Immer mehr Deutsche misstrauen der privaten Altersvorsorge in Form einer Riester-Rente. Stattdessen sehen sie sich besser finanziell auf das Alter vorbereitet, wenn sie ein eigenes Haus haben oder in Immobilien investieren. Das ergab die heute in Berlin vorgestellte Studie „Altersvorsorge in Deutschland 2012/2013“ der Postbank vom Meinungsforschungsinstitut Allensbach. Von 1.642 bundesweit befragten Personen ab 16 Jahren finden nur noch 16 Prozent, dass die Riester-Rente eine sichere Anlageform ist. 2009 waren es noch 23 Prozent.
Interesse an der Altersvorsorge sinkt
Die Studie bringt es auf den Punkt: Die Deutschen sind altersvorsorgefaul. Ganze 42 Prozent der Befragten geben an, dass sie ihre Altersvorsorge nicht weiter aufstocken wollen. Etwa jeder Siebte will zukünftig sogar weniger für das Alter ansparen als bisher. Nicht nur der Postbank-Vorstand Michael Meyer findet diese Zahlen beunruhigend: „Alarmierend ist, dass die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge immer weiter sinkt“, sagte er in der Postbank-Presseinformation. Auch der Bundesregierung werden diese neuen Zahlen angesichts ihrer vielfältigen Pläne im Kampf gegen die Altersarmut nicht gefallen.
Vertrauen in Riester-Rente wird zunehmend geringer
Die Postbank-Studie zeigt, dass sich die Befragten darüber im Klaren sind, dass sie zu wenig für ihre Altersvorsorge leisten. Um ihren Lebensstandard im Alter halten zu können, sollten sie ihrer Meinung nach mindestens 269 Euro monatlich zurücklegen. Tatsächlich sind es 2012 im Schnitt 185 Euro, rund 20 Euro weniger als 2005 – ein neuer Tiefstand-Rekord. Gleichzeitig fragen sich 43 Prozent, welche Anlageform noch Sinn macht. Die Riester-Rente scheint es zumindest nicht zu sein, denn nur 24 Prozent halten sie für eine ideale Form der Altersvorsorge. Stattdessen wünschen sich 56 Prozent, dass die betriebliche Altersvorsorge verpflichtend wird.
Neuer Ergo-Skandal: Verdacht auf Betrug bei Riester-Verträgen
Die neusten Meldungen über den Verdacht auf Betrug bei der Ergo Versicherung aufgrund von fehlerhaften Riester-Verträgen werden das Vertrauen der Deutschen für die Riester-Rente nicht unbedingt wiedererwecken. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen Ergo, genauer gesagt gegen vier aktive und ehemalige Führungskräfte. Gegen weitere sieben Manager wird wegen des Verdachts auf Beihilfe ermittelt.
Fehlerhafte Vertragskosten 2005 erst 2011 entschädigt
Im Jahr 2005 haben Kunden der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer zu viel für ihren Riester-Vertrag gezahlt. Rund 14.000 Kunden wurden 16,5 Prozent statt 12,5 Prozent der Beiträge für Abschluss- und Verwaltungsgebühren berechnet. Für den Versicherungskonzern bedeutete dies Mehreinnahmen im einstelligen Millionenbereich. Nur einem Versicherten fiel die falsche Berechnung auf, der auch entschädigt wurde. Die restlichen Kunden erhielten erst sechs Jahre später auf öffentlichem Druck hin eine Entschädigung.
Verdacht auf vollendeten Betrug bei Ergo
Für rund ein Viertel der Betroffenen könnte diese Zahlung nicht ausreichen, da sie bis dahin bereits ihren Riester-Vertrag storniert haben oder gewechselt sind. Dabei „kam es zu niedrigeren Rückkaufs- oder Übertragungswerten, als vertraglich vereinbart“, wie das „Handelsblatt“ schreibt. Aus diesem Grund ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg nun in 3.552 Fällen gegen Ergo und hegt den Verdacht des vollendeten Betrugs. Nach dem Sexskandal und dem Versprechen, auf einer eigenen Internetseite das Fehlverhalten der Mitarbeiter darzulegen, wird Ergo wohl auch in Zukunft nicht zur Ruhe kommen. In Bezug auf die Attraktivität der Riester-Rente als private Altersvorsorge helfen indes möglicherweise die neusten Testergebnisse von Stiftung Warentest oder die Pläne zu einer Checkliste für Riester-Verträge.








