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Protzbau in Limburg: Warum jeder Deutsche den Bischof finanziert hat

Die Geldverschwendung bei der Limburger Bischofsresidenz sorgt seit Tagen für Aufregung. Nicht nur Katholiken fragen sich, wie mit ihrer Kirchensteuer verfahren wird. Auch Otto-Normal-Bürger geht das Thema an. Denn auch wer kein Kirchenmitglied ist, zahlt über seine Steuern Geld an die Kirche. Doch was zahlen Staat und Steuerzahler jährlich an die beiden Großkirchen?
Geldverschwendung in Limburg: Steuerzahler finanzieren Kirchen
In Limburg dürfte den Kirchenmitgliedern kaum nach Spenden zumute sein

Der Bischofssitz in Limburg erregt seit Tagen die Gemüter. Denn statt den ursprünglich geplanten 5,5 Millionen Euro wird der Bau der Bischofsresidenz nun mindestens 31 Millionen Euro kosten. Andere Schätzungen gehen sogar von Gesamtkosten von über 40 Millionen Euro aus. Finanziert wird das ganze aus der Kirchensteuer des Bistums und den Mitteln des Bischöflichen Stuhls. Viele Katholiken, aber auch Mitglieder anderer Kirchen und Konfessionslose reagieren verärgert auf die Verschwendung des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Vielen Bürgern ist wohl bewusst, dass die Kirchen auch Geldmittel vom Staat erhalten – ganz unabhängig von der Kirchensteuer. So zahlt jeder Bürger indirekt für verschwenderische Projekte wie das in Limburg. Doch wofür erhalten die Kirchen Geldmittel und welchen Umfang haben die staatlichen Zahlungen?

Staatliche Zuschüsse für Schulen, Pflegeheime und Krankenhäuser

Die Kirchen betreiben zahlreiche soziale Einrichtungen. Dazu gehören Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser. In vielen Gebieten Deutschlands wären die soziale Infrastruktur und die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung ohne diese Einrichtungen nicht denkbar. Allerdings gehen viele Menschen davon aus, dass beispielsweise Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft über die Kirchensteuer finanziert werden. Tatsächlich erhalten aber die Krankenhäuser, ebenso wie nicht-konfessionelle Einrichtungen, Mittel aus öffentlicher Hand zur Finanzierung der Gebäude, Einrichtung, Technik, etc.

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Staatliche Zuwendungen mehr als doppelt so hoch wie Einnahmen aus Kirchensteuer

Wie viel Geld die Kirchen für Kindergärten, Schulen, Pflegeheime und Co. vom Staat erhalten, ist nur schwer zu beziffern. Laut dem Violettbuch Kirchenfinanzen wurden im Jahr 2009 allein 3,915 Milliarden Euro vom Staat für kirchliche Kindertageseinrichtungen gezahlt. Der katholische und evangelische Religionsunterricht kostete den Steuerzahler 1,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 erhielten katholische und evangelische Kirche 4,9 Milliarden bzw. 4,4 Milliarden Euro durch die Kirchensteuer. Die staatlichen Zuwendungen beliefen sich auf rund 19,29 Milliarden Euro. Dabei sind die Aufwendungen der Gemeinden beispielsweise für Krankenhäuser noch nicht miteingerechnet.

Staatsleistungen der Länder bringen den Kirchen hunderte Millionen

Neben den Steuermitteln und Zuschüssen erhalten die Kirchen die sogenannten Dotationen bzw. Staatsleistungen. Dabei handelt es sich um Entschädigungsleistungen der Länder (ausgenommen Hamburg und Bremen) an die Kirchen aufgrund von vergangenen Enteignungen. So waren beispielsweise die evangelischen Landeskirchen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von Enteignungen betroffen. In verschiedenen Staatskirchenverträgen wurden daher Vereinbarungen über Entschädigungen zwischen den Ländern und den verschiedenen Kirchen getroffen.

Staat finanziert 475 Millionen Euro für Personalkosten

Diese Verträge haben oftmals auch heute noch Bestand. Allein im Jahr 2012 wurden bundesweit rund 475 Millionen Euro an katholische Bistümer und die evangelischen Kirchen gezahlt. Baden-Württemberg hatte dabei mit rund 106 Millionen Euro die höchsten Ausgaben. Auch in den neuen Bundesländern werden seit Anfang der 1990er Jahre wieder Dotationen an die Kirchen geleistet. Dabei orientiert sich die Höhe der Leistungen an den Beamtenbezügen – sinkende Mitgliederzahlen haben also keinen Einfluss auf die Staatsleistungen. Das Geld wird für die Personalkosten der Kirchen verwendet. So erhalten auch Bischöfe weiterhin hohe Gehälter, selbst wenn die Zahl der Kirchengänger sinkt.

Wohlfahrtsverbände werden überwiegend vom Staat finanziert

Doch auch damit haben die staatlichen Zuwendungen an die Kirchen kein Ende. So erhalten Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Diakonie einen Großteil ihrer finanziellen Mittel vom Staat. Rund 50 Milliarden Euro fließen pro Jahr an die Verbände. Und selbst die Kirchensteuer kostet am Ende auch jene Steuerzahler Geld, die nicht Mitglied in einer Kirche sind. Denn die Kirchen sparen pro Jahr ca. 1,8 Milliarden Euro an Verwaltungskosten dadurch, dass der Staat die Steuer einzieht.

Kritiker wünschen sich besseren Umgang mit Kirchenfinanzen

Alles in allem lässt sich die Aufregung um Limburg also gut nachvollziehen. Zwar hat die Geldverschwendung beim Bischofssitz keine unmittelbaren finanziellen Auswirkungen auf Kirchengänger und Steuerzahler. Jedoch wünschen viele sich bei so viel staatlicher Zuwendung an die Kirchen einen verantwortungsbewussteren Umgang mit den Geldern aus Kirchensteuer und staatlichen Zuschüssen.