finanzen.de Nachrichten immer gut informiert

Banken verlangen immer mehr Gebühren für frühzeitigen Kredit-Ausstieg

Die gesunkenen Zinsen an den Kapitalmärkten sorgen zwar für günstige Hauskredite. Wer aber bereits eine Baufinanzierung aufgenommen hat und diese vorzeitig abzahlen will, muss sich dadurch auch mit hohen Strafgebühren abfinden. Denn die Vorfälligkeitsentschädigungen sind in den letzten Jahren angestiegen. Mitunter zahlen Hausbesitzer das 17-Fache wie vor acht Jahren.
Vorfälligkeitsentschädigung: Banken verlangen immer mehr Gebühren
Hausbesitzer belastet extremer Anstieg der Vorfälligkeitsgebühren

Wie die Stiftung Warentest in der aktuellen Finanztest-Ausgabe (11/2016) verdeutlicht, haben sich die Kosten für die Vorfälligkeitsentschädigung seit der Finanzkrise erheblich erhöht. Denn seitdem sind die Zinsen in den Keller gerutscht, was ausschlaggebend für die Berechnung der Strafgebühren bei vorzeitiger Ablöse des Darlehens ist. Die Gebühren entschädigen die Banken für die ihnen entgangenen Zinsen bei der Rückzahlung des Kredits vor dem vereinbarten Termin.

Die Leidtragenden der Kostensteigerung sind all jene Hausbesitzer, die früher aus ihrem Kredit raus wollen oder müssen. Während die Banken für einen Kredit in Höhe von 200.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung bei einer Rückzahlung nach fünf Jahren im Jahr 2008 gerade einmal 2.000 Euro Entschädigung verlangt haben, sind es 2016 ganze 32.000 Euro.

Neuanfang Hausverkauf? Strafgebühren treiben manche Hausbesitzer in den Ruin

Besonders problematisch ist die Entwicklung für Kreditnehmer, die ihr Haus aufgrund von finanziellen Problemen verkaufen müssen. Denn ihnen bleibt nach Ablöse ihres Darlehens durch die hohe Vorfälligkeitsentschädigung deutlich weniger Geld, um beispielsweise offene Forderungen von Gläubigern zu bedienen. Auch für einen Neuanfang steht ihnen unter Umständen nach der Rückzahlung des Kredits inklusive Gebühren kein Kapital mehr zur Verfügung.

Unser Service
für Sie

Vorfälligkeitsentschädigung zu hoch: Darauf sollten Verbraucher achten

Die Banken berechnen die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung laut Stiftung Warentest häufig zu Ungunsten des Kreditnehmers. Es gibt bestimmte Vertragsbestandteile, die die Gebühren für die Rückzahlung der Baufinanzierung reduzieren können. Dazu gehören etwa die Möglichkeiten Sondertilgungen zu leisten oder die Tilgungsrate zu erhöhen. Die Banken sind laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs (Az.: XI ZR 388/14) dazu verpflichtet, solche vertraglich garantierten Optionen so zu verrechnen, als hätte der Darlehensnehmer sie in Anspruch genommen.

Gerade wenn die Bank eine sehr hohe Vorfälligkeitsentschädigung fordert, sollten Kreditnehmer überprüfen, ob diese Vertragsklauseln überhaupt berücksichtigt wurden. Im ersten Schritt empfiehlt es sich, zusammen mit der Bank nach einer Lösung zu suchen. Hält diese aber an ihren überhöhten Forderungen fest, lohnt sich der Weg zur Verbraucherzentrale und gegebenenfalls zum Anwalt.

 

Wann verjähren Ansprüche gegen die Bank?

Sie haben Ihren Kredit bereits abgelöst und eine zu hohe Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt? Wenn die Entschädigung nicht vor dem Jahr 2013 fällig wurde, können Sie zu hohen Strafgebühren auch jetzt noch anfechten.

Vorfälligkeitsentschädigung besser in jedem Fall überprüfen

Banken können die Vorfälligkeitsentschädigung durch verschiedene Maßnahmen in die Höhe treiben. Stimmt beispielweise der Abrechnungszeitraum nicht, sondern werden die Gebühren vor dem Datum der Rückzahlung berechnet, können sich für den Bankkunden Nachteile ergeben, wenn die Zinsen in der Zwischenzeit gesunken sind. Da die Strafzahlungen durch Nachlässigkeiten und Tricks der Banken schnell mehrere tausend Euro höher liegen kann als rechtmäßig, ist Bankkunden eine Beratung durch die Verbraucherzentrale in jedem Fall zu empfehlen. Dabei gilt: Je höher die Kreditsumme und je früher das Darlehen ausgelöst wird, desto höher die Vorfälligkeitsentschädigung und auch das Risiko, dass mehr Kosten anfallen, als eigentlich notwendig sind.