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Fluggäste bei Ryanair: Vom Abtretungsverbot nicht irritieren lassen

Aufatmen bei vielen Flugreisenden – das Kölner Amtsgericht erklärt, dass Kunden von Ryanair ihr Recht auf Schadenersatzforderung wohl nach wie vor auf Fluggast-Portale übertragen können. Denn das sogenannte Abtretungsverbot der Fluglinie dürfte unwirksam sein. Reisende könnten demnach weiterhin auf unkompliziertem Weg zu ihrer Ausgleichszahlung kommen.
Online-Portale helfen Kunden bei der Schadenersatzforderung
Bei Flugverspätung können Kunden Schadensersatz fordern

Die Fluggesellschaft Ryanair verbietet ihren Kunden seit einiger Zeit in den Geschäftsbedingungen, Schadensersatz für verspätete, ausgefallene oder überbuchte Flüge über Online-Portale wie flightright.de oder EUflight einfordern zu lassen. Einige dieser Unternehmen sind rechtlich gegen das sogenannte Abtretungsverbot vorgegangen und werden wohl Recht bekommen: Das Amtsgericht Köln hat vor wenigen Tagen erklärt, dass die Einschränkung nicht nur unwirksam, sondern auch eine „unangemessene Benachteiligung“ der Fluggäste sein dürfte (AZ: 113 C 381/16). Ein endgültiges Urteil steht allerdings noch aus.

Abtretungsverbot laut Ryanair nur zum Wohl der Kunden

Nach Angaben von Ryanair umfassen ihre geschäftlichen Richtlinien seit Ende letzten Jahres die Vorgabe, dass nur „natürliche Personen“, also Passagiere oder Mitreisende, Schadenersatz fordern können. Kunden dürfen ihr Recht auf Ausgleichszahlungen daher beispielsweise nicht an eine auf Fluggastrechte spezialisierte Inkassogesellschaft übertragen, die in ihrem Namen für sie eintritt.

Das Abtretungsverbot sei nur aus Sorge um die Reisenden eingeführt worden, erklärt Ryanair. Denn Portale für Fluggastrechte setzen sich zwar für die Kunden ein, allerdings verlangen sie bei erfolgreicher Schadenersatzforderung eine Provision. Ryanair möchte seine Fluggäste davor schützen und sie stattdessen ermutigen, bei Problemen selbst mit der Fluggesellschaft in Kontakt zu treten. Nur so hätten Passagiere im Fall einer Entschädigungszahlung den vollen Betrag zur Verfügung.

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Welche Vorteile haben Passagiere durch Fluggast-Portale?

Juristen bemängeln das Abtretungsverbot von Ryanair. Sie sehen darin eine Strategie des Unternehmens, mit der man die Zahl der Ausgleichsforderungen reduzieren will. Denn die Airline steht in der Kritik, nicht auf Beschwerden zu reagieren oder Ansprüche auf Entschädigungen erst einmal abzuweisen. Viele Kunden scheuen sich dann, als Privatperson weiter gegen die Fluggesellschaft vorzugehen, weil sie hohe Anwalts- oder Gerichtskosten fürchten. Lieber lassen sie die Forderung auf sich beruhen.

Wenden sich Passagiere an ein Portal für Fluggastrechte, müssen sie sich anschließend um nichts mehr kümmern. Die jeweiligen Unternehmen fordern in ihrem Namen eine Entschädigung und gehen damit notfalls auch vor Gericht. Zahlt die Fluggesellschaft, wird für Kunden in der Regel eine Provision von 25 bis 35 Prozent der Ausgleichssumme an das Portal fällig. Wenn Reisende keinen Schadenersatz erhalten, müssen sie dagegen keine weiteren Kosten befürchten.

 

Schlichtungsstelle bietet kostenlos Hilfe an

Viele Reisende wissen nicht, dass sie sich nach einer abgelehnten Schadenersatzforderung auch an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr wenden können. Diese ist kostenlos und versucht, eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen.

Juristen hoffen auf weitere Entscheidungen gegen Abtretungsverbot

Gegen die Abtretungsklausel ist bereits mehrfach juristisch vorgegangen worden – mit Erfolg. So haben in der Vergangenheit die Amtsgerichte in Hannover (AZ: 531 C 10491/11) und Königs Wusterhausen (AZ: 4C1349/16) entschieden, dass die Abtretung der Ansprüche zulässig ist. Im jüngsten Beschluss aus Köln heißt es dazu: „Der Wirksamkeit des Abtretungsverbots dürften der Sinn und Zweck der Fluggastverordnung und die Auslegung im Sinne des Verbraucherschutzes entgegenstehen.“

Zwar ist bisher lediglich in Einzelfällen beschlossen worden, ob die Beschränkung gültig ist. Juristen sind jedoch zuversichtlich, dass sich die Gerichte auch in weiteren Fällen auf die Seite der Verbraucher stellen.

Wann haben Passagiere einen Anspruch auf Entschädigung?

Grundsätzlich steht Fluggästen Schadenersatz zu, wenn ihr Flug ausfällt oder mindestens drei Stunden Verspätung hat. Der Grund dafür darf nicht höhere Gewalt, also ein unvorhersehbares und unvermeidliches Ereignis wie ein Unwetter oder ein Streik sein. Kann das Flugzeug beispielsweise aufgrund eines technischen Defektes erst vier Stunden später als geplant abheben, können Passagiere eine Entschädigung für die verlorene Zeit verlangen. Wie hoch diese ausfällt, richtet sich nach der Länge der Flugstrecke. Die europäische Fluggastverordnung staffelt die mögliche Erstattung so:

  • Bis 1.500 km: 250 Euro
  • 1.500 bis 3.500 km: 400 Euro
  • Ab 3.500 km: 600 Euro

Die Beträge gelten für alle Flüge innerhalb der EU sowie für außereuropäische Flüge mit europäischen Airlines. Passagiere sollten in jedem Fall Belege für den Vorfall sammeln und vorlegen. Sie können sich die Verspätung zum Beispiel am Service-Schalter schriftliche bestätigen lassen oder ein Foto der Anzeigetafel machen.