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Gründerinnen: „So wird die Selbstständigkeit mit Erfolg gekrönt“

Frauen schlagen seltener als Männer den Weg zur eigenen Chefin ein. Das liegt auch an fehlender Förderung. finanzen.de hat deshalb mit Businesscoach Susanne Pillokat-Tangen darüber gesprochen, wie wichtig frauenspezifische Beratung ist. Sie gibt dabei praktische Tipps, wie „Sie“ sich ihren eigenen Traumjob selbst kreieren kann.
Susanne Pillokat-Tangen spricht mit finanzen.de
Susanne Pillokat-Tangen ist Businesscoach

Susanne Pillokat-Tangen berät Frauen schon seit vielen Jahren bei Karrierefragen. Sie weiß aus ihrer Erfahrung, dass Frauen und Männer „bei der Gründung eigentlich die gleichen Stationen durchlaufen“. Doch Frauen haben häufig eine ganz andere Erwerbsbiografie und stemmen die Verantwortung für Familie und Beruf größtenteils allein. Die Beraterin hat außerdem einige „frauenspezifische Eigenschaften“ und Ängste identifiziert, die sie in ihrer Beratung versucht, bewusst zu bestärken oder abzubauen. Denn eines ist klar: Frauen können nicht weniger als ihre männlichen Kollegen. Ihnen fehlen nur leider häufig „gewinnorientiertes Denken, ein ‚Ja, ich kann das schaffen‘-Gefühl und Selbstvertrauen in die wichtigsten Erfolgsfaktoren sowie Wettbewerbsvorteile ihrer Geschäftsidee“, erzählt sie im Interview.

Tipps für Gründerinnen: Das sind die 7 wichtigsten Erfolgsfaktoren

Ein langfristiger Firmenerfolg kommt nicht von allein. Gründerinnen können allerdings mit den folgenden sieben Tipps der Businessexpertin dafür sorgen, dass ihr Geschäft floriert:

1. Den eigenen Markenkern herausarbeiten

„Jede Unternehmerin hat eine einzigartige Kombination zu bieten: WAS sie WIE anbietet. Je besser der Kern dieser Marke herausgearbeitet ist, desto besser versteht die Zielgruppe, was sie genau erwartet, wenn sie das Produkt oder die Dienstleistung in Anspruch nimmt.“

2. „Nein“ sagen

„Als Unternehmerin hat man zwar die Aufgabe, für mehr Umsatz als Kosten zu sorgen. Wenn ein Auftrag jedoch nicht zu dem definierten Angebot passt, darf man ruhig absagen. Anders sieht es aus, wenn es sich um Aufträge handelt, die man später als Referenzobjekt angeben kann, die Publicity bringen oder die helfen, sich einen neuen Geschäftsbereich/neues Knowhow zu erarbeiten.“

3. Kräfte und Ressourcen schonen

„Wer Gewinn machen will, muss seine Ausgaben kontrollieren. Gründerinnen sollten daher sparsam mit Büromitteln und Produkten umgehen. Denn von der Steuer kann man nur das absetzen, was man zuvor bezahlt hat. Und Steuern zahlt nur, wer Gewinne erzielt. Genauso wichtig ist übrigens der sparsame Umgang mit den wichtigsten Ressourcen jeder Gründerin: Zeit und Kraft. Die eigene Energie ist der Motor der (Einzel-)Unternehmen. Nur wenn Seele und Körper gut behandelt werden, bleiben sie leistungsfähig.“

4. Keine Angst vor Zahlen: Frau muss nicht alles selbst machen

„Kennzahlen wie Umsatz, Rohertrag und Gewinn vor Steuer sollte zwar jeder im eigenen Geschäft kennen. Doch professionelle Hilfe durch Steuerberater kann bei der Finanzplanung helfen. Sie beraten nämlich auch zu anderen Fragen, wie zum Beispiel zur Lohnbuchhaltung für Aushilfen und Angestellte, zu Abgaben wie der Künstlersozialkasse oder auch zu der Höhe von Rücklagen, die Gründerinnen bilden sollten, um Steuerzahlungen richtig zu kalkulieren. Die verhasste Buchhaltung und Archivierungsarbeiten können auch spezialisierte Dienstleister übernehmen. Das kostet wenig Geld und spart wertvolle Arbeitszeit. Gründerinnen sollten sich auf ihre Spezialisierung und die eigenen Stärken fokussieren und unliebsame Dinge an Menschen delegieren, die das viel besser und effektiver können.“

5. Augen auf für neue Perspektiven

„Die Expertin rät Frauen dazu, für Neues offen zu bleiben, auch wenn sie mit jedem Jahr der Selbständigkeit besser wissen, was klappt und was gut ist. Auf diese Weise haben Gründerinnen die Änderungen auf dem Markt, neue Methoden und Techniken besser im Blick.“

