Beim Demografiegipfel sollen einerseits Lösungsansätze für die Probleme gefunden werden, die der demografische Wandel mit sich bringt. Aber auch die Chancen der Bevölkerungsentwicklung sollen erkannt werden. Der demografische Wandel beschäftigt seit Jahren nicht nur Statistiker. Die zunehmende Lebenserwartung bei gleichzeitig niedriger Geburtenrate hat Einfluss auf viele Bereiche des täglichen Lebens. So soll Deutschlands Bevölkerung bis zum Jahr 2060 um zirka 17 Millionen Einwohner schrumpfen. Gleichzeitig wird etwa jeder Dritte Bürger 65 Jahre oder älter sein.
Auswirkungen auf das Sozialsystem
Insbesondere das Rentensystem und die Gesundheitsversorgung werden durch das sich verändernde Verhältnis von Jung und Alt beeinträchtigt. Die gesetzliche Rentenversicherung basiert beispielsweise auf dem sogenannten Generationenvertrag. Das bedeutet, dass die Rentenversicherungsbeiträge, die von der heutigen jungen Generation gezahlt werden, nicht etwa angespart und später für die Rentenleistungen dieser Generation aufgewandt werden. Vielmehr zahlen die Berufstätigen für die Rentner von heute – in der Erwartung, dass die zukünftige Generation für ihre Rente aufkommen wird. Da jedoch immer mehr Rentner ein immer höheres Alter erreichen und gleichzeitig durch die niedrige Geburtenrate immer weniger Beitragszahler nachkommen, wird der Generationenvertrag auf Dauer nicht erfüllt werden können.
Höhere Gesundheitskosten und Verstädterung als Problemfelder
Im Gesundheitssystem sind die Auswirkungen des demografischen Wandels noch unmittelbarer zu spüren, denn hier ist bereits heute ein starker Anstieg der Gesundheitskosten auch bei der Versorgung der älteren Bevölkerung zu beobachten. Der Demografie-Gipfel beschäftigt sich aber auch mit anderen Problemfeldern. So sollen in verschiedenen Arbeitsgruppen etwa zu Themen wie Pflege, dem selbstbestimmten Leben im Alter und der Stadt- und Landentwicklung Lösungsstrategien entwickelt werden. In Zukunft wird die Verstädterung noch zunehmen und ganze Landstriche, vor allem in den neuen Bundesländern werden entvölkert. Dies sei ein Grund dafür, dass der Arbeitsmarkt modernisiert und auf die neuen Gegebenheiten angepasst werden müsse.
Kritikern geht die Bundesregierung nicht weit genug
Kritiker bemängeln unterdies, dass die im April dieses Jahres beschlossene Demografiestrategie nur Programme auflistet, die bereits existieren, bzw. beschlossen sind ohne neue Lösungen zu bieten. Vor allem wird eine klarere Vorgehensweise gefordert. So betont der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, laut Hamburger Abendblatt, dass es realistischer Zielvorgaben bedarf, um den Problemen gerecht zu werden. Tabea Rößner, Sprecherin der Grünenfraktion im Bundestag für Demografiepolitik, bemerkte hingegen, dass ein weiterer Gipfel keine Lösungen bringen würde und dass es stattdessen echter Handlungen bedürfte. Auch Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds, verwehrte sich gegen weitere Scheindebatten.








