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Pflegestufe durch Pflegegrad ersetzt: Keine Nachteile für Betroffene

Die Pflegereform sieht eine Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs und damit ein neues Begutachtungsverfahren zur Pflegebedürftigkeit voraussichtlich im Jahr 2017 vor. Erste Studien zeigen bereits, dass der neue Begriff funktioniert. finanzen.de hat unter anderem beim Gesundheitsministerium nachgefragt, wie das neue System umgesetzt wird.
Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff auf dem Weg
Neudefinition von Pflege soll Pflegeleistungen gerechter verteilen

Die Pflegereform in Deutschland wurde am 1. Januar 2015 mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz eingeläutet. Die Reform soll die Situation für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegekräfte verbessern. Durch zahlreiche Leistungsverbesserungen konnte bereits viel erreicht werden. Im Jahr 2017 soll die Reform durch das zweite Pflegestärkungsgesetz komplettiert werden.

Im Zuge dessen wird der Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert. Anstelle der derzeitig verwendeten Pflegestufen sollen künftig flexiblere Pflegegrade für eine genauere und gerechtere Einstufung der Pflegebedürftigkeit sorgen. finanzen.de hat nachgefragt, wie private Versicherer das neue System in die alten Verträge übernehmen. Jetzt haben das Bundesministerium für Gesundheit und der Verband der privaten Krankenversicherung geantwortet.

Gleiche Maßstäbe bei der Feststellung zur Pflegebedürftigkeit

Die Antworten, die finanzen.de erhalten hat, betreffen nicht die private Pflegeversicherung, sondern die private Pflegepflichtversicherung. Es handelt sich dabei um das Pendant zur gesetzlichen Pflegeversicherung für Versicherte der privaten Krankenversicherung. In diesem Bereich werden für „die Feststellung der Pflegebedürftigkeit sowie für die Zuordnung zu einer Pflegestufe dieselben Maßstäbe angelegt, wie sie in der sozialen Pflegeversicherung anzulegen sind. Dieses Prinzip dürfte“, so das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), „auch unter einem geänderten Pflegebegriff beibehalten werden.“

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Wer ist von der geplanten Umstellung betroffen?

Durch die geplante Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade sollen künftig vor allem demenzkranke Personen besser berücksichtigt werden. Diese fallen bisher häufig durch das Definitionsraster zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit. Da sich das neue Begutachtungsverfahren vor allem an der Alltagskompetenz der Pflegebedürftigen orientiert, werden in Zukunft mehr Menschen von Pflegeleistungen profitieren können.

Konkrete Pläne zur Umstellung noch in Arbeit

Wie genau die Umstellung für aktuell Pflegebedürftige aussieht, wird auf Basis von Empfehlungen eines Expertenbeirats zur konkreten Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs überlegt. Fest steht, dass „im Rahmen der Umstellung Benachteiligungen für Pflegebedürftige, die bereits Leistungen beziehen, vermieden werden sollen“, so das BMG. Für derzeitige Pflegebedürftige will das BMG allerdings auch darauf achten, „dass keine größere Zahl von Neubegutachtungen notwendig wird, denn dies würde die personellen Ressourcen der Medizinischen Dienste überfordern“. Es ist also davon auszugehen, dass ein System entwickelt wird, dass heutige Pflegestufen in künftige Pflegegrade gerecht übersetzt.

 

Beiträge zur Pflegepflichtversicherung

Die Beitragshöhe zur Pflegepflichtversicherung bemisst sich nach dem individuellen Versicherungsrisiko. Der Beitragszuschuss durch den Arbeitgeber beträgt jedoch genau so viel, wie der Arbeitgeberanteil für die soziale Pflegeversicherung.

Private Versicherer: Geeignete Übergangsmodelle bereits entwickelt

Stefan Reker vom Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) sagt gegenüber finanzen.de, dass „die private Pflegepflichtversicherung bereits geeignete Übergangsmodelle entwickelt hat, um den Bestandsschutz für alle Pflegebedürftigen zu garantieren“. Wie diese Modelle jedoch genau aussehen, kann Reker noch nicht sagen.

Der Gesetzentwurf zum zweiten Pflegestärkungsgesetz soll noch diesen Sommer von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vorgelegt werden. Bisher zeigen erste Erprobungsstudien aus dem BMG, dass die Umsetzung des neuen Begutachtungsverfahrens gut funktioniert. Demnach könnte das Gesetz wie geplant noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.