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Zwischenfazit zur Pflegereform: Pflegepersonal bleibt auf der Strecke

In der gesetzlichen Pflegeversicherung werden Personen mit geistigen Erkrankungen wie Demenz seit Anfang 2017 besser unterstützt. Die neuen Leistungen bringen den Pflegekassen eine wahre Flut an Anträgen. Während dadurch die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, finden sich immer weniger Menschen, die sich um sie kümmern möchten.
Pflegebedürftige profitieren durch die Reform von mehr Leistungen
Trotz Reform: Pflegepersonal muss besser unterstützt werden

Seit Jahresbeginn gilt ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff. Dadurch haben mehr Menschen Anspruch auf die gesetzlichen Pflegeleistungen als bisher. Vor allem Demenzkranke und Menschen mit anderen geistigen Einschränkungen werden im Pflegesystem nun stärker berücksichtigt und besser abgesichert. Dadurch dürfte die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland weiter ansteigen. Denn allein im ersten Monat nach Inkrafttreten der Änderungen hat der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) 30 Prozent mehr Anträge bekommen als im Vorjahresvergleich, berichtet die Augsburger Allgemeine. Der MDK ist für die Begutachtung der Personen verantwortlich, die Leistungen aus der Pflegekasse beantragen.

Für Karl-Josef Laumann (CDU), Pflegebeauftragter der Bundesregierung, ist diese Antragsflut jedoch nicht überraschend. Schon 2015 ging die Regierung mittelfristig von 500.000 Menschen aus, die durch die Pflegereform zusätzlich unterstützt werden. Um sie künftig bestmöglich zu versorgen, stünden jährlich etwa fünf Milliarden Euro mehr zur Verfügung, betont Laumann in der Zeitung erneut.

Geld allein reicht nicht: Pflegekräfte brauchen mehr Unterstützung

Eines der Hauptprobleme in der Pflege ist weniger fehlendes Geld als vielmehr mangelndes Pflegepersonal. Für Johanna Knüppel vom Bundesverband für Pflegeberufe ist die Reform zwar ein wichtiger Schritt. Allerdings würde es bisher zu wenig Personal geben, um die Änderungen auch entsprechend umzusetzen, sagt sie der Augsburger Allgemeinen. Die Förderung von qualifiziertem Pflegepersonal gilt auch für Laumann als oberste Priorität. Er betont, dass dazu vor allem die Anerkennung für Pflegeberufe steigen müsse. Denn bisher sind diese wenig attraktiv und erfahren nur eine geringe Wertschätzung.

Professionelle Pflegekräfte müssen daher besser unterstützt werden. „Wir warten schon seit mindestens zwei Legislaturperioden auf eine Reform des Pflegeberufegesetzes“, sagt Michael Junge vom Sächsischen Pflegerat im MDR. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) möchte damit eine generalistische Pflegeausbildung durchsetzen. So sollen sich Kinderkranken-, Alten- und Krankenpfleger künftig gemeinsam zur sogenannten Pflegefachkraft qualifizieren. Damit will Gröhe einerseits dem Fachkräftemangel entgegenwirken sowie andererseits die Qualität der Pflege steigern. Die angestrebte Reform findet in der Koalition jedoch bisher keine Einigkeit.

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Wie reagieren Patienten auf das neue Pflegesystem?

Mit dem neuen Pflegesystem zeigen sich viele Patienten zufrieden. „Wir stellen fest, dass das neue System auf eine größere Akzeptanz stößt als das alte, weil jetzt alle wichtigen Lebensbereiche angesprochen werden“, sagt Peter Pick, Bundesgeschäftsführer beim MDK gegenüber der Zeitung.

Pick befürwortet die Neuerungen bei der Pflegeversicherung ebenfalls. Denn dadurch würden nicht nur Demenzkranke besser versorgt. Auch pflegebedürftige Kinder und andere Betroffene erhielten damit Unterstützung. Für ihn ist es besonders der langen Vorlauf- und Vorbereitungszeit beim MDK und den Kassen zu verdanken, dass „die Umstellung sehr arm an Problemen angelaufen“ ist.

Änderungen in der Pflege bedeuten Mehraufwand für Pflegekassen

Die steigende Zahl an Anträgen auf Pflegeleistungen setzt manche Pflegekassen trotz guter Vorbereitung unter Druck. So ist die Bearbeitungszeit in einigen Regionen von vier auf sechs Wochen gestiegen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz befürchtet jedoch, dass sie in einigen Fällen bis zu drei Monate betragen kann.

Darüber hinaus dürften auch Widersprüche einiger Patienten einen Mehraufwand für die Pflegekassen darstellen. Bereits Pflegebedürftige wurden zum Jahreswechsel von ihrer Kasse automatