Seit Jahren ist klar, dass die gesetzliche Rente in einer Krise steckt. Denn diese basiert auf dem sogenannten Generationenvertrag, der durch den demografischen Wandel kaum noch zu erfüllen ist. Der Generationenvertrag basiert dabei auf der Grundlage, dass viele berufstätige Einzahler in die Rente, die Leistungen für die älteren Mitbürger finanzieren. Durch die steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten verringert sich die Anzahl der Berufstätigen gegenüber den Rentenempfängern jedoch immer mehr. Dadurch steigt nicht nur die Last der heutigen Arbeitnehmer, die gesetzliche Rentenversicherung kann mit den gezahlten Rentenbeiträgen auch kaum noch die Renten der älteren Bürger finanzieren.
Um diesem Prozess entgegenzuwirken, wurde die Erhöhung des Renteneinstiegsalters beschlossen. Menschen, die nach 1946 geboren sind, werden also länger arbeiten müssen, um Anspruch auf volle Rentenleistungen zu erhalten. Dadurch zahlen die Berufstätigen nicht nur länger in die Rentenkasse ein, sie erhalten auch erst später selbst Leistungen. Wer dennoch mit 65 Jahren in Rente gehen will, kann dies ohne Abzüge nur dann, wenn er mindestens 45 Jahre lang Rentenbeiträge eingezahlt hat.
Die Erhöhung des Rentenalters hat dabei auch Auswirkungen auf die private Altersvorsorge. Bisher galt als frühestmöglicher Rentenbeginn eine Grenze von 60 Jahren. Alle Altersvorsorgeverträge, die ab dem 1.1.2012 abgeschlossen werden, sehen jedoch einen Rentenbeginn von 62 Jahren vor. Ähnlich wie bei der staatlichen Rente bedeutet dies zwar eine längere Einzahlungsphase und damit eine effektiv höhere Rente. Allerdings kommt man auch erst zwei Jahre später in den Genuss der Zahlungen und bezieht sie zwei Jahre kürzer. Die Versicherungsgesellschaften raten daher momentan, ohnehin geplante Verträge noch in diesem Jahr abzuschließen.
Kritik an der Rente mit 67
Obwohl die Notwendigkeit einer grundlegenden Änderung des Rentensystems aufgrund der Zahlen eindeutig ist, halten nicht alle die Rente mit 67 für den richtigen Schritt. So wurde gerade erst auf dem SPD-Bundesparteitag in Berlin über die Aussetzung des Einstiegs in die Rente mit 67 diskutiert. So solle der Übergang in die Rente flexibler gestaltet werden und auch der Eintritt in die Teilrente ab 60 Jahren vereinfacht werden. Laut Spiegel Online forderte die Parteilinke überdies eine Festsetzung des Rentenniveaus auf den heutigen Stand. Dabei ist eine Senkung der Rentenbezüge von 50 auf 43 Prozent bis 2030 gesetzlich vorgesehen. Die SPD-Spitze um Sigmar Gabriel will hingegen am Rentenbeschluss festhalten.
Dabei ist die Finanzierung des Rentensystems nicht nur in Deutschland problematisch. Selbst in der Schweiz werden bereits Stimmen laut, die gar eine Rente mit 70 statt der jetzigen Rente mit 65 Jahren fordern. So äußerte sich vor wenigen Tagen Rolf Döring, Chef des Lebensversicherers Swiss Life, gegenüber der Schweizer SonntagsZeitung, dass ein allgemeiner Ruhestand mit 65 Jahren in absehbarer Zeit nicht mehr zu finanzieren wäre.
Selbst mit der derzeitigen Änderung des Renteneinstiegsalters in Deutschland ist fraglich, wie lange das Rentensystem in seiner heutigen Form bestehen bleiben kann. Bereits jetzt reichen die Rentenzahlungen nicht für alle Menschen aus. So bezogen am Jahresende 2010 rund 797.000 Menschen die sogenannte Grundsicherung, eine staatliche Sonderleistung. Diese wird zwar auch in bestimmten Fällen Berufsunfähigen gewährt, der Großteil der Bezieher erhält die Grundsicherung jedoch, da ihre Rentenleistungen nicht ausreichen, um den Lebensbedarf zu decken. Gegenüber 2009 ist die Anzahl der Menschen, die die Grundsicherung erhalten dabei um 4,3 Prozent gestiegen, ein klares Zeichen, dass die Altersarmut zunimmt. Auf Dauer werden daher immer mehr Menschen neben den staatlichen Leistungen auf eine privat angesparte Altersvorsorge bauen müssen, um ihren finanziellen Bedarf im Alter zu decken. 08.12.2012







