In Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern haben die Ärzte derzeit Schwierigkeiten, genug Grippe-Impfstoff für ihre Patienten zu erhalten. Grund für den Engpass sind Lieferprobleme des Pharmaherstellers Novartis. Die Krankenkassen in den betroffenen Bundesländern hatten mit Novartis Exklusivverträge geschlossen, doch der Hersteller konnte den Impfstoff Begripal zuletzt nicht im vereinbarten Umfang liefern. Um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, hatten die Kassen in der Folge auch alternative Grippeimpfstoffe freigegeben. Doch andere Hersteller sind wegen der bestehenden Exklusivverträge mit Novartis nicht auf die Nachfrage eingestellt und können kaum ausreichend Ersatz-Impfstoff bereitstellen.
Verzicht auf Exklusivverträge bei Grippe-Impfstoff gefordert
Wegen des Impfstoff-Desasters wurden innerhalb der Koalition bereits Stimmen laut, die den Verzicht auf Exklusivverträge bei Impfstoffen fordern. "Bei Impfstoffen müssen wir das Instrument der Ausschreibungen überprüfen", sagte etwa der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch Mediziner bemängeln die derzeitige Praxis, sie befürchten, dass die Rabattverträge der gesetzlichen Krankenkassen mit den Pharmaherstellern am Ende die Gesundheitsversorgung der Patienten gefährden. Experten betonen, dass die Grippeschutzimpfung gerade in diesem Jahr besonders wichtig sei, da eine schwere Grippewelle erwartet werde.
Massive Vorwürfe gegen Novartis
Derweil erheben einige Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Apothekerverbände und der gesetzlichen Kassen schwere Vorwürfe gegen Novartis. Spekulationen zufolge würde der Pharmahersteller den Impfstoff Begripal absichtlich zurückhalten, um einen anderen, in der Herstellung wesentlich günstigeren Impfstoff, das Grippemittel Optaflu, am Markt durchzusetzen. Optaflu ist für Personen über 18 Jahren in der EU bereits seit 2007 zugelassen. Mediziner hatten in der Vergangenheit jedoch des Öfteren fachliche Bedenken an dem Präparat geäußert. Medienberichten zufolge hätten manche Arztpraxen, die Optaflu als Ersatz-Impfstoff von Novartis erhalten hatten, das Mittel wieder zurückgeschickt. Optaflu steht im Verdacht, krebserregend zu sein.








