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Arbeiten gegen die Altersarmut? Immer mehr Rentner mit Minijobs

Gemäß eines Artikels der “Süddeutschen Zeitung“ ist die Zahl der Ruheständler mit einem Minijob seit 2000 von 280.000 auf ca. 761.000 gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von knapp 60 Prozent. Darunter waren im Jahr 2011 etwa 120.000 Minijobber, die 75 Jahre und älter sind.
Arbeiten gegen die Altersarmut? Immer mehr Rentner mit Minijobs

Ursachen dafür sind gleichermaßen beim demografischen Wandel, als auch bei sinkenden Renten verortet. Nach den Zahlen, die aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgehen, verfügten bis Ende vergangenen Jahres gut 154.000 Menschen aus diesen 761.000 im Rentenalter über eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Der Großteil der Gruppe, gut 80.000 Rentner, ist sogar Vollzeit beschäftigt.

Ursachen für die Entwicklung

Hauptursachen für Arbeitsverhältnisse in einem solchen Lebensabschnitt sieht die Präsidentin des größten deutschen Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, vorwiegend in der Sorge vor Altersarmut begründet. In einer Pressemitteilung am heutigen Morgen äußerte sie sich wie folgt: "Diese Zahlen sind alarmierend. Ich glaube nicht, dass Rentner Zeitung austragen, im Wachdienst arbeiten oder Regale im Supermarkt einräumen, weil sie den Kontakt zu Menschen suchen oder Erfüllung in ihrer Arbeit finden wollen. Sie üben diese wenig attraktiven Jobs aus, um ihre karge Rente aufzubessern."

Motivation statt Notwendigkeit?

Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) widerspricht solchen Schlussfolgerungen. Viele Rentner wollten arbeiten, so Schäfer gegenüber der “Süddeutschen Zeitung“. Hohe Qualifikation und eine gesteigerte Belastbarkeit würden in Verbindung mit diesen Zahlen dabei eher ausschlaggebend sein, als gesunkene Renten. Laut dem Bericht zeigen die Zahlen der Regierung jedoch, dass die Renten zuletzt weitgehend kontinuierlich gesunken sind.

Initiativen der Opposition

Vorige Woche äußerte sich die Opposition im Zuge eines Thesenpapiers des Landesvorstandes Berliner SPD zu dieser Problematik. Inhalt waren die Handlungsnotwendigkeiten gegenüber solchen Lebenswandel heutiger Rentner. "Die gesetzliche Rentenversicherung hat einen Auftrag, der deutlich über die reine Armutsvermeidung hinausgeht", heißt es darin. Um die Rente dabei zukünftig "strukturell armutsfest" zu gestalten und solchen Anomalien vorzubeugen, seien gerechte Löhne, eine paritätische Finanzierung, verpflichtende Rentenbeiträge von Selbstständigen und eine Mindestrente von 850 Euro für Menschen mit 30 bis 40 Jahren Arbeitsbiografie notwendig.