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KKH-Allianz: ZDF-Magazin "Frontal21" erhebt schwere Vorwürfe gegen gesetzliche Krankenkasse

Die KKH Allianz soll schwerkranke und damit besonders teure Kassenmitglieder zur Kündigung gedrängt haben. Das berichtet das ZDF-Magazin "Frontal 21" am heutigen Dienstagabend. Die gesetzliche Krankenkasse hat bezüglich der Vorwürfe bereits eine interne Prüfung angekündigt.
KKH-Allianz: ZDF-Magazin "Frontal21" erhebt schwere Vorwürfe gegen gesetzliche Krankenkasse

Vor kurzem konnte die KKH Allianz noch positive Schlagzeilen machen, weil sie als eine der ersten gesetzlichen Krankenkassen eine Erstattung der Praxisgebühr an ihre Versicherten angekündigt hatte. Doch die Medienberichte, die in dieser Woche über die KKH Allianz folgen werden, fallen für die Kasse wohl weniger erfreulich aus: In einer Sendung am heutigen Dienstagabend erhebt das ZDF-Magazin "Frontal 21" schwere Vorwürfe gegen die KKH Allianz. Demnach soll die gesetzliche Krankenkasse über Monate hinweg versucht haben, schwer kranke Versicherte am Telefon zu einem Kassenwechsel zu bewegen.

KKH Allianz soll Schwerkranke zur Kündigung gedrängt haben

"Frontal21" berichtet, dass die KKH Allianz schwer kranke und damit besonders teure Versicherte mit äußerst fragwürdigen Geschäftspraktiken zu einer Kündigung aufgefordert hat. Das ZDF-Magazin beruft sich auf interne Telefonprotokolle sowie betroffene Versicherte und Mitarbeiter der gesetzlichen Krankenkasse, die ein solches Vorgehen gegenüber der Redaktion bestätigt hätten. In einer Telefonaktion soll die KKH Allianz hunderte Kassenmitglieder kontaktiert und zur Kündigung gedrängt haben. "Frontal21" zitiert unter anderem aus einem Telefonprotokoll zu einem HIV-infizierten KKH Allianz-Versicherten: "Er sei immer schon bei KKH und die zahlen auch seine HIV-Therapie; nach langem Gespräch dennoch überzeugt, über Kassenwechsel nachzudenken; Kündigung liegt vor."

KKH kündigt interne Prüfung an

Laut "Frontal21" hatte der Vorstand der KKH Allianz, Ingo Kailuweit, die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. Im Interview mit dem politischen Fernsehmagazin erklärte Kailuweit, dass er sich eine solche Geschäftspraxis "definitiv nicht vorstellen" könne. Seiner Aussage nach habe es sich bei der Telefonaktion um ein ganz normales Mahnverfahren gehandelt. Mittlerweile teilte die KKH Allianz mit, dass der Vorstand aufgrund der Vorwürfe eine interne Prüfung veranlasst habe. Vonseiten der Kasse heißt es derweil, dass mit der Telefonaktion ausstehende Zusatzbeiträge von säumigen Versicherten eingefordert werden sollten. "Dies galt ausnahmslos für alle Schuldner und unabhängig von Alter, Geschlecht, Krankengeschichte oder sonstigen Kriterien", so die KKH Allianz. Ziel der Anrufe sei es nicht gewesen, Versicherte zu einem Kassenwechsel zu bewegen.

Gesetzliche Grenzen überschritten

Im Interview mit "Frontal21" wertet Gesundheitsökonom und Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Prof. Rolf Rosenbrock das Vorgehen der KKH-Allianz als Skandal: "Das entspricht auf keinen Fall dem Auftrag einer gesetzlichen Krankenversicherung. In Paragraph 1 des zuständigen Gesetzes steht, die gesetzliche Krankenkasse ist eine Solidargemeinschaft." Auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Peter Schaar kritisiert die Geschäftspraxis der KKH Allianz: "Ich denke, dass Wettbewerb nicht dazu führen darf, dass man gesetzliche Grenzen überschreitet." Dem ZDF sagte Schaar, es könne nicht sein, dass Menschen aus der gesetzlichen Krankenkasse gedrängt würden, "weil sie möglicherweise zu teuer sind".

Der Bericht "Schwere Vorwürfe gegen KKH Allianz" wird am Dienstag, den 30. Oktober 2012, um 21.00 Uhr im ZDF-Magazin "Frontal21" gesendet. Ein Gespräch mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar ist bereits jetzt in der ZDF-Mediathek hinterlegt.