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Der Basistarif bleibt - aber keiner wählt ihn freiwillig

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: der Basistarif bei der privaten Krankenversicherung widerspricht nicht dem Grundgesetz. Aber es ist ein furchtbarer Tarif, den keiner freiwillig wählen sollte.

Das großkoalitionäre Großprojekt Gesundheitsreform ist nicht gescheitert. Heute hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass die Reform mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Die private Krankenversicherung (PKV) werde nicht existenziell gefährdert, urteilten die Richter. Schon jubeln einige, weil sie glauben, man hätte den Versicherungen ordentlich eins ausgewischt.

 

Da täuschen sie sich. Auf der politischen Bühne haben die Unternehmen ein gigantisches Wehklagen angestimmt und ihren drohenden Untergang prophezeit. Hinter den Kulissen haben sie verhandelt. Die Bedingungen für den Basistarif sind so schlecht, dass ihn wohl keiner freiwillig wählt. Angeblich wurden bislang 6.000 Verträge abgeschlossen. Das wäre sehr wenig. Schließlich ist jeder der 80 Millionen Deutschen gesetzlich zum Abschluss einer Krankenversicherung verpflichtet.

 

Tatsächlich ist eine abgespeckte private Krankenversicherung zum Preis von etwa 570 Euro im Monat alles andere als ein attraktives Angebot. Der Basistarif ist eher eine Notfallversicherung. Gedacht für Leute, um deren Gesundheit es schlecht bestellt ist und die sich privat versichern müssen. Es könnte sich zum Beispiel um einen alten, kranken Selbstständigen handeln, der vor Jahren aus seiner privaten Krankenversicherung herausgefallen ist. Da er die PKV wählen muss, hat er wenig Auswahl. Er kann nur den Basistarif wählen.


Freiwillig würde sich niemand darauf einlassen: 570 Euro zahlen und dann nur eine Behandlung auf gesetzlichem Niveau erhalten? Das gibt es bei der gesetzlichen Kasse meist billiger. Und wer jung und gesund ist, sollte sich dem Gesundheitstest der privaten Kasse stellen. Gesunde junge Männer erhalten die volle Leistung der PKV oft schon für weniger als 100 Euro im Monat.