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Finanzen-Check für die Ausbildung

Bald beginnt das neue Ausbildungsjahr. Für viele junge Leute wird es dann ernst: Erstmals müssen sie sich selbst um Verträge und um ihre Absicherung in Notlagen kümmern. Hier gibt es Antworten auf häufige Fragen beim Start ins Berufsleben.

Bald beginnt das neue Ausbildungsjahr. Für viele junge Leute wird es dann ernst: Erstmals müssen sie sich selbst um Verträge und um ihre Absicherung in Notlagen kümmern. Hier gibt es Antworten auf häufige Fragen beim Start ins Berufsleben.



1.    Brauche ich eine eigene Krankenversicherung?

Ja. Wer eine Ausbildung beginnt, muss sich selbst um eine Krankenkasse kümmern. Die Familienversicherung über die Eltern greift nicht mehr. 7,9 Prozent seines Bruttoeinkommens muss der Auszubildende dafür aufwenden, 7 Prozent zahlt der Arbeitgeber.

Bei der Auswahl der Krankenkasse kann man nicht viel falsch machen: Alle Anbieter verlangen den einheitlichen Beitragssatz und zahlen für notwendige Behandlungen. Wer vergleicht, kann aber eine Krankenkasse mit überdurchschnittlichen Leistungen finden. Beispiele dafür sind kostenlose Gesundheitskurse oder ein Bonusprogramm, mit dem sich Auszubildende Geldprämien verdienen können. Wichtig ist, dem Arbeitgeber pünktlich eine Versicherungsbestätigung vorzulegen – am besten am ersten Arbeitstag.

Keine Auswahl hat man bei der Pflegeversicherung. Dafür werden dem Auszubildenden automatisch 1,4 Prozent vom Gehalt abgezogen. Sozialbeiträge werden bei Auszubildenden übrigens immer fällig – selbst wenn das Einkommen unter 400 Euro liegt. Denn bei einer Ausbildung handelt es sich nicht um einen „Mini-Job“.


2.    Was muss ich bei der Rentenversicherung beachten?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist auch für Auszubildende Pflicht. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich den Beitragssatz von aktuell 19,9 Prozent des Bruttolohns. Der Beitrag wird automatisch vom Lohn abgezogen, Auswahlmöglichkeiten gibt es nicht.

Als Ergänzung zur staatlichen Rente sollten junge Menschen aber frühzeitig über eine private Absicherung nachdenken. Bei Auszubildenden kommt vor allem die Riester-Rente in Betracht. Denn die staatliche Förderung ist gerade bei geringem Einkommen interessant. Selbst bei minimalen Einzahlungen gibt es eine jährliche Zulage von 154 Euro. Hinzu kommt der Berufseinsteiger-Bonus: Junge Leute bis 25 Jahre erhalten einmalig 200 Euro.


3.    Wie viel kostet die Arbeitslosenversicherung und was leistet sie?

Derzeit liegt der Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung bei 2,8 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Beiträge jeweils zur Hälfte.

Mit den Beitragseinzahlungen erwirbt sich der Auszubildende Ansprüche auf Arbeitslosengeld I. Das kann derjenige erhalten, der in den vorangegangenen zwei Jahren mindestens 12 Monate beschäftigt war. Auch Wehr- oder Zivildienst zählt als Beschäftigungszeit. Die Höhe des Arbeitslosengeldes beträgt normalerweise 60% des Nettoeinkommens, das im Jahr vor Beginn der Arbeitslosigkeit erzielt wurde. Wer Kinder hat, kann 67 Prozent bekommen. Das Arbeitslosengeld I wird für 6 bis 24 Monate gezahlt, je nachdem, wie lange jemand vorher beschäftigt war.

 

4.    Wird das Kindergeld auch während der Ausbildung bezahlt?

Eltern können Kindergeld beantragen, wenn ihr Kind unter 25 Jahre alt ist und sich in der Ausbildung befindet. Voraussetzung ist ferner, dass der Auszubildende nicht mehr als 7.680 Euro im Jahr verdient. Allerdings werden die Sozialabgaben sowie einige weitere Ausgaben nicht zum Einkommen gerechnet. Das tatsächliche Bruttoeinkommen darf also höher sein.

 

5.    Soll ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Mit den Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung erhalten Auszubildende Schutz bei Arbeitsunfähigkeit. Das allerdings nur auf sehr niedrigem Niveau und meist erst dann, wenn fünf Beitragsjahre nachgewiesen wurden. Auszubildende sollten sich deshalb frühzeitig über die Möglichkeit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung informieren. Es gibt spezielle Auszubildenden-Tarife. Diese gewähren zum günstigen Preis einen Schutz für einige Jahre und können später aufgestockt werden. Lesen Sie mehr zum Thema Arbeitsunfähigkeitsversicherung.


6.    Gilt die Haftpflichtversicherung der Eltern auch für Auszubildende?

Wer anderen einen Schaden zufügt, muss dafür gerade stehen. Die Haftpflichtversicherung gehört deshalb zu den wichtigsten Versicherungen. Wer sich in seiner ersten Ausbildung befindet, kann aber über die Eltern mitversichert bleiben. Haben diese keine Versicherung, sollte man sich schnell um einen eigenen Vertrag kümmern.

 

7.    Wie finanziere ich eine eigene Wohnung?

Mit dem Ausbildungsgehalt lassen sich keine großen Sprünge machen. Für eine eigene Wohnung reicht es meist nicht. Wenn der Ausbildungsbetrieb mehr als eine Stunde entfernt ist, kann allerdings Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) bei der Arbeitsagentur beantragt werden. Eine Förderung ist möglich, wenn die Miete anderweitig nicht bezahlt werden kann. Bei der Prüfung werden auch Einkommen und Vermögen des Lebenspartners sowie der Eltern berücksichtigt.

 

8.    Muss ein Auszubildender Einkommensteuer zahlen?

Angesichts ihres oft geringen Einkommens zahlen die meisten Azubis keine Einkommensteuer. Denn zunächst einmal gibt es einen Grundfreibetrag von 7.834 Euro im Jahr. Hinzu kommen weitere Freibeträge, so dass das Einkommen bis zu einem Bruttolohn von etwa 11.000 Euro jährlich fast immer steuerfrei ist. Sozialabgaben müssen trotzdem bezahlt werden.

 

9.    Was mache ich, wenn ich keinen Ausbildungsplatz finde?

Wer bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle nicht fündig wird, sollte sich schnell bei seiner Arbeitsagentur melden. Dort gibt es häufig noch offene Stellen oder man erhält Hinweise, wie sich die Zeit zwischen Schule und Beruf sinnvoll überbrücken lässt. Beispiele sind Auslandsaufenthalte, Praktika, oder berufsvorbereitende Kurse. Außerdem gibt es bei der Arbeitsagentur Informationen zur überbetrieblichen Ausbildung.
Finanzielle Hilfen zahlt das Amt nur in Ausnahmefällen. Junge Leute unter 25 Jahren müssen bei ihren Eltern wohnen bleiben und können nur dann Arbeitslosengeld II beantragen, wenn die Eltern nicht genügend verdienen.


10.    Wie finde ich gute Anbieter für meine Absicherung?

Hier können Auszubildende Tarife und Anbieter für die wichtigsten Versicherungen einfach vergleichen. Teilweise ist der sofortige Abschluss möglich.