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Olympia: Deutsche Sportförderung in der Kritik

Ein Blick auf den Medaillenspiegel bei den Olympischen Spielen in London genügt: Es läuft nicht so gut mit den deutschen Siegen wie erwartet. Zwar stehen noch Entscheidungen, z.B. Kanu, Zehnkampf oder Speerwerfen, aus. Doch Unzufriedenheit macht sich breit. Ist ein Grund des Misserfolgs die deutsche Sportförderung?
Olympia: Deutsche Sportförderung in der Kritik

Armenien verspricht 700.000 Euro, Italien 140.000 Euro, Malaysia einen Goldbarren im Wert von etwa einer halben Million Euro und Bulgarien wirbt mit einem lebenslangen Wurstvorrat als Zusatzgewinn, wenn einer seiner Sportler bei den Olympischen Spielen 2012 in London eine Goldmedaille gewinnt. Deutsche Athleten erhalten nur eine Prämie von 15.000 Euro für den Olympiasieg. Es verwundert also nicht, dass sich einige Sportler wie der gestrige Goldmedaillengewinner Robert Harting über die geringe finanzielle Zuwendung beschweren. Nicht einmal ein Jahresgehalt käme am Ende der vier Jahre Training für die Spiele heraus, äußerte sich auch Judoka Ole Bischof über das Prämiensystem der Deutschen Sporthilfe.

Deutsche Sporthilfe fördert rund 3.800 Athleten

Die Deutsche Sporthilfe zahlt den Athleten bei Olympia bis zum 8. Platz eine Erfolgsprämie zwischen 15.000 Euro und 1.500 Euro aus. Bisher wurden so bis zur Halbzeit der Spiele rund 550.000 Euro an Medaillengewinner und Platzierte ausgeschüttet. Ferner wirbt die Deutsche Sporthilfe damit, dass 98 Prozent aller derzeitigen Olympiateilnehmer aus Deutschland von ihr gefördert werden oder wurden. Doch trotz der bisher gezahlten Summe reicht vielen Athleten das Geld nicht aus, um nur vom Sport leben zu können. Arbeiten gehen statt trainieren, heißt es dann für sie.

Bundeswehr wichtiges Standbein für Erfolg

Die Sportförderung der Bundeswehr gibt mit einem Etat von rund 30 Millionen Euro jährlich deutschen Sportlern die Möglichkeit, die leistungssportliche und berufliche Karriere zu vereinen. Etwa ein Drittel der deutschen Athleten in London bezeichnen sich derzeit als Sportsoldat. Auch wenn in der Bevölkerung Verwirrung darüber herrscht, wie Sport und Militär zusammenpassen, will Bundesverteidigungsminister de Maizière an der Förderung festhalten – trotz der Einsparungen, die in letzter Zeit bei der Bundeswehr durchgeführt wurden. Andernfalls würde ein wichtiger Förderer des deutschen Leistungssports entfallen.

Neuausrichtung der Sportförderung?

Angesichts der noch fünf verbleibenden Wettkampftage wird es unwahrscheinlich, das angestrebte Ziel des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) von insgesamt 41 Medaillen zu erreichen. Daher werden auch innerhalb des DOSB die Stimmen lauter, ob die derzeitigen Sportförderungsmaßnahmen die Athleten ausreichend unterstützen, um Erfolge auf internationalem Niveau zu erbringen. Nach Ende der 30. Olympischen Spiele am Sonntag werden viele Diskussionen folgen müssen.