„Gründerinnen gehen immer auch eine Wette ein“

Salome Preiswerk ist Finanzprofi und Gründerin des Robo-Advisors Whitebox. Sie wusste zwar schon immer, dass sie ihre eigene Chefin sein will. Mit der endgültigen Geschäftsidee hat sie jedoch gewartet, bis ihr der zündende Einfall kam. Das ist generell ein guter Rat. Denn neben der Freude steckt auch viel Arbeit hinter dem eigenen Unternehmen.

Salome Preiswerk ist Gründerin von whitebox

In welcher Lebensphase haben Sie sich dazu entschieden, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen?

Salome Preiswerk: Eigentlich bereits als Kind. Natürlich wusste ich damals noch nicht, was ich genau selbstständig machen würde, aber dass ich meine eigene Firma haben würde, war mir irgendwie immer klar. Sehr zur – nicht ganz ernst gemeinten – Beunruhigung meiner Eltern, denn die frühkindlichen Geschäftsideen waren natürlich nicht besonders ausgereift.

Was waren Ihre drei Hauptgründe für die Selbstständigkeit?

Salome Preiswerk: Ich glaube, dass Gründen auch eine Typfrage ist. Ich habe mich nicht hingesetzt und nach einer sorgfältigen Analyse – und drei überzeugenden Pluspunkten – für die Selbstständigkeit entschieden. Ein Punkt, den viele Unternehmer anbringen, ist die unternehmerische Freiheit. Und die ist auch super. Es gibt jedoch auch Kehrseiten der Medaille. Wer was anderes behauptet, lügt. Es kann in manchen Fällen angenehm sein, andere entscheiden zu lassen. Das geht als Selbstständige nicht. Und das ‚ständig‘ in der ‚Selbstständigkeit‘ darf auch nicht unterschätzt werden. Unser Projekt war und ist beispielsweise für uns eine Herkulesaufgabe.

Für die Selbstständigkeit sprechen meiner Meinung nach:

  • Unternehmerische und geistige Freiheit

  • Der Reiz der Verwirklichung einer großen Idee von den Kinderschuhen bis zur Reife

  • Das eigene Projekt irgendwann in ferner Zukunft vielleicht besser mit ein paar persönlichen Freiheiten kombinieren zu können

 

Gründerinnen: Die wichtigsten Fakten zu Altersvorsorge und Versicherungen

Sie haben vor, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen oder sind diesen Schritt bereits gegangen? Dann lesen Sie jetzt unsere Tipps rund um die richtige Altersvorsorge und den passenden Versicherungsschutz für Gründerinnen. Neben wertvollen Expertenmeinungen finden Sie hier spannende Interviews mit erfolgreichen Gründerinnen, die ihren Traum bereits verwirklicht haben.

Haben fehlende Aufstiegschancen in einem Angestelltenverhältnis zu der Entscheidung beigetragen?

Salome Preiswerk: Nein, ich kann mich nicht beklagen und habe auch als Strategieberaterin für Banken eine ganz ordentliche Karriere hingelegt. Ob ich allerdings auf Dauer Lust auf diesen Job und das Umfeld gehabt hätte, ist eine andere Frage.

Wie steht es um die Vereinbarkeit von einer Geschäfts- und Familiengründung? Ist der Spagat zwischen Beruf und Familie Ihrer Meinung nach für gründende Frauen einfacher zu realisieren?

Salome Preiswerk: Eher nein. In Theorie hat man natürlich die Freiheit, das Kind zur Not auch mal ins Büro mitzunehmen. In der Praxis ist es doch aber eher so, dass die Gründung gegenüber dem Jobszenario um einiges schwieriger ist. Da ist zunächst das ganz banale finanzielle Risiko, das man anders zu tragen hat, wenn man noch eine Familie (mit) zu ernähren hat.

Im Job hätte man demgegenüber Mutterschutz, als Führungskraft vielleicht noch etwas länger als sonst üblich. Man hat vielleicht sogar eine KiTa beim Arbeitgeber oder zumindest etwas Unterstützung und Verständnis bei den täglichen ‚Unvereinbarkeiten‘. Selbst in meinem alten Job als Beraterin konnte ich irgendwann einen Schlussstrich unter die Arbeit machen und Feierabend machen oder am Wochenende mal nichts tun. Das sind alles Dinge, die man als Unternehmerin – jedenfalls am Anfang – nur schwer etablieren kann.

Neben diesen eher praktischen Dingen sind da noch der ständige Druck, das hohe Stresslevel und die geistige Beanspruchung. Es fällt als Unternehmerin viel schwerer einfach mal abzuschalten als in fast jedem noch so anspruchsvollen Job.

Wovor hatten Sie bei Ihrer Entscheidung zur Existenzgründung am meisten Angst?

Salome Preiswerk: Angst ist ein schlechter Ratgeber – in allen Lebenslagen. Respekt vor dem großen Schritt in die Selbstständigkeit empfiehlt sich jedoch durchaus. Wenn man das Ganze aber nicht aus einer Laune heraus, sondern geplant und idealerweise mit etwas ‚Vorbildung‘ im relevanten Bereich macht, wenn man nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken sorgfältig geprüft und abgewogen hat, dann muss man auch einfach irgendwann ins kalte Wasser springen.

Finanzen sind Ihr Thema. Spielten für Sie Versicherungen und Vorsorge eine besonders große Rolle bei der Entscheidung zu gründen?

Salome Preiswerk: Nein. Wenn man nicht gerade – aus welchen Gründen auch immer – finanziell auf Rosen gebettet ist und das Unternehmerdasein mehr Hobby als Beruf ist, ist das immer eine mehr oder minder große Wette, die man als Unternehmer eingeht. Wenn man scheitert, wäre eine Karriere in einer Firma in dieser Zeit sicherlich finanziell besser gewesen. Ist man jedoch erfolgreich, wird man hoffentlich dafür belohnt. Ein konservativer Finanzberater würde wohl selten zur Selbstständigkeit raten. Denn das Vorsorgerisiko kann kein Gründer vollständig abdecken. Gerade als Unternehmer sollte man aber seine Vorsorgesituation genau im Blick haben.

In welchen Situationen würden Sie aus finanzieller Sicht von einer Gründung abraten?

Salome Preiswerk: Das kann ich so pauschal nicht beantworten. Aber ein gewisses Polster und die grundsätzliche Fähigkeit, komme was wolle, wieder alleine auf die Beine zu kommen, sind sicherlich nicht falsch. Ich würde eher abraten zu gründen, wenn es der Idee an Stringenz mangelt, der Business-Plan untauglich ist oder wichtige Kenntnisse fehlen.

Können Sie gründungsinteressierten Frauen Ihren besten Finanztipp verraten?

Salome Preiswerk: Plant gut, schaut voraus und bedenke: Ein Restrisiko bleibt immer!

Vielen Dank für das Interview. 

Weitere Gründerinnen im Portrait

Wer noch mehr Tipps von erfolgreichen Gründerinnen sucht, findet weitere Erfahrungen in unseren Gründerinnen-Portraits:

Franziska von Hardenberg: „Altersvorsorge? Da schwingt ehrlich gesagt ein ungutes Gefühl mit“

Tijen Onaran: „Netzwerken ist die neue Rente“

Freya Oehle: „Für die Rente versorgt? Derzeit nicht im Mindesten“

Julia Sommerer & Franziska von der Ahé: „Mädels, macht Euch selbstständig!“

Dr. Birte Gall: „Angst ist bei mir ein seltener Gast“

Aimie-Sarah Carstensen: „Das Ziel ist, dass wir uns bald selbst abschaffen können“

Miriam Wohlfarth: „Die finanzielle Seite meiner Gründung habe ich gut geplant“

Lea Lange: „Vorsorge und Versicherungen? Ich zahle 900 Euro monatlich“

Sabine Hockling: „Durchhalten und weitermachen“

Ute Blindert: „Frauen müssen den Wandel mitgestalten, aktiv und laut“

Anette Weiß: „Die eigenen Finanzen durchblicken“

Esther Eisenhardt: „Die traditionelle Arbeitswelt finde ich unflexibel, absurd und unzeitgemäß“