finanzen.de Nachrichten immer gut informiert

Welche Kosten entstehen bei Pflege wirklich?

Wer eine private Pflegeversicherung abgeschlossen hat, glaubt im Pflegefall finanziell abgesichert zu sein. Doch gilt das auch für den Ehepartner? Pflege-Expertin Margit Winkler klärt in einem Gastbeitrag auf finanzen.de auf, welche Kosten bei der Pflege noch beachtet werden müssen.
Bei der Pflege können ungeahnte Kosten entstehen
Richtig auf die Pflege und ihre Kosten vorbereitet sein

Pflege gehört heute zu den größten Risiken des Alters. Doch die Politik hat keinen Plan, was geschehen soll, wenn die größte Bevölkerungsgruppe, die sogenannten Babyboomer der Jahrgänge 1955 bis 1970, zum Pflegefall werden. Wer soll all diese Männer und Frauen betreuen? Alle werden dann anpacken müssen. Gut für diejenigen, die finanziell vorgesorgt haben. Denn wir stehen erst am Anfang des Desasters. Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Ehepartner zum Pflegefall wird, liegt bei mehr als 80 Prozent.

Auch Familie M. muss dies am eigenen Leib erfahren. Dabei hatte Herr M. geglaubt, für den Ernstfall gerüstet zu sein. Er weiß, dass ältere Menschen in der heutigen Zeit oft über Jahre hinweg gepflegt werden müssen und das Geld dann schnell knapp wird. Seiner Frau möchte er das nicht antun. Sie sind seit zwanzig Jahren in zweiter Ehe verheiratet. Als treusorgender Ehemann hat er deshalb eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen, die durch zusätzliche Zahlungen die schwere Zeit im Pflegeheim erleichtern soll.

Doch als er ins Pflegeheim kommt, reicht das Geld trotz Vorsorge nicht. Die Heimkosten fressen die monatliche Zahlung der Pflegezusatzversicherung restlos auf. Seine Frau hat nur eine typische Frauenrente, die nicht reicht, um neben dem Lebensunterhalt die laufenden Kosten für Haus und Auto zu finanzieren.

Dabei sollte jedem klar sein: Pflegesituationen fordern immer zusätzliche Mittel. Bei Pflegestufe II liegen die monatlichen Kosten für Unterkunft und Pflege bei rund 3.000 Euro. Der Zuschuss der gesetzlichen Pflegekasse beträgt allerdings nur 1.279 Euro. Da die Rente meist für doppelte Haushaltsführung und persönliche Bedürfnisse gebraucht werden, entsteht eine finanzielle Lücke von rund 1.700 Euro. Wer in gesunden Tagen seine Rente für die Lebensführung aufbraucht, kann sie auch für die Pflege nicht einrechnen. Als Faustregel gilt: Fünf Jahre Pflege kosten rund 100.000 Euro.

Um dem Partner keine zusätzlichen Sorgen zu bereiten, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Ehepaare sollten von den aktuellen Pflegekosten in ihrem Wunschheim die Zahlung der Pflegekasse abrechnen. Dann erhalten sie die Kosten, für die sie zusätzlich vorsorgen müssen.
  2. Ehepaare sollten eine doppelte Haushaltsführung für die Zeit berücksichtigen, in der ein Partner im Heim und der andere zu Hause lebt. Welche Ausgaben fallen im alltäglichen Leben an, was kosten der Frisör, Hygieneartikel, Medikamentenzuzahlungen? Darüber sollte eine genaue Aufstellung gemacht werden. Ist dies geschehen, kann genau abgeschätzt werden, in welcher Höhe vorgesorgt werden muss.

Margit Winkler (Jahrgang 1963), Inhaberin des Instituts GenerationenBeratung, ist Expertin in allen Fragen rund um Vollmachten, Verfügungen, Pflege und Testament. Die unabhängige Finanz- und Marketingfachfrau bildet gemeinsam mit der IHK bundesweit staatlich anerkannte GenerationenBerater aus. Mit ihrem Buch "Vorsorgen ist keine Frage des Alters" hat sie zudem einen Leitfaden für Menschen vorgelegt, die die eigene Zukunft nicht dem Zufall überlassen wollen.