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Trotz 270 Millionen Euro mehr Honorar - Ärzte drohen mit Protesten

Die rund 150.000 Kassenärzte haben auf eine deutliche Honorarerhöhung gehofft, nun erhalten sie ab dem nächsten Jahr knapp ein Prozent mehr. Statt der geforderten 3,5 Milliarden Euro Aufstockung, ergibt sich eine Erhöhung von 270 bis 300 Millionen Euro pro Jahr. Die Ärzte wollen dagegen protestieren.
Trotz 270 Millionen Euro mehr Honorar - Ärzte drohen mit Protesten

Die Ärzte hatten eine Erhöhung des Orientierungspunktwerts um rund 11 Prozent gefordert. Der Orientierungswert ist maßgeblich bei der Berechnung der ärztlichen Vergütung und wirkt sich daher auf das Gesamteinkommen der Ärzte aus. Die Kassenärztliche Vereinigung (KBV) hatte sich mit ihren Forderungen gegen den GKV-Spitzenverband durchsetzen wollen, der ursprünglich eine Senkung der Honorarsumme um 2,2 Milliarden Euro vorgesehen hatte. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat nun mit Zustimmung des GKV-Verbands und Stimme des Gesundheitsökonom und Ausschussvorsitzenden Professor Jürgen Wasem einen Beschluss durchgesetzt, der in der Mitte der ursprünglichen Forderungen liegt. Um 0,9 Prozent soll der Orientierungswert angehoben werden. Dies entspricht rund 1.800 Euro mehr pro Jahr und Arzt. Die letzte Honorarerhöhung für das Jahr 2011 hatte den Ärzten Mehreinnahmen von rund 1 Milliarde Euro eingebracht.

Reaktionen auf den Beschluss

Der Vorsitzende des Hartmannbunds, Dr. Klaus Reinhardt, verurteilte das Ergebnis als „Affront gegenüber der ärztlichen Leistungsbereitschaft“. Die magere Erhöhung entspräche nicht annähernd dem „überfälligen Inflationsausgleich“. Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, kommentierte gegenüber der Ärztezeitung, dass diese „Nullrunde“ ein fatales Signal an junge Mediziner sende, die bereit sind sich niederzulassen. Jens Spahn, der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Bundesfraktion, äußerte sich laut Welt Online verständnisvoll gegenüber den  Ärzten: „Ich verstehe den Unmut der Ärzte angesichts des eher mageren Ergebnisses.“

Proteste werden folgen

Die Ärzte planen nun bundesweite Aktionstage um Druck auf die Honorarverhandlungen zu erhöhen. Insbesondere wenn der Bewertungsausschuss am Montag nochmalig zusammentritt und das Verhandlungsergebnis nicht nachgebessert wird, wollen die Ärzte ein Zeichen setzen. Zwar dürfen die Kassenärzte nicht streiken, sie haben allerdings die Möglichkeit ihre Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche zu reduzieren. Daneben ist bereits die Rede von urlaubsbedingten Schließungen und gemeinsamen Fortbildungen mit Praxisschließung. Patienten müssen sich in den nächsten Wochen wohl mit langen Wartezeiten anfreunden.