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Unbefristeter Widerruf von Immobiliendarlehen droht 2016 zu erlöschen

Schon bald könnte Schluss mit dem unbefristeten Recht auf Widerruf von Immobiliendarlehen sein. Wenn es nach dem Willen der Banken geht, wird der Bundestag eine Gesetzesänderung beschließen, mit der die Frist zum Juni 2016 endet. Bankkunden, die zwischen 2002 und 2010 einen Baukredit abgeschlossen haben, sollten sich daher beeilen.
Ewiges Widerrufsrecht könnte Juni 2016 enden
Widerruf von Immobiliendarlehen: Die Zeit läuft

Die Bundesregierung plant offensichtlich eine Änderung zur bisher ewigen Frist beim Widerruf von Immobiliendarlehen, die eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung aufweisen. Für Kreditnehmer bedeutet dies, dass sie unter Umständen nur noch bis Mitte Juni 2016 Zeit haben, einen möglichen Widerruf ihres Immobiliendarlehens umzusetzen. Für die Banken käme die Gesetzesänderung sehr gelegen. Für sie geht es schließlich um mehr als hundert Milliarden Euro.

Update 18. Februar 2016: Der Bundestag hat das „ewige“ Widerrufsrecht bei Immobilienkrediten beendet. Mit der Begründung, Rechtssicherheit zu schaffen, grenzt die Politik bestehende Rechte von Kreditnehmern ein. Nur noch bis 20. Juni 2016 können Verbraucher Immobiliendarlehen, die zwischen 2002 und 2010 abgeschlosen wurden und eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung enthalten, widerrufen.

Wer kann sich mit dem Widerruf eines Immobiliendarlehens Geld zurückholen?

Verbraucher, die in der Zeit zwischen November 2002 und Juni 2010 ein Immobiliendarlehen abgeschlossen haben, sollten einen Widerruf überprüfen. Denn in dieser Zeit haben viele Banken und Sparkassen Kreditnehmer nur unzureichend über ihr zweiwöchiges Widerrufsrecht informiert. Fehlt ein entsprechender Hinweis im Kreditvertrag oder ist er ungenau formuliert, ist wahrscheinlich ein Widerruf möglich.

Etwa 80 Prozent der Darlehen aus dieser Zeit können durch den bisher unbefristeten Widerruf rückabgewickelt werden. Das bedeutet, dass der Kreditnehmer den ursprünglichen Darlehensbetrag an die Bank oder Sparkasse zurückzahlt und dafür im Gegenzug alle gezahlten Zinsen und Gebühren erstattet bekommt. Selbst wer die Kreditsumme nicht auf einen Schlag aufbringen kann, profitiert in der Regel vom Widerruf des Immobiliendarlehens. Denn derzeit sind Kredite dank der Niedrigzinsen zu sehr günstigen Konditionen zu erhalten. Daher empfiehlt sich ein Widerruf, selbst wenn das Darlehen bereits getilgt wurde. Sogar bereits gezahlte Vorfälligkeitsentschädigungen müssen von der Bank erstattet werden.

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Wann soll die neue Frist zum Widerruf von Immobiliendarlehen enden?

Wie die Stiftung Warentest berichtet, ist zurzeit eine Gesetzesänderung zur Umsetzung einer EU-Richtlinie bezüglich Wohnimmobilienkredite in Arbeit. Während ein erster Gesetzesentwurf noch nicht an der unbegrenzten Frist beim Kreditwiderruf gerüttelt hat, sieht eine neue Fassung eine Löschung des Widerrufsrechts  vor. Demnach soll das Gesetz zum 31. März 2016 in Kraft treten, drei Monate später ist der 20. Juni 2016 als letzter möglicher Tag für den Kreditwiderruf der betroffenen Verträge geplant.

Was können Betroffene nun unternehmen?

Wird das Gesetz wie geplant umgesetzt, bleibt betroffenen Kreditnehmern, die sich noch Geld zurückholen wollen, nicht mehr viel Handlungsspielraum. Sie müssen sich schnell um einen Widerruf ihres Immobiliendarlehens und gegebenenfalls eine neue Finanzierung kümmern. Wer sich unsicher ist, ob der eigene Immobilienkredit unter die Regelung fällt, kann den Vertrag von einem Anwalt oder bei einer Verbraucherzentrale überprüfen lassen. Dafür fallen zwar Gebühren an. Diese zahlen sich aber aus, wenn ein Widerruf zulässig ist. Schließlich sind hier Ersparnisse von bis zu mehreren zehntausend Euro möglich. Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich mittels eines Kredit Vergleichsrechners nach einer geeigneten Anschlussfinanzierung umzusehen. Ist die Restschuld noch sehr hoch, empfiehlt sich gegebenenfalls ein Angebot zur Baufinanzierung durch einen Experten.