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Organspende

Organspenden können Leben retten. Diesen Satz kennt jeder und dennoch besitzen in Deutschland momentan nur knapp 28 Prozent der Bürger einen Organspendeausweis. In der Vergangenheit sind nicht nur neue Gesetze in Kraft getreten, die für mehr Transparenz bei Organ-Transplantationen sorgen sollen, sondern auch mehrere Kampagnen gestartet, die die Spendebereitschaft der Deutschen erhöhen sollen.

Organspende
Rund 28 Prozent der Deutschen besitzen
einen Organspendeausweis

Pünktlich zum Tag der Organspende haben das Bundesgesundheitsministerium und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine neue Kampagne für mehr Organspenden gestartet. Diese knüpft an die Aktionen aus dem Jahr 2013 an. In den nächsten Wochen wird nun verstärkt mit Plakaten und Anzeigen unter dem Motto "Ich entscheide" für das Ausfüllen eines Organspendeausweises geworben.

Nachdem im Sommer 2012 ein Skandal zutage gekommen ist, versucht die Bundesregierung das Vertrauen der Deutschen in die Organspende wieder zu stärken. Beim sogenannten Göttinger Organspendeskandal sollen mehrere Ärzte an den Universitätskliniken Göttingen und Regensburg über Jahre hinweg Krankenakten manipuliert haben, damit ihre Patienten schneller ein Spenderorgan erhalten konnten - obwohl andere Menschen dieses vielleicht viel dringender gebraucht hätten. Die Mediziner werden zudem verdächtigt, für diese bevorzugte Behandlung Geld von ihren Patienten angenommen zu haben.

Ärzte und Kliniken unter Druck

Angesichts der zahlreichen Medienberichte ist das Vertrauen vieler Menschen in das System der Organspende nachhaltig erschüttert worden. Bis die Deutschen jedoch wieder vorbehaltlos auf die Organspende vertrauen können, wird trotz neuer Gesetze und Aufklärungskampagnen noch eine lange Zeit vergehen müssen. Experten fordern dafür vor allem mehr Transparenz im Organspendeverfahren. finanzen.de möchte Ihnen aus diesem Grund einen Überblick zum Thema Organspende geben und hat die wichtigsten Informationen für Sie zusammengetragen.

Organe retten Leben

Die Spende eines Organs ist durch eine Organtransplantation möglich. Die Medizin ist heutzutage dazu in der Lage, neben Niere und Leber auch Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm von einem Spender auf einen transplantationsbedürftigen Empfänger zu übertragen. Auch Gewebetransplantationen etwa von Augenhornhaut, Knochen, Haut und Blutgefäßen sind möglich. Nach dem Tod eines Menschen dürfen Organe in Deutschland laut Transplantationsgesetz nur unter zwei Bedingungen entnommen werden: Zum einen muss der Hirntod eindeutig festgestellt worden sein. Zum anderen muss eine Willenserklärung des Verstorbenen oder – wenn eine solche nicht bekannt ist – eine Zustimmung der Angehörigen vorliegen.

Organspende in Europa

Somit gilt in Deutschland - anders als beispielsweise in Frankreich, Österreich oder Polen, wo die Menschen einer Organspende auf Wunsch zu Lebzeiten eindeutig widersprechen müssen - die sogenannte Zustimmungsregelung. Die Bereitschaft zur Organspende kann hierzulande mit einem Organspendeausweis erklärt werden. Dieser ermöglicht, dass im Falle des eigenen Todes in Bezug auf die Organspende entsprechend des persönlichen Wunsches gehandelt werden kann.

Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2014 wären nur rund 68 Prozent der Deutschen damit einverstanden, dass man ihnen nach ihrem Tod Organe entnimmt, um damit anderen Menschen die Chance auf Leben zu ermöglichen. Derzeit warten bundesweit etwa 11.000 Patienten auf ein Spenderorgan. Statistisch gesehen sterben täglich drei von ihnen, weil kein passendes Organ für sie zur Verfügung steht.

Der Organspendeausweis

Über einen Organspendeausweis verfügen nach offiziellen Angaben nur rund 28 Prozent der Deutschen. Jeder, der einen solchen Ausweis nicht besitzt, überlässt in seinem Todesfall seinen Angehörigen die Entscheidung, ob ihm Organe oder Gewebe entnommen werden dürfen. Der Besitz eines Organspendeausweises gibt Ärzten und Verwandten in einer ohnehin belastenden Situation Gewissheit. Hierin kann entweder das Einverständnis zur Organ- und Gewebespende generell oder nur für bestimmte Organe und Gewebe erklärt werden. Ausweisbesitzer haben aber ebenso die Möglichkeit, einer Spende nach ihrem Tod zu widersprechen.

Organspende - Hintergründe

Im Jahr 2010 besaßen laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) 82 Prozent der Deutschen keinen Organspendeausweis. Die Gründe für den Nichtbesitz waren vielfältig. Immerhin 36 Prozent der Befragten gaben an, noch nicht ausreichend informiert zu sein. 10 Prozent zogen einen Organspendeausweis aus gesundheitlichen Gründen nicht in Betracht. Grundsätzlich ablehnend standen sechs Prozent der Befragten einer Organspende gegenüber. Vier Prozent der Befragten besaßen keinen Ausweis aus Angst davor, im Ernstfall vorzeitig für tot erklärt zu werden. Drei Prozent der Umfrageteilnehmer lehnten einen Ausweis zum Zeitpunkt der Befragung aus religiösen oder ethischen Gründen ab.

Zahlen und Fakten

Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) wurden in Deutschland seit 1963 70.318 Nieren, 18.868 Lebern, 10.969 Herzen, 3.865 Lungen und 3.150 Bauchspeicheldrüsen transplantiert (Stand 2011).
Allein im Jahr 2013 wurden insgesamt 4.059 Organe entnommen. Darunter waren:

  • 2.272 Nieren
  •   313 Herzen
  •   970 Lebern
  •   371 Lungen und
  •   128 Bauchspeicheldrüsen
  • Aktuell warten rund 11.000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan - allein rund 7.900 von ihnen benötigen eine neue Niere.
  • Statistisch gesehen sterben in jeder Woche 20 Patienten, weil ein passendes Spenderorgan fehlt. Unter der Bedingung, dass das Risiko einer Transplantation nicht zu hoch ist und eine mögliche Organspende erfolgsversprechend wäre, werden die Betroffenen in eine Warteliste aufgenommen.
  • Medienberichten zufolge werden Spenderorgane in Deutschland jedoch immer häufiger an den offiziellen Wartelisten vorbei vergeben, der Anteil sogenannter beschleunigter Vermittlungsverfahren habe in den vergangenen Jahren rapide zugenommen.Aktuell wird jedes vierte Herz, jede dritte Leber und jede zweite Bauchspeicheldrüse von den Transplantationszentren direkt an ausgewählte Patienten vergeben.

Vermittlung über Eurotransplant

Die Daten der Patienten, für die eine Transplantation in Frage kommt, werden an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) in den Niederlanden übermittelt. Diese im Jahre 1967 gegründete Stiftung vermittelt Organspenden zwischen den Benelux-Staaten, Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Die Organvermittlung an potenzielle Organempfänger in Deutschland erfolgt nach Richtlinien der Bundesärztekammer, wobei Erfolgsaussicht und Dringlichkeit einer Transplantation die wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Vergabe sind.

Medienberichten zufolge werden Spenderorgane in Deutschland jedoch immer häufiger an den offiziellen Wartelisten vorbei vergeben, der Anteil sogenannter beschleunigter Vermittlungsverfahren habe in den vergangenen Jahren rapide zugenommen. Während 2002 der Anteil solcher Verfahren bei Herz, Leber und Bauchspeicheldrüse noch bei unter zehn Prozent lag, wird aktuell jedes vierte Herz, jede dritte Leber und jede zweite Bauchspeicheldrüse von den Transplantationszentren direkt an ausgewählte Patienten vergeben.

Eine Prüfungskommission der Bundesärztekammer prüft die erfolgten Transplantationen stichprobenartig. Derzeit werden nur ein bis fünf Prozent der Verfahren untersucht. Im Zuge des bekannt gewordenen Organspendeskandals gab die Bundesärztekammer am 27. August 2012 bekannt, dass in den Jahren 2000 bis 2011 insgesamt 50.739 Organtransplantationen in Deutschland an Eurotransplant gemeldet worden waren - davon 43.536 Postmortalspenden und 7.203 Lebendorganspenden. Nach eigenen Angaben prüfte die Kommission in 119 Fällen gemeldete Allokationsauffälligkeiten, wobei in 31 Fällen Verstöße unterschiedlichen Schweregrades gegen das geltende Transplantationsgesetz festgestellt wurden.

Organspende - Organe

Die abgebildete Grafik zeigt, dass in Deutschland seit dem Jahr 1963 vor allem Niere, Leber und Herz transplantiert worden sind. Transplantationen von Lunge und Bauchspeicheldrüse werden in Deutschland noch vergleichsweise selten durchgeführt.

  • Nach Angaben des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen kostet eine Lebertransplantation derzeit im Schnitt 84.000 Euro.
  • Sofern es während des Eingriffs zu Komplikationen kommt, können die Kosten auch schnell auf über 100.000 Euro ansteigen.
  • Die Krankenhäuser erhalten für eine Organentnahme laut GKV-Spitzenverband zurzeit eine Pauschale von rund 3.100 Euro, bei einer Mehrorganentnahme rund 3.900 Euro. Interessant dabei: Grundsätzlich endet die Leistungspflicht der Krankenversicherung mit dem Tod. Durch das Transplantationsgesetz wird deshalb geregelt, dass die Kosten, die für die Vorbereitung einer Organtransplantation beim potenziellen Organspender entstehen, durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) vergütet werden.

Glaube vs. Medizin - Wie stehen unterschiedliche Religionen zur Organspende?

Christentum

Organspende Religion
Die meisten Religionen
befürworten die Organspende

Als das Transplantationsgesetz in Deutschland 1997 verabschiedet worden ist, begrüßten sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche in Deutschland diese Entscheidung. Beide Kirchen sehen die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod als ein Zeichen der Nächstenliebe und der Solidarisierung mit den Kranken und Behinderten. In einer gemeinsamen Erklärung zur Organtransplantation aus dem Jahr 1990 befürworteten die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der EKD die Organspende unter bestimmten Bedingungen. Unter anderem müsse dem Willen eines Verstorbenen besondere Beachtung geschenkt werden, so die christliche Sicht. "Wer sich zu Lebzeiten zur Organspende nach seinem Tod äußert, nimmt seinen Angehörigen die zuweilen schmerzliche Last einer Entscheidung ab und erspart ihnen die Not von Mutmaßungen über seinen Willen", heißt es in der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD.

Lesen Sie hier ein Interview zum Thema Organspende mit dem Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland, Herrn Reinhard Mawick.

Islam

Laut Zentralrat der Muslime in Deutschland ist das deutsche Transplantationsgesetz mit dem islamischen Prinzip vereinbar. Im Islam gilt eine freiwillige Organspende als ein Zeichen von Mitgefühl und Nächstenliebe. In einer Stellungnahme des Zentralrates der Muslime zur Organspende in Deutschland heißt es, es sei aus religiöser Sicht erlaubt und lobenswert, die Not eines anderen Menschen lindern zu wollen. Voraussetzung für die Organspende im Islam ist die Zustimmung eines Spenders, wenn dieser volljährig und bei klarem Verstand ist, oder seiner Angehörigen. Lebendspenden sind in den meisten muslimisch geprägten Ländern dann erlaubt, wenn der Nutzen für den Empfänger größer ist als einen möglichen Schaden für den Spender.

Judentum

Im jüdischen Glauben herrschen verschiedene Ansichten zur Organspende. Orthodoxe Juden stimmen einer Organspende bei Hirntod nicht zu, da nach dem jüdischen Religionsgesetz, der Halacha, der Tod beim Menschen erst dann eintritt, wenn Herzschlag und Atmung dauerhaft zum Stillstand kommen. Aus jüdischer Sicht hat Gott den Menschen ihr Leib nur geliehen und der Mensch darf seinen Körper nicht willentlich verletzen. Auch die Unversehrtheit einen toten Körpers muss in der jüdischen Religion gewahrt werden. Ein anderes Gebot des Judentums besagt allerdings auch, dass menschliches Leben erhalten und gerettet werden muss. Viele liberale Juden befürworten die Organspende heutzutage aus diesem Grund. Die freiwillige Spende ist jedoch nur unter den Bedingungen erlaubt, dass kein Profit aus dem Körper entsteht und der Leichnam respektvoll behandelt wird.

