Ab heute sind Deutschlands 155.000 Kassenärzte und Psychotherapeuten gefragt. Das heute freigeschaltete Onlineportal www.Krankenkassen-Navigator.kbv.de soll Ärzten in Zukunft die Möglichkeit geben, die Leistungen der Krankenversicherungen zu bewerten.
Dabei werden die Kriterien:
- Therapiefreiheit
- Regresse (Rückforderungen für verschriebene Arzneimittel)
- Bürokratielastigkeit
- Selektivverträge
- und Service
mit Schulnoten beurteilt. Aus diesen Bewertungen soll eine Liste der zehn besten und schlechtesten aus den etwa 140 gesetzlichen Krankenversicherungen entstehen. Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Ärzte können jede GKV einmal bewerten
Darüber hinaus kann sich jeder interessierte Arzt und auch jeder Nicht-Mediziner die Bewertung der einzelnen Kriterien jeder Krankenversicherung anschauen, um somit einen genauen Einblick zu erhalten. Einsehbar sind die Ergebnisse, wenn mindestens 10 Ärzte eine Bewertung abgegeben haben. Daneben soll das Portal auch für aktuelle Umfragen genutzt werden. Jeder Arzt muss sich mit seiner lebenslangen Arztnummer auf dem Portal anmelden und kann jeweils nur eine Bewertung für eine Krankenversicherung abgeben. Ein Missbrauch durch Mehrfachbewertungen wird damit verhindert. Zusätzlich sollen die Krankenkassen die Möglichkeit bekommen, zu den Bewertungen Stellung zu nehmen.
Behandlungsbeitrag der Krankenversicherungen für Patienten sichtbar
Ziel des „Krankenkassen Navigators“ soll es sein, Erfahrungen und Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen aufzuzeigen.
"Wenn die Versicherten Ärzte bewerten – was völlig in Ordnung ist, solange bestimmte Kriterien eingehalten werden –, dann sollen sie auch mal sehen, ob und wie eigentlich ihre Kasse dazu beiträgt, eine gute Versorgung zu unterstützen – oder eben nicht", erklärt hierzu der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler.
Verbesserte Zusammenarbeit von Kassen und Ärzten
So kann das Kriterium „Therapiefreiheit“ eventuell aufzeigen, inwieweit Ärzte durch Budgetzwänge von der Durchführung bestimmter Therapien abgehalten werden.
Aber auch der Aufwand, den Regresse oder andere Bürokratiezwänge verursachen, kann den Patienten zeigen, welchen Anteil die Krankenversicherungen an einer verbesserungswürdigen Behandlung tragen.
Die Ergebnisse sollen jedoch nicht nur für mehr Transparenz für die Patienten sorgen. Sie können auch genutzt werden, um mit den Kassen ins Gespräch zu kommen und Schwachstellen und vor allem Verbesserungsmöglichkeiten zu finden. Denn letzten Endes kann nur durch eine gute Zusammenarbeit zwischen gesetzlichen Krankenversicherungen und Ärzten die Behandlung der Patienten verbessert werden.
Das Portal wird heute am Rande der Vertreterversammlung der Kassenärzte in Berlin offiziell freigeschaltet. Vorrangig wird es bei der Veranstaltung jedoch vor allem um den seit einiger Zeit schwelenden Honorarstreit mit den Krankenkassen gehen.