6. Ziele setzen 

„Spätestens im Januar sollten Gründerinnen festlegen, was sie qualitativ und quantitativ am Jahresende geschafft haben wollen.“

7. Nicht alles auf eine Karte setzen

„Viele Frauen werden Unternehmerin, weil sie frei sein wollen. Deshalb sollten sie dafür sorgen, so unabhängig wie möglich zu sein. Wenn der Umsatz zu 80 Prozent vom einzigen Großkunden abhängt, kann das schnell zum Problem werden. Wenn Frauen ihre Dienstleistungen nur zusammen mit einem Kooperationspartner erbringen können, legen sie ihr Schicksal in dessen Hände. Deshalb ist es ratsam, einen Plan B in der Tasche zu haben.“

Unser Service
für Sie

Der Businessplan: Mehr als nur Zahlen 

Ein Businessplan enthält alle wichtigen Pläne und Ziele eines Unternehmens. Zentrale Kennzahlen wie Preise, Gehälter und Margen dürfen hier, laut der Expertin, nicht fehlen. Besonders wichtig für einen guten Businessplan ist, dass unterschiedliche Szenarien durchkalkuliert werden: „Für jeden möglichen Output, von schlecht bis außergewöhnlich gut, muss ein Plan existieren. Und ganz wichtig: Unbedingt ausreichend finanzielle und zeitliche Puffer einbauen.“

Ängste bei der Gründung: Vorsorge und Versicherungen spielen eine große Rolle 

Die Geschäftsideen der gründenden Frauen sind sehr unterschiedlich. Die Ängste hingegen sind häufig dieselben, berichtet die Expertin aus ihrem Berufsalltag. Unsicherheit gibt es meist in den folgenden drei Punkten: 

  • Ist die Leistung/das Produkt angemessen bepreist?
  • Ist das Marketing ausreichend?
  • Ist die Familie und sie selbst ausreichend versichert und sorgt sie ausreichend fürs Alter vor?

Diese Punkte sollten realistisch angefasst werden. „Dabei kann der Rat von Fachleuten helfen. Auf Hörensagen sollte man sich hier keinesfalls verlassen.“

 

Gründerinnen: Die zentralen Fakten zu Altersvorsorge & Versicherungen

Sie haben Ihr eigenes Unternehmen gegründet oder dies vor? Dann lesen Sie unsere Tipps rund um die richtige Altersvorsorge und den passenden Versicherungsschutz für Gründerinnen. Neben Expertenmeinungen finden Sie hier spannende Interviews mit erfolgreichen Gründerinnen, die ihren Traum bereits verwirklicht haben.

Auf lange Sicht kann gerade die finanzielle Sicherheit die Zufriedenheit mit der Entscheidung, selbstständig zu sein, beeinflussen. Wie glücklich Frauen mit ihrem Unternehmen sind, spielt für Pillokat-Tangen eine zentrale Rolle. Das Gefühl kann zunächst erreicht werden, „wenn die monatlichen Kosten gedeckt sind. Mittelfristig wird die Zufriedenheit aber bei vielen wohl nur dann bestehen bleiben, wenn das Gehalt auch die Möglichkeit zum Aufbau einer privaten Altersvorsorge eröffnet.“

Dieser Punkt wird Pillokat-Tangens Erfahrung zufolge von vielen Einzelunternehmerinnen unterschätzt. „Die eigene Rente scheint noch weit weg. Die Jahre vergehen und wenn frau dann den Punkt der Absicherung im Alter nicht mehr geplant ins Visier nimmt, läuft sie Gefahr, im Rentenalter unterversorgt zu sein.“

„Was mir immer wieder auffällt" berichtet der Businesscoach: „Die wenigsten Gründerinnen kennen ihre Absicherung oder auch ihr Absicherungsziel. Wie genau die eigene Vorsorgebilanz aussieht, sollte man sich deshalb von Fachleuten erklären lassen. Die Unternehmerin ist zwar Expertin in ihrem Marktsegment – aber nicht unbedingt in Finanzfragen aller Art.“

Über Susanne Pillokat-Tangen:

Für Gründerinnen und Einzelunternehmerinnen, die das kommende Geschäftsjahr zielgerichtet planen wollen, und die sich dabei Unterstützung wünschen, haben Business Mentorin Susanne Pillokat-Tangen und Marketingexpertin Nicole Frenken den Online-Kurs Mein bestes Jahr – Business Edition“ konzipiert. In sechs Modulen, mit leicht-verständlichen Lern-Videos, Arbeitsblättern und Checklisten begleiten sie die Unternehmerin dabei, ihr nächstes Geschäftsjahr unkompliziert zu planen.