Einer der größten deutschen Online-Versandhändler steht vor dem Aus: Das traditionsreiche Handelsunternehmen Neckermann hat am Mittwoch einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt eingereicht. Wie die Neckermann GmbH am gestrigen Mittwoch mitteilte, waren diesem Schritt mehrere Sanierungsversuche vorausgegangen. Ursprünglich hatte der Versandhändler den Abbau von 1.380 Stellen geplant, um das Unternehmen zu retten. Noch im April hatte der Eigentümer, US-Finanzinvestor Sun Capital Partners, signalisiert, bis zu 25 Millionen Euro in die Zukunft von Neckermann zu investieren, falls alle Beteiligten bei der Sanierung zu einer Einigung kämen. Das Ergebnis der Sanierungsverhandlungen hielt Sun Capital Partners allerdings für nicht tragfähig, heißt es vonseiten des Unternehmens. Der Großinvestor wolle dem Versandhändler daher "keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen."
Bundesweit wackeln rund 2.400 Jobs
Wie es für die rund 2.400 Beschäftigten des Traditionsunternehmens weitergeht, ist bisher unklar. Die Geschäftsführung werde alles daran setzen, das laufende Geschäft auch im vorläufigen Insolvenzverfahren aufrechtzuerhalten, betonte das Unternehmen. Auch würden alle Möglichkeiten geprüft, die sich zur Fortführung des Geschäfts ergeben. Das Versandhandelsunternehmen Neckermann gilt europaweit als eines der führenden Versandhandelsunternehmen. Seit 1995 betreibt der Versandhändler den Online-Shop www.neckermann.de. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet Neckermann inzwischen fast 80 Prozent des Umsatzes über das Internet.
Geschäft läuft zunächst normal weiter
Viele Neckermann-Kunden fragen sich nun, was mit ihren Bestellungen bei Neckermann geschieht. Trotz Insolvenzantrag laufe der Geschäftsbetrieb derzeit normal weiter, erklärte Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg gegenüber dem Nachrichtenportal stern.de. "Man sollte jetzt allerdings nicht mehr auf Vorkasse bestellen", rät sie. Außerdem sollten Neckermann-Kunden bestellte Ware erst dann bezahlen, wenn diese auch tatsächlich angekommen ist, ansonsten könne das Geld unter Umständen verloren gehen. Bei Problemen können Kunden sich momentan noch direkt an den Versandhändler wenden. Erst wenn das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet wird, wird der zuständige Insolvenzverwalter zum Ansprechpartner für Neckermann-Kunden.