Lesen Sie hier ein Interview zum Thema Organspende mit dem Pressesprecher der Jüdischen Gemeinde in Hamburg, Herrn Michel Rodzynek.

Buddhismus

Nach buddhistischer Auffassung stellen der menschliche Körper und die Seele eine untrennbare Einheit dar. Mit dem Tod eines Menschen wird diese Einheit in einem Prozess aufgelöst, der über den Stillstand wahrnehmbarer körperlicher Funktionen hinaus andauert. Für viele tibetisch-buddhistischen Anhänger stellt eine Organentnahme daher einen Eingriff in den Sterbevorgang dar. Dennoch spielen Mitgefühl, Teilen und Solidarität eine wichtige Rolle im Buddhismus. Auch wird betont, dass der Mensch sich nicht an seinen Körper klammern soll. Jeder Buddhist muss eigenständig entscheiden, ob er einer Organspende zustimmt. Sollte er keine eindeutige Willenserklärung abgegeben haben, so raten buddhistische Anhänger in Deutschland davon ab, dass Angehörige eine stellvertretende Entscheidung treffen.

Lesen Sie hier ein Interview zum Thema Organspende mit dem buddhistischen Lehrer Herrn Öser Bünker.

Hinduismus

Im Hinduismus wird der Körper als eine sterbliche Hülle angesehen, während die Seele als unsterblich gilt. Obwohl die Unversehrtheit eines Leichnams einen hohen Stellenwert hat, schreibt die Religion kein Verbot der Organspende vor. Die meisten gläubigen Hindus stehen der Spende positiv gegenüber und haben keine Bedenken, ihre Organe für eine Transplantation zur Verfügung zu stellen. Da Leidenden mit einem solchen Schritt geholfen werden kann, wird die Spende als Opfergabe betrachtet und kann ein gutes Karma bewirken. In Indien, dem Ursprungsland des Hinduismus, ist das Hirntodkonzept offiziell anerkannt, obwohl es im Widerspruch zur Definition des Todes im Hinduismus steht. Demnach wird ein Mensch erst dann als tot angesehen, wenn sein Körper erkaltet ist. Das Prinzip, Leidenden zu helfen, nimmt jedoch einen deutlich höheren Stellenwert ein.

Lesen Sie hier ein Interview zum Thema Organspende mit dem hinduistischen Mönch Bhakti Raksaka Svami.

Organspende Transplantation
Aktuell benötigen
12.000 Menschen ein Spenderorgan

Organspendeskandal und die Konsequenzen

Nach Bekanntwerden des Organspendeskandals an den Universitätskliniken im niedersächsischen Göttingen und im bayerischen Regensburg lud Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am 27. August 2012 zu einem Spitzentreffen zwischen Politikern, dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen, der Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Eurotransplant, der Deutschen Transplantationsgesellschaft, der Deutschen Stiftung Organtransplantation und dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung, um mögliche Maßnahmen nach den Organspendevorfällen zu beraten.

Mehr Kontrolle

"Wir müssen Kontrolle und Aufsicht verbessern, und wir müssen Transparenz und Konsequenzen verbessern", sagte der Bundesgesundheitsminister im Zuge des Spitzentreffens. Gemeinsam mit Landesvertretern und Fachkräften des Organspendewesens wurde ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, der auf diese Ziele hinarbeitet. Beraten wurde unter anderem darüber, ob die Landesbehörden künftig verstärkt in den Kliniken kontrollieren können. Vor allem unabhängige Experten sollen die Transplantationszentren nun stärker kontrollieren dürfen als zuvor. Die Prüfungskommission kündigte Stichprobenüberprüfungen in allen Zentren an.

Sechsaugenprinzip

Bei der Aufnahme von Patienten auf eine Warteliste soll in der Zukunft ein Sechsaugenprinzip gelten. Mindestens drei Personen - davon eine, die keine Verbindung zur Transplantationsmedizin hat und dem ärztlichen Direktor der Klinik direkt untersteht - werden dann über die Aufnahme in die Wartelisten entscheiden müssen. Auch in eiligen Fällen sollen die Organtransplantationen künftig besser dokumentiert werden. Geplant ist zudem, dass Regelverstöße gegen die Vorgaben des Transplantationsgesetzes deutliche Konsequenzen haben. "Je nach der Schwere des Verstoßes reicht das Spektrum von Sanktionsmöglichkeiten über arbeits- und berufsrechtliche Maßnahmen bis hin zu Maßnahmen des Ordnungswidrigkeiten...", hieß es in der offiziellen Erklärung zum Spitzengespräch.

Eine weitere, wesentliche Maßnahme infolge des Organspendeskandals besteht in der Anpassung der Ärzteverträge in den Transplantationszentren. Die Kliniken waren zuvor mehrfach kritisiert worden, weil sie mit Medizinern Sondervereinbarungen über Bonuszahlungen eingegangen waren. Für eine bestimmte Leistungsmenge erhielten die verantwortlichen Ärzte per Vertrag mehr Geld, so dass Fehlanreize gesetzt worden waren. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sprach sich auf dem Spitzentreffen für die Abschaffung dieser finanziellen Anreize aus und kündigte an, entsprechende Änderungen in den Musterverträgen vorzunehmen. Einige Krankenhausträger haben Verträge mit den Sondervereinbarungen bereits gekündigt.

Kriminelle Machenschaften

Nach Ansicht des Präsidenten der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, handelt es sich bei den bekanntgewordenen Vorfällen in Göttingen und Regensburg um Einzelfälle im deutschen Organspendewesen. "Da kann man weder von Mafia noch von großflächigem kriminellem Verhalten sprechen", sagte er in einem Interview. Dennoch scheint es gerade im Bereich der Organspende auf der ganzen Welt immer wieder kriminelle Machenschaften zu geben. Wohl vor allem, weil sich auf illegalem Wege viel Geld mit der Chance auf Leben verdienen lässt, werden immer wieder Fälle von Organschmuggel bekannt.

Organhandel - ein globales Problem

Medienberichte über den verbotenen Handel mit menschlichen Organen sind weltweit zu finden. In Ländern wie China, Moldawien, Rumänien, Südafrika oder der Türkei waren bezahlte Organspenden in der Vergangenheit keine Seltenheit. Immer wieder wurden Fälle bekannt, bei denen wohlhabende Europäer oder Amerikaner Organe aus den ärmeren Ländern gegen Geld erhielten. Auf Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterzeichneten im Jahr 2008 78 Länder die Erklärung von Istanbul gegen Organhandel und Transplantations-Tourismus.

Mit der Deklaration von Istanbul erklärten die Unterzeichner, dass sowohl Organhandel als auch Transplantations-Tourismus gegen die Prinzipien Gleichheit, Gerechtigkeit und Respekt für die menschliche Würde verstoßen und daher verboten sein sollten. In vielen Ländern ist der Handel mit menschlichen Organen mittlerweile als explizites Verbrechen definiert worden. Dennoch schockierten auch nach dieser Erklärung weitere Fälle von Organschmuggel die Öffentlichkeit, illegale Transplantationen werden immer wieder bekannt und bestraft.

Insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern passiert es weiterhin, dass Organe an zahlungskräftige Empfänger verkauft werden. Der illegale Handel stellt auch aus medizinischer Sicht sowohl für Lebendspender als auch für die Empfänger eine große Gefahr dar: Die Spender gehen hohe gesundheitliche Risiken ein, bei einer unzureichenden medizinischen Versorgung riskieren sie ihr eigenes Leben, um Geld zu verdienen. Die Gefahr, dass der Organempfänger das Spenderorgan abstößt, ist ebenso höher, wenn der Gesundheitszustand der Spender nicht den üblichen medizinischen Standards entspricht.

Fazit

Die Chance auf ein neues Leben durch eine Organtransplantation hat letztlich einen unbezahlbaren Wert für all jene Menschen, die dringend ein gesundes Organ benötigen. Ein Mangel an Organen lässt allein in Deutschland jährlich über 1.000 schwerkranke Organbedürftige sterben. Schon das macht es so wichtig, dass wieder mehr Deutsche in das Organspendewesen vertrauen. Wer einen Organspendeausweis bei sich trägt, kann - sofern er sich mit einer Spende einverstanden erklärt - nach seinem Tod Leben schenken. Und auch, wenn er sich gegen eine Organspende entscheidet, hilft er mit dem Besitz eines Organspendeausweises seinen Angehörigen, indem er ihnen in einer ohnehin belastenden Situation eine schwerwiegende Entscheidung abnimmt.