Dieser Tage ist eine genaue Aussage zur der Lage der Wirtschaft schwierig. Infolge der noch andauernden Folgen der Finanz-Krise im Euroraum, präsentieren sich viele scheinbare Gegensätze, die oftmals einer inhaltlichen Deutung bedürfen. So endete der wolkenverhangene deutsche Juli mit einem ebenso dunklen Ausblick durch den Ifo-Index. Der monatlich erhobene Geschäftsklimaindex hat das dritte Mal nacheinander, infolge eines lediglich geschmälerten zu erwartenden Auftragswachstums, einen sinkenden Kurs aufgezeigt. Der Kursverlust von 105,3 Punkten im Juni auf nun 103,3 Punkte ist dabei jedoch keineswegs ein Zeichen einer bereits drohenden Rezession. Experten des für den Index verantwortlichen Münchner Instituts versichern, dass solche Schwankungen in erster Linie die Exportsenkungen innerhalb des europäischen Umlandes widerspiegeln – eine Folgewirkung der noch immer chaotischen Lage auf den Finanz- und Investitionsmärkten.
Wirtschaftswachstum im Stimmungstief?
Am heutigen Morgen folgte die nächste ökonomische Unwetterwarnung - dieses Mal durch das Statistische Bundesamt. In bereinigten Zahlen musste die Erwartung um ein erhofftes stabiles Wachstum enttäuscht werden. Die Aussage des Bundesamtes ist dabei ernüchternd. Um lediglich „… 0,3 % ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2012 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – gegenüber dem Vorquartal gestiegen“, so das Statistische Bundesamt. Das BIP hat demnach zum Jahresbeginn 2012 um 0,5 % zugelegt. Der Großteil dieses schmal erscheinenden Wachstums ist jedoch kontrastiert durch eine weitere Zahl aus dem Ifo-Index – dem Exportüberschuss der Bundesrepublik. So reagierte am Montag Brüssel verhalten auf Deutschlands erneuten Handelsbilanzüberschuss, der dieses Jahr mit 210 Milliarden Dollar, nach Aussagen der "Financial Times Deutschland" (FTD), womöglich der höchste der Welt sein werde. Zahlen, die Kurssteigerungen sowohl für Euro und Dax als auch gute Aussichten für die Binnenkonjunktur erwarten lassen, jedoch eine destabilisierende Wirkung auf den übrigen Euroraum haben könnten.
Europäische Enklave des Exports
Hierbei beziehen sich die potentiellen Sorgen Brüssels auf eine makroökonomische Grundregel die besagt, dass eine Volkswirtschaft mit überproportionalen Exporten im nahen Umland zu verstärkten schuldenfinanzierten Importen führt. Ifo-Index und die nachgewiesen Auftragszahlen seit Beginn dieses Jahres widersprechen jedoch diesem Bild. Den stärksten Zuwachs verzeichneten dabei die Exporte in die Regionen der Amerikas und innerhalb des asiatischen Wirtschaftsraumes. Ein Zeichen dafür, dass Deutschland nicht auf Kosten der krisengeplagten Eurostaaten wächst. Die deutsche Wirtschaft stellt offensichtlich vielmehr einen Sonderfall dar, der durch den allgemein geschwächten Euro und der allgemein hohen Nachfrage an heimisch gefertigten Produkten an Fahrt gewinnt. Hier lässt sich keineswegs von einer Blasenentwicklung sprechen, auch korrespondieren die Handelsüberschüsse nicht mit einem instabilen Wirtschaftswachstum im zweistelligen Bereich – wie im Falle Chinas. Dennoch sieht die Europäische Union Handelsbilanzüberschüsse, die 6,0 Prozent oder mehr des Bruttoinlandsproduktes ausmachen, nicht nur als bedenklich sondern unter Umständen auch als Grund für die Kommission 2013 potentiell ein Mahnverfahren gegen Deutschland einzuleiten.
Schwächere Länder müssen Wettbewerbsfähigkeit ausbauen
Auch in diesem Fall zeigt sich, dass die wirtschaftlichen Wechselwirkungen nicht verallgemeinert werden können. Die krisenspezifischen europäischen Abhängigkeitsverhältnisse dominieren dabei jedoch nicht nur den allgemeinen Sturz der Auftragslage durch den schwachen EU-Raum, sondern auch die oft betont ökonomische Schicksalsgemeinschaft, die nun eine Ausgeglichenheit von Binnen- und Außenhandeln fordert. Die Bundesregierung äußerte sich diesbezüglich beschwichtigend: "Ein Leistungsbilanzüberschuss alleine ist für Europa kein Grund zum Handeln. Für eine ausgewogenere Entwicklung wäre es eher dienlich, wenn etwa Länder mit Schwächen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbesserten.", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.
Christoph-Sebastian Nicolae








