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Bürgerversicherung als Jobkiller? Das sind die Folgen für Versicherte

Die Bürgerversicherung könnte nach Ansicht der SPD, Grünen und Linken das Ende der Zwei-Klassen-Medizin einläuten. Wie eine Studie zeigt, wäre mit der Abschaffung der privaten Krankenversicherung jedoch ein erheblicher Stellenabbau verbunden. Mehrere Zehntausend Jobs könnten der Bürgerversicherung zum Opfer fallen. Was bedeutet sie hingegen für Versicherte?
Was bedeutet die Bürgerversicherung für Krankenversicherte?
Bürgerversicherung: Eine Versicherung für alle Menschen in Deutschland

Man hat lange nichts mehr von der Bürgerversicherung gehört, doch nun sind Zahlen bekannt geworden, die die Gegner der obligatorischen Einheitsversicherung befeuern könnten. Demnach könnte die Bürgerversicherung bei den privaten Krankenversicherern (PKV) zu einem Stellenabbau von 22.700 bis 51.000 Mitarbeitern führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Die gewerkschaftsnahe Stiftung befürchtet, dass jeder Dritte oder sogar bis zu drei von vier Angestellten bei den privaten Versicherern den Job verlieren, wenn die Bürgerversicherung eingeführt wird.

Trotz der beunruhigenden Zahlen dürften SPD, Grüne und Linke im Bundeswahlkampf 2017 auf die Bürgerversicherung zurückkommen. Bereits 2013 haben sie für einen Aufbruch alter Strukturen geworben. CDU und CSU und der damalige Koalitionspartner FDP haben eine Bürgerversicherung hingegen immer abgelehnt.

Was bedeutet Bürgerversicherung?

Bei der Bürgerversicherung handelt es sich um eine Variante der Sozialversicherung, die beispielsweise in der Schweiz schon Anwendung findet. Dabei zahlen alle Bürger beziehungsweise Einwohner eines Landes in einen Topf, aus dem dann etwa bei der Krankenversicherung die Gesundheitsausgaben für alle gezahlt werden. In der Schweiz wird kein einkommensabhängiger Beitrag fällig, sondern eine Prämie, die sich unter anderem nach dem Alter und Wohnort des Versicherten richtet. Bei der angestrebten Bürgerversicherung in Deutschland würde hingegen wohl das Einkommen herangezogen und auch die Arbeitgeber in die Pflicht genommen werden.

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Welche Folgen hätte die Einführung einer Bürgerversicherung für Versicherte?

Die größte Umstellung käme mit der Einführung einer Bürgerversicherung vermutlich für Privatversicherte. Denn die private Krankenvollversicherung würde abgeschafft werden, sodass nur private Krankenzusatzversicherungen weiter zur Auswahl ständen. Privatpatienten, die derzeit sehr hohe Beiträge zahlen und kaum eine Möglichkeit haben, einen günstigeren Tarif zu finden, würden durch die Bürgerversicherung stark entlastet werden. Junge Selbstständige mit preiswerten Prämien zahlten gegebenenfalls mehr.

Auch bei den Leistungen entstünden durch die Bürgerversicherung Veränderungen. So gibt es in der privaten Krankenversicherung Hochleistungstarife, die kaum einen Wunsch übrig lassen. Dieses Leistungsspektrum ist bei einer Bürgerversicherung kaum zu erwarten. Das ist von SPD, Grünen und Linken durchaus gewollt: Statt einer Zwei-Klassen-Medizin soll die Bürgerversicherung allen Bürgern einen möglichst guten Grundschutz bieten. Mit Krankenzusatzversicherungen lassen sich die Leistungen dann immer noch erweitern.

Für gesetzlich Versicherte hätte die Bürgerversicherung wahrscheinlich weniger deutliche Auswirkungen. Am ehesten könnte sich die Beitragshöhe zur Krankenversicherung verändern. Ob es hier zu niedrigeren oder höheren Beiträgen käme, lässt sich allerdings bisher nicht sagen.

Bürgerversicherung ist auch in anderen Bereichen möglich

Auch bei der Altersvorsorge wird eine Bürgerversicherung immer wieder ins Spiel gebracht. Damit würden vor allem Selbstständige plötzlich verpflichtend für ihre Altersvorsorge zahlen müssen. Abgesehen von Berufszweigen, in denen es ein berufsständisches Versorgungswerk gibt, steht es Selbstständigen und Freiberuflern bisher frei, Beiträge in die gesetzliche Rente einzuzahlen. Die meisten Selbstständigen entscheiden sich gegen eine solche freiwillige Versicherung. Ebenso ist mit der Bürgerversicherung eine Überführung der Beamten in die gesetzliche Rente vorgesehen. Beamte erhalten von ihrem Dienstherrn im Alter ein Ruhegeld, das sich an den geleisteten Dienstjahren und der letztmaligen Besoldung richtet. Im Gegensatz zur Bürgerversicherung für die Gesundheitsversorgung ist eine obligatorische Altersvorsorge aber bisher nicht ernsthaft im Gespräch.