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Eine virtuelle Krise?

Ein Jahr ist die Pleite von Lehman Brothers her. Die schlimmsten Katastropheszenarien sind nicht eingetreten. War die "Finanzkrise" also nur eine erneute Übetreibung irrationaler Finanzmärkte?

Ein Jahr ist es her, dass die amerikanische Traditionsbank Lehman Brothers pleite ging. Das Vertrauen in das Finanzsystem stürzte auf den Nullpunkt. Diesem Wert näherten sich auch einige Aktienkurse in atemberaubendem Tempo. Schlaue Köpfe haben nachgezählt und einen weltweiten Verlust von 50 Billionen Dollar errechnet.

Auch Deutschland konnte sich dem Abwärtstrend nicht entziehen. 1,4 Millionen Menschen sind in Kurzarbeit, allein im Maschinenbau stehen 60.000 Jobs auf der Kippe. Aber noch liegt die Arbeitslosenzahl unter vier Millionen. Die Menschen sind nicht in Panik verfallen. Sie kaufen weiter ein, als wäre nichts gewesen.

Warum auch nicht – schließlich sind die Preise günstig. Neben den Autohändlern locken weitere Geschäfte mit Sonderprämien, Rabatten und anderen Kaufanreizen. Sinkende Energiepreise sorgen dafür, dass mehr Geld zum Shoppen bleibt. Für Gas zahlen Verbraucher derzeit 14,7 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Fast könnte man meinen, die Krise habe sich nur im Wirtschaftsteil der Zeitung abgespielt. Immer mehr Deutsche glauben daran, dass die Krise überstanden ist. Aber täuschen wir uns nicht: Der wirtschaftliche Abschwung war dramatisch. Die Erholung hat, wenn überhaupt, gerade erst begonnen.