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Gesetzliche Krankenkassen – Fusionen können den Staat belasten

Viele Zusammenschlüsse aufgrund drohender Insolvenz

Dem Bundesversicherungsamt zufolge wird die gesetzliche Krankenversicherung 2011 ein Defizit von bis zu 15 Milliarden Euro erleiden. Damit verbundene Ängste verleiten immer mehr Krankenkassen dazu, eine Fusion in Erwägung zu ziehen. Noch für 2010 sind weitere Zusammenschlüsse geplant.

Momentan gibt es in keinem anderen Wirtschaftszweig so viele Zusammenschlüsse wie bei den gesetzlichen Krankenversicherungen. Rolf Stuppardt, Vorsitzender des Bundesverbandes der Innungskrankenkassen, äußerte nun die Vermutung, dass es sich dabei um das Phänomen „too big to die“ handle. Die Motivation der Versicherungen sei, durch eine Vereinigung ihren Stellenwert zu steigern. Durch Fusionen könne ein derartiger Bedeutungszuwachs der Gesellschaften erfolgen, dass eine Insolvenz eine Bedrohung für das gesamte Gesundheitssystem wäre. Deshalb würde der Staat im Fall eines drohenden Bankrotts Unterstützung leisten.

Auch Hans Unterhuber, Vorsitzender der Siemens-Betriebskrankenkasse, begegnet dem Fusionsdenken mit Skepsis. Laut Unterhuber können bei einer Schließung kleinerer Krankenkassen andere Unternehmen die Versicherten aufnehmen. Die Auflösung größerer Gesellschaften hingegen führe zu einem hohen Aufwand und umfangreichen Kosten, die der Staat übernehmen müsse. Die Milliardendefizite im Gesundheitssystem und die Mitgliederverluste einiger Krankenkassen durch die Zusatzbeiträge machen sich zunehmend bemerkbar.