Zwei Umfragen heizen die Diskussion um die Verwendung der Überschüsse der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) an. Eine Befragung der zehn größten gesetzlichen Krankenkassen der „Wirtschaftswoche“ ergab, dass weder die Barmer GEK oder die DAK noch die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) planen, Geld an ihre Versicherten zu zahlen. Mitglieder von kleineren Krankenkassen dürfen sich hingegen über Rückzahlungen freuen. Neben der Hanseatischen Krankenkasse (HEK), der BKK A.T.U., der HKK und der G+K BKK hat sich auch die BKK Wirtschaft und Finanzen dazu entschlossen, ihre Versicherten direkt an den Überschüssen zu beteiligen. Die Höhe der Rückzahlung soll sich dabei je nach Kassenlage auf bis zu 100 Euro belaufen. Wie viel genau und wann die Kassen zahlen, können Versicherte hier nachlesen.
Statt Beitragsrückzahlung mehr Leistungen
Doch angesichts der insgesamt 146 gesetzlichen Krankenkassen entscheiden sich die wenigsten für die Prämienauszahlung. Nach einer Umfrage von „Focus“ planen derzeit nur 19 von 81 befragten Kassen konkret, Beiträge zurückzuzahlen. 84 Prozent der Krankenkassen wollen das Geld aus den Überschüssen statt für Prämienausschüttungen für mehr Leistungen nutzen. Das würde immerhin bedeuten, dass die Mitglieder indirekt von der sehr guten finanzielle Lage ihrer Krankenkasse profitieren könnten. Zu den verbesserten Leistungen würden die Kostenübernahme bei Zahnreinigungen oder Fitnesskursen zählen, aber auch alternative Heilmethoden und Präventivmaßnahmen sollen künftig übernommen werden. Leider gehen die Pläne, dass ein Teil der rund 22 Milliarden schweren Reserve der GKV in Leistungen gesteckt werden soll, in der Diskussion um die Beteiligung der gesetzlich Versicherten an den Überschüssen unter.
AOK will Rücklage für Strukturreform nutzen
Die AOK will allem Anschein nach weder mehr Leistungen anbieten noch Geld an ihre Versicherten auszahlen. Stattdessen hat Jürgen Graalmann, der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, dafür geworben, die Überschüsse dafür zu nutzen, um die GKV „sturmfest“ zu machen. Durch die Rücklagen sollten strukturelle Lücken geschlossen werden, sodass die gesetzlichen Krankenkassen in Zukunft finanziell ausgeglichen sind.
Kleinere BKK’s planen überwiegend Geld zurückzuzahlen
Trotz unzähliger Aufforderungen des Gesundheitsministers Daniel Bahr wird die TK wohl die einzige große Krankenkasse bleiben, die Beiträge auszahlen will. Letzte Woche kündigte der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, an, zwischen 60 Euro und 100 Euro an die Versicherten zahlen zu wollen. Direkte Gewinner vom Milliardenüberschuss der GKV werden die Mitglieder von Betriebskrankenkassen sein, denn dort zeichnet sich vermehrt ab, dass Beiträge zurückgezahlt werden. Aber es darf nicht vergessen werden, dass sich ein Großteil der befragten Kassen aus der „Focus“-Studie für verbesserte oder zusätzliche Leistungen ausgesprochen hat. Damit die Diskussionen um die Verwendung der GKV-Reserve bald aufhören, müssen diesen Worten nun Taten folgen.








