzt 11-jährigen Tochter schnell wieder Vollzeit gearbeitet habe. Natürlich war es nicht immer leicht und bedarf einer guten Organisation, aber es geht. 

Welchen Hürden begegnen viele Frauen mit Kindern in einem Angestelltenverhältnis?

Miriam Wohlfarth: Die größten Schwierigkeiten entstehen wohl durch unflexible Arbeitgeber und Arbeitszeitmodelle. Ausländische Unternehmen zeigen uns oft, wie das besser geht und bieten komfortable Lösungen für Mütter an. Aber auch in Deutschland bewegt sich langsam etwas. Als Geschäftsführerin versuche ich, geeignete Arbeitszeitmodelle für die Kollegen mit Kindern anzubieten. 

Was sind typische Probleme von selbstständigen Müttern, die den Spagat zwischen Familie und Beruf meistern?

Miriam Wohlfarth: Viele Frauen streben nach Perfektion, im Job, aber auch als Mutter, sei es bei Geschenken, Schulfesten oder Pausenbroten. Das ist unnötig: Hundert Prozent Liebe reichen aus. Um sich das Leben zu erleichtern, gibt es viele Hilfsservices wie Au Pairs oder Haushaltshilfe. Wenn es finanziell möglich ist, warum nicht?

 

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Wovor hatten Sie bei Ihrer Entscheidung zur Existenzgründung am meisten Angst?

Miriam Wohlfarth: Angst hatte ich nie. Was mir dabei half, waren der Rückhalt meines Ehemannes und die Tatsache, dass ich jederzeit zu meinem alten Arbeitgeber hätte zurückgehen können. Außerdem habe ich die finanzielle Seite der Gründung gut geplant. Es lebt sich leichter mit ein paar Rücklagen und nimmt den Druck, gleich nach Gründung schwarze Zahlen schreiben zu müssen. 

Welche Rolle haben die Kosten und Ausgaben für Versicherungen und Vorsorge bei der Entscheidung zu gründen gespielt? 

Miriam Wohlfarth: Solche Themen haben meine Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen, nicht beeinträchtigt. 

Welche Versicherungen haben Sie und was geben Sie im Schnitt monatlich für Ihren Versicherungsschutz und Ihre Altersvorsorge aus?

Miriam Wohlfarth: Ich nutze das übliche Paket an Versicherungen: Kranken-, Unfall-, Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Hinzu kommen einige Zusatzversicherungen. Was die Kosten angeht, habe ich manchmal das Gefühl mehr zu zahlen, als ich durch Leistungen zurückbekomme

Denken Sie, dass Sie ausreichend für das Rentenalter vorsorgen und ausreichend versichert sind?

Miriam Wohlfarth: Versichert bin ich natürlich. Aber ob das ausreicht, bleibt abzuwarten. Ich denke schon, dass mit dem Renteneintritt eine Lücke entstehen wird.

Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht von einer gläsernen Decke, über die Frauen auch in der Selbstständigkeit nicht hinauskommen. Wie ist Ihre Erfahrung? 

Miriam Wohlfarth: Das kann ich so nicht bestätigen. Ich musste nie die Erfahrung machen, irgendwas nicht erreichen zu können, nur weil ich eine Frau bin. Im Gegenteil. In der männerdominierten Payment-Welt kommt es mir sogar manchmal zugute

Sehen Sie in der Selbstständigkeit mehr Raum, sich beruflich zu verwirklichen als in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis?

Miriam Wohlfarth: Das könnte man in der Tat so sagen. Zwar hatte ich auch im Angestelltenverhältnis viel Freiraum, aber erst mit RatePAY kann ich mich so richtig austoben. Es macht großen Spaß, jeden Tag seine eigenen Ideen umzusetzen und sein eigener Chef zu sein. 

Vielen Dank für das Interview.

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