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Nullzins-Kredite: Verlockendes Angebot mit Gefahrenpotential

Seit Januar werben zwei Anbieter mit Nullzins-Krediten. Eine gute Sache für Verbraucher, könnte man meinen. Verbraucherschützer geben allerdings zu bedenken, dass die verlockenden Angebote auch Probleme nach sich ziehen können. Wer beispielsweise mehr kauft, als das monatliche Budget hergibt, kann durch die Nullzins-Kredite in die Schuldenfalle tappen.
Nullzins-Kredite: Verbraucherschützer kritisieren Lockangebote
Nullzins-Kredite: Bei unbedachten Einkäufen droht Schuldenfalle

Bei gleich zwei Online-Vergleichsportalen werden derzeit Kleinkredite in Höhe von 1.000 Euro mit einer Laufzeit von 36 Monaten zu einem Zinssatz von null Prozent angeboten. Diese Nullzins-Kredite dienen vor allem der Neukundengewinnung, denn für die Anbieter sind die Finanzierungen selbst ein Minusgeschäft. Wie Verbraucherschützer jetzt betonen, entstehen den Kunden dabei tatsächlich keine Kosten – weder durch Zinsen noch durch Verwaltungsgebühren oder ähnliches. Befürworten können sie diese Konditionen jedoch nicht. Denn die Nullzins-Kredite verleiten zu unüberlegten Finanzentscheidungen.

Verbraucherschützer warnen vor Gefahren der Nullzins-Kredite

Zwar geben Verbraucherschützer Entwarnung und betonen, dass die Nullzins-Kredite keine versteckten Kosten für Kreditnehmer enthalten. Allerdings lauern dennoch Gefahren bei derartig günstigen Angeboten. Wer beispielsweise den Kreditvertrag nach den vereinbarten drei Jahren verlängern will, muss sich darauf einstellen, dass die Bank dann durchaus Zinsen verlangen kann.

Darüber hinaus können die Nullzins-Kredite Verbraucher dazu verleiten, ein oder mehrere Darlehen aufzunehmen, obwohl sie sich diese eigentlich nicht leisten können. In der Vergangenheit haben Verbraucherschützer schon Null-Prozent-Finanzierungen von Elektro- oder Möbelhändlern kritisiert. Denn wenn die Zahlung von größeren Anschaffungen wie Einbauküchen oder teurer Elektronik immer mehr verschoben wird, ist die Gefahr groß, als Kunde den Überblick zu verlieren. Dabei können die Ratenzahlungen zu einer Belastung werden, die die monatlichen finanziellen Ressourcen übersteigen. Im schlimmsten Fall muss der Betroffene weitere Kredite aufnehmen, die Schuldenspirale droht. Die Null-Prozent-Finanzierungen begünstigen zudem übereilte und unüberlegte Kaufentscheidungen. Dieses Problem besteht auch bei den Nullzins-Krediten.

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Was zahlen die Banken für die Nullzins-Kredite?

Die Santander Bank und die Fidor Bank, die hinter den aktuellen Nullzins-Krediten stehen, wollen mit den Angeboten, die voraussichtlich noch bis Mitte beziehungsweise Ende Februar gelten, neue Kunden gewinnen. Die Idee: Wer einmal bei der Bank einen Kredit beantragt hat, wird sich auch bei zukünftigen Geldgeschäften oder der Geldanlage an das entsprechende Kreditinstitut wenden.

Dafür nehmen die beiden Anbieter auch durchaus Verluste in Kauf. Denn allein bei der Antragsstellung fallen Verwaltungskosten an, die die Geldhäuser selbst tragen müssen, ohne dabei an den Zinsen zu verdienen.

Sehr teuer sind die Nullzins-Kredite für die Banken allerdings nicht, erklärt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Demnach werden pro Kunden etwa 16 Euro aufgewendet, rechnet Herbst vor. Angesichts der medialen Aufmerksamkeit und der langfristigen Werbewirkung ist das kein schlechtes Geschäft.