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Frage der Woche: Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Kurz vor dem morgigen Equal Pay Day 2017 hat das Statistische Bundesamt seine aktuelle Studie zum Gender Pay Gap veröffentlicht. 2016 haben Frauen immer noch weniger verdient als Männer – genau 21 Prozent. Das liegt nicht allein daran, dass Frauen häufiger für die Familie zurückstecken oder in Teilzeit arbeiten. Einige Unternehmen benachteiligen Frauen ganz bewusst.
Frauen verdienen oft nach wie vor viel schlechter als Männer
Frauen fragen sich: Warum gibt es noch Gehaltsunterschiede?

Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist 2016 im Vergleich zu den beiden Vorjahren zwar um ein Prozent zurückgegangen. Dennoch ist das Ungleichgewicht weiterhin groß. Die Mehrheit der Verdienstunterschiede ist dem Bericht des Statistischen Bundesamtes zufolge strukturell bedingt und lässt sich darauf zurückführen, dass Männer und Frauen

  • in verschiedenen Branchen arbeiten,
  • unterschiedliche Qualifikationen vorweisen und
  • abweichende Beschäftigungszeiten haben.

Doch gibt es noch andere Gründe, warum Männer mehr verdienen als Frauen?

Was ist der Gender Pay Gap überhaupt?

Der Gender Pay Gap bezeichnet die Lücke zwischen dem Verdienst von Männern und Frauen. So verdienten Frauen 2016 im Schnitt etwa ein Fünftel weniger brutto pro Stunde als Männer.

Beim Gender Pay Gap gibt es einerseits den sogenannten unbereinigten Wert. Dieser dient zum allgemeinen Vergleich der Gehälter von Männern und Frauen, unabhängig vom Berufszweig oder der jeweiligen Position. Hierunter fallen auch die genannten 21 Prozent Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen. Andererseits meint der bereinigte Wert den Verdienstunterschied, der selbst dann noch besteht, wenn Frauen und Männer eine vergleichbare Qualifikation haben sowie einen ähnlichen Beruf ausüben. In diesem Fall ist der Unterschied den Unternehmen zuzuschreiben. Sie zahlen den weiblichen Beschäftigten trotz gleicher Voraussetzungen ein geringeres Gehalt. Den Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge betrug diese bewusst festgelegte Differenz im Jahr 2014 noch sechs Prozent.

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Was will der Equal Pay Day erreichen?

Der Equal Pay Day (EPD), zu Deutsch „Tag für gleiche Bezahlung“, steht symbolisch für den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen aufgrund der Lohnunterschiede theoretisch umsonst arbeiten, während ihre männlichen Kollegen normal verdienen. Die Lohnungleichheit wirkt sich für Frauen nicht nur jetzt auf ihre finanzielle Situation aus, sondern auch bei der späteren Rente. Frauen bekommen im Alter im Schnitt nur rund halb so viel Altersgeld wie Männer. „Ziel ist es daher, mit dem Equal Pay Day die Debatte über die Gründe der Entgeltunterschiede in die Öffentlichkeit zu tragen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen, zu sensibilisieren und Entscheider zu mobilisieren, damit sich die Lohnschere schließt“, erklärt die Initiative.

Warum gibt es Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen?

Einer der wichtigsten Gründe für die Gehaltslücke besteht darin, dass Frauen karrieretechnisch oft zugunsten der Familie zurückstecken. Sie unterbrechen ihren Job, um für die Kinder da zu sein oder die Eltern zu pflegen. Damit verzichten sie zugleich auf berufliche Aufstiegsmöglichkeiten.

Zum Zweiten ist die Bezahlung in bestimmten Berufsfeldern wesentlich schlechter als in anderen. So verdienen Erzieherinnen weniger als Personen, die im naturwissenschaftlichen Bereich arbeiten.

Ein dritter Grund ist die bereits beschriebene Entscheidung mancher Arbeitgeber, ihre weiblichen Angestellten generell schlechter zu bezahlen als ihre männlichen, egal ob beide gleich qualifiziert sind.

Wo ist die Kluft am größten?

Besonders groß sind die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in Berufen, die eine Fachausbildung erfordern. Laut einer Studie der Jobbörse StepStone aus dem Jahr 2016 verdienen Frauen in diesen Berufszweigen rund 29 Prozent weniger als Männer. Neben den Bereichen Marketing und Vertrieb ist die Schere bei der Bezahlung in der Pflege sowie der Kindererziehung weit geöffnet. Wie stark sich die Gehälter je nach Geschlecht unterscheiden, hängt auch davon ab, ob ein Unternehmen die Fachkraft dringend braucht.

Einige Arbeitgeber rechtfertigen die schlechtere Entlohnung für Frauen unter anderem damit, dass diese ihr Gehalt schlecht verhandeln würden. Frauen sind in solchen Gesprächen oft weniger hartnäckig. Um ihr Ziel zu erreichen, sollten sie jedoch standhaft bleiben, ihre Fähigkeiten professionell einschätzen und zudem sicher auftreten.

Was tut die Politik für mehr Lohngerechtigkeit?

Um bundesweit für mehr Lohngerechtigkeit zu sorgen, hat die Bundesregierung im Herbst 2016 ein Gesetz auf den Weg gebracht. Unter dem Motto „Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit“ sollen die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen bekämpft werden. So wird es nach dem Inkrafttreten des Gesetzes in Betrieben mit mehr als 200 Angestellten eine sogenannte Auskunftspflicht geben. Unternehmen müssen ihren Beschäftigten dann auf Nachfrage mitteilen, wie viel ein anderer Mitarbeiter in derselben Position verdient.

Für Henrike von Platen, FairPay-Aktivistin, sorgt das Gesetz zwar nicht für mehr Gerechtigkeit. Allerdings schafft es zumindest einen Teil der Ungerechtigkeit ab. So ändere sich durch die Regelungen nichts an den strukturellen Gegebenheiten. Doch es werde etwas gegen die von Unternehmen willkürlich festgelegten Verdienstunterschiede unternommen. Für von Platen ist dies ein Schritt in die richtige Richtung, betont sie in einem Gastbeitrag für die Zeit.