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Bürgerversicherung: Welche Folgen die Einheitsversicherung hat

SPD, Grüne und Linke wollen die gesetzliche und die private Krankenversicherung (PKV) in einer Bürgerversicherung zusammenführen. Die Parteien erhoffen sich dadurch ein Ende der Zweiklassenmedizin und sinkende Krankenkassenbeiträge. Doch die Bürgerversicherung birgt auch viele Nachteile.
Bürgerversicherung: Welche Folgen die Einheitsversicherung hat

Kommt die Bürgerversicherung oder kommt sie nicht? Mit dieser Frage beschäftigen sich zurzeit immer mehr Menschen in Deutschland. Denn kurz vor der Bundestagswahl im September greifen sowohl SPD als auch Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke die Einheitsversicherung für das Gesundheitssystem als Wahlkampfthema wieder auf. Im Wahlprogramm der SPD und im Wahlprogramm der Grünen ist festgelegt, das Gesundheitswesen mit der Bürgerversicherung zu reformieren. Allen Deutschen soll so eine medizinische Gleichbehandlung ermöglicht werden, indem sie künftig in der Bürgerversicherung krankenversichert sind. Eine Zweiklassenmedizin, die es derzeit in der Bundesrepublik durch das Nebeneinander von gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und privater Krankenversicherung gibt, soll abgeschafft werden.

Vorteile einer Bürgerversicherung

Die Parteien erhoffen sich mit der Bürgerversicherung nicht nur die Privilegierung im Gesundheitswesen abzubauen, sondern auch erhöhte Einnahmen für die Krankenversicherung. Grüne und Linke wollen dazu die Beitragsbemessungsgrenze anheben, sodass sich insbesondere die Mittelschicht stärker an der Finanzierung der Bürgerversicherung beteiligt. Zudem sollen neben dem Gehalt auch Kapitalerträge und Mieteinkünfte bei der Beitragsbemessung berücksichtigt werden. Schließlich kommen aus der PKV, die mit der Reform des Gesundheitswesens abgeschafft würde, rund neun Millionen Versicherte hinzu, die Beiträge an die Bürgerversicherung zahlen.

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Kritik: Bürgerversicherung führt zu schlechteren Leistungen

Kritiker befürchten viele Nachteile, die mit der Einführung der Bürgerversicherung verbunden sind. Sie gehen davon aus, dass sich die gesundheitlichen Leistungen nicht verbessern, sondern verschlechtern würden, da der Wettbewerb zwischen GKV und PKV entfällt. Beispiele aus dem Ausland wie Großbritannien zeigen, dass eine Einheitsversicherung zu schrittweisen Leistungskürzungen führen kann. „Eine Bürgerversicherung zerstört das deutsche Gesundheitswesen und gefährdet die gute Versorgung von Millionen von Menschen“, sagte dazu Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende der Debeka, gegenüber dem „Handelsblatt“. Zudem gefährdet die Bürgerversicherung laut einer aktuellen Studie 100.000 Arbeitsplätze.

Krankenversicherung Reform: Einbußen für Ärzte

Viele niedergelassene Ärzte fürchten außerdem um ihre Existenz. Das ergab eine Umfrage der PVS Baden-Württemberg. Demnach rechnen 93 Prozent der Mediziner mit deutlichen Einnahmeverlusten, 36 Prozent befürchten sogar, ihre Praxis schließen zu müssen. Ein Großteil der Ärzte fühlt sich zudem unzureichend über die möglichen Folgen der Bürgerversicherung informiert. 85 Prozent wünschen sich „genauere Informationen über die Pläne zur Finanzierung der Bürgerversicherung“, fasst Michael Ahrens, der Geschäftsführer der PVS Baden-Württemberg, zusammen.

GKV auf alternde Bevölkerung unvorbereitet

In Bezug auf den demografischen Wandel ergibt sich ein weiterer, möglicher Nachteil der Bürgerversicherung. Immer mehr älteren Menschen, die eine höhere medizinische Versorgung beanspruchen, stehen immer weniger Beitragszahler gegenüber. Mit einer solidarisch finanzierten Bürgerversicherung sind die damit verbundenen Mehrkosten nur „mit zwei Stellschrauben […]: mit Beitragserhöhungen und mit Leistungskürzungen“ gegenzusteuern, urteilt Ahrens. Uwe Laue von der Debeka weist darauf hin, dass die gesetzliche Krankenversicherung nicht auf die älter werdende Bevölkerung eingestellt ist. Gesundheitswissenschaftler gehen davon aus, dass der GKV-Beitragssatz bis 2050 um 15 Prozent steigen könnte. Die PKV habe hingegen ausreichend Altersrückstellungen aufgebaut, um Beitragssteigerungen zu vermeiden.

Bürgerversicherung: Mehr Infos über Folgen notwendig

Wie immer es mit der Krankenversicherung in Deutschland weitergehen wird, sicher ist, dass ein Ende der PKV immense Mehrkosten verursachen wird. Wer diese trägt und wie die Bürgerversicherung langfristig stabil finanziert werden soll, ist bisher unklar. Daher sind weitere Informationen nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Betroffenen dringend notwendig. Nur so können die Deutschen selbst entscheiden, welche Vorteile sowie Nachteile die Bürgerversicherung hat und müssen sich auf diese Weise nicht auf die Aussagen der einzelnen Parteien oder PKV Vertreter verlassen.