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Greenpeace und Niebel fordern Biosprit-Stopp

Erst FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel, nun auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace: Angesichts der steigenden Getreidepreise infolge der anhaltenden Dürren in Nordamerika und Indien ein Stop der Biokraftstoffs E10.
Greenpeace und Niebel fordern Biosprit-Stopp

Bei seiner Einführung im Februar 2011 machte der Biosprit E10 vor allem aufgrund der Unverträglichkeit mit den Motoren mancher Fahrzeugmodelle negative Schlagzeilen. Über Wochen waren sich viele Autobesitzer nicht darüber im Klaren, ob sie den neuen Kraftstoff bedenkenlos benutzen könnten oder nicht. Zusätzlich sorgten Lieferengpässe bei den anderen Kraftstoffen für Probleme. Aber auch danach wurde immer wieder über den tatsächlichen Umweltnutzen des Biosprits diskutiert.

Niebel fordert E10-Aus

Nun aber stelle die weitere Herstellung des Biosprits eine Entscheidung zwischen "Tank und Teller" dar, so Entwicklungsminister Niebel. Da der Biosprit aus Getreide und Industrierüben gewonnen wird, die sich nicht zum Verzehr eignen, könne man bei globalen Lebensmittelengpässen nicht schnell auf die Nahrungsmittelproduktion umschwenken. Bis die Technik der Kraftstoffgewinnung soweit sei, die angebauten Produkte vorrangig als Lebensmittel und den Rest für die Kraftstoffgewinnung zu nutzen, müsse man angesichts drohender Hungerkatastrophen in der Dritten Welt E10 stoppen.

Import von Ethanol verschärft Lage

Die Biospritbranche hält dagegen, dass nur etwa vier Prozent der deutschen Getreideernte im letzten Jahr für die Produktion von Biosprit genutzt worden ist. Nun fordert allerdings auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace einen Verkaufsstopp – und weist darauf hin, dass der Anteil der Biospritproduktion an den deutschen Ernten zwar sehr gering ausfällt, rund die Hälfte des verwendeten Ethanols allerdings aus dem Ausland importiert werden würde. Insofern trage der Verkaufsstopp sehr wohl zur Entlastung der mittlerweile prekären Nahrungsmittelsituation bei.

Situation in der Dritten Welt

In den USA werden mittlerweile 40 Prozent der Maisernten für die Kraftstoffproduktion verwendet. Gleichzeitig sinken die Getreidevorräte, so dass Dürren und Missernten weltweit schneller Folgen zeigen können und Einfluss auf die Preise haben. Leidtragende seien in diesem Fall vor allem die Menschen in Entwicklungsländern. Diese wenden bereits jetzt im Schnitt 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel auf, eine Steigerung der Preise ist für sie fatal.

Greenpeace baut auf Alternativen

Greenpeace appelliert daher für den Stopp des Biosprits und fordert stattdessen strengere CO2-Grenzwerte und sparsamere Autos. Zudem könne ein Tempolimit auf deutschen Straßen ebenfalls den Verbrauch von Kraftstoffen senken.