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Nach der Hochzeit - Ehevertrag

Ehevertrag: So kann ein Rosenkrieg vermieden werden

Ein Ehevertrag kann vor oder nach der Hochzeit abgeschlossen werden. Er ermöglicht eine individuelle Regelung, jenseits von staatlichen Vorgaben. Da der Gesetzgeber die Rechtslage nach einer Scheidung an der klassischen Familie orientiert, fühlen sich viele heutige Familien durch diese Gesetze nicht mehr richtig vertreten. finanzen.de hat mit einer Fachanwältin für Familienrecht gesprochen, um herauszufinden, wer einen Ehevertrag braucht und was es beim Abschluss zu beachten gilt.

Diese Paare sollten über einen Ehevertrag nachdenken

Zwei Einkommen, keine Kinder

Die gesetzlichen Regelungen, die nach der Eheschließung für die Vermählten gelten, sind in der Regel für beide Parteien fair ausgearbeitet. Doch das Leben hat sich gewandelt – genauso wie das Konzept der Familie. Paare, die kinderlos in einer Ehe leben und finanziell unabhängig voneinander sind, können beispielsweise über einen Ehevertrag regeln, dass sie nach einer Scheidung ohne finanzielle Ansprüche aneinander getrennte Wege gehen können.

Unternehmer und Selbstständige

Heiraten zwei Menschen, von denen einer oder beide ein Unternehmen besitzen oder selbstständig arbeiten, so ist ein Ehevertrag sinnvoll. Auf diese Weise kann vertraglich geregelt werden, was nach einer Scheidung mit dem Betriebsvermögen geschieht. Ansonsten kann es passieren, dass Unternehmer einen Teil des Firmenvermögens an den Ex-Mann bzw. die Ex-Frau zahlen müssen und so den Fortbestand der Firma in Gefahr bringen. Häufig ist ein Ehevertrag sogar "Bestandteil eines Gesellschaftervertrages", so die Familienanwältin Franziska Hasselbach.

Ehepaare im Ausland oder mit unterschiedlichen Nationalitäten

Heiraten Paare verschiedener Nationalitäten in Deutschland, gilt zwar das deutsche Rechtssystem. Doch diese Regelung wird nicht zwangsläufig auch von anderen Ländern akzeptiert. In einem Ehevertrag sollte deshalb festgeschrieben werden, welches Rechtssystem nach einer Scheidung gilt.

Ehepaare mit unterschiedlich hohen Vermögen

Bringt einer der Vermählten ein sehr viel höheres Vermögen mit in die Ehe, kann ein Ehevertrag sinnvoll sein. Denn so ist der vermögendere Partner im Scheidungsfall vor hohen finanziellen Einbußen geschützt. Ähnlich sieht es übrigens aus, wenn ein Ehepartner ein großes Erbe erwartet. Auch Ansprüche für künftige Vermögen können über einen Vertrag vor oder nach der Eheschließung geregelt werden.

 

Ehevertrag: So unromantisch ist er gar nicht

Ein Ehevertrag klingt zwar unromantisch, aber sehen Sie es mal so: Paare können sich gegenseitig davor schützen – sollte es einmal in ihrem Leben zum Rosenkrieg kommen – dem jeweils anderen gegenüber unfair zu werden. Ein Ehevertrag regelt ganz genau – und fair –, welchem Partner was zusteht.

 

Fachanwältin Hasselbach: Darauf sollten Paare bei einem Ehevertrag achten

Nach der Hochzeit - Franziska Hasselbach
Fachanwältin für Familienrecht
Franziska Hasselbach

"Wichtig ist die Beratung durch Anwälte, um die Interessenlage herauszufinden. Der Notar, der den Ehevertrag später beurkundet, darf die Eheleute nur neutral beraten. Die Interessen eines Ehegatten können und dürfen daher von ihm nicht berücksichtigt werden. Wichtig ist insbesondere, dass die zu regelnden Punkte vorher klar definiert werden. Das klingt selbstverständlich, ist es aber oft nicht. So werden von juristischen Laien oft die Begriffe “Versorgungsausgleich” und “Zugewinnausgleich” nicht klar getrennt. Auch die verschiedenen Unterhaltstatbestände sind für die Ehegatten oft unbekannt. Da nicht alle Unterhaltstatbestände ausgeschlossen werden können, ist hier eine fundierte Beratung notwendig."

Ehevertrag: Das bedeuten Vorsorgeausgleich, Zugewinnausgleich und Gütertrennung

Ohne Ehevertag leben verheiratete Paare in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft. "Der Zugewinnausgleich betrifft nur das Vermögen der Eheleute. Wenn ein Ehegatte beim Ende der Ehe mehr Vermögen hat als zu Beginn der Ehe, muss er diesen Betrag zur Hälfte an den anderen Ehegatten ausgleichen. Der Zugewinnausgleich wird nicht automatisch durchgeführt, sondern nur auf Antrag", erklärt Hasselbach.

Durch eine vertraglich festgeschriebene Gütertrennung bleibt dieser Prozess aus. Das heißt: Jeder Partner kann über sein eigenes Vermögen sowohl vor als auch nach der Hochzeit schalten und walten, wie er möchte.

"Der Versorgungsausgleich, auch Rentenausgleich genannt, regelt die hälftige Aufteilung aller Rentenanwartschaften, die in der Ehezeit erworben wurden, also auch die hälftige Teilung von Betriebsrenten und Riesterrenten etc."

Ehevertrag: Kosten sind abhängig vom Vermögen

Der Preis für einen Ehevertrag teilt sich meistens in Ausgaben für einen Rechtsanwalt, einen Notar und anfallende Gebühren auf. „Die genauen Kosten des Vertrages hängen vom zu regelnden Wert ab. Dieser bestimmt das Haftungsrisiko und daher auch den Preis. "Normale" Eheverträge beginnen ab 1.500 Euro und können bei großen Vermögen auch mal 10.000 Euro kosten", so Hasselbach.

Was neben dem Ehevertrag noch wichtig ist

Genauso wie ein Ehevertrag ist auch die Entscheidung, nach der Hochzeit den gleichen Namen zu tragen, nur eine Option und nicht verpflichtend. Wer sich allerdings dafür entscheidet, sich einen Nachnamen zu teilen, darf nicht vergessen, die neue Anrede jeder offiziellen und inoffiziellen Stelle mitzuteilen. Die Checkliste zur Namensänderung hilft dabei, keinen wichtigen Posten zu vergessen.

Haben Sie sich darüber hinaus schon Gedanken über die Wahl Ihrer Steuerklasse gemacht? Ehepaare haben ein enormes Sparpotenzial, wenn sie sich für die richtige Kombination von Steuerklassen entscheiden.

Viele Ehepaare möchten darüber hinaus für ihr erstes gemeinsames Haus oder den Nachwuchs Geld zur Seite legen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einen Überblick für frischgebackene Eheleute gibt’s hier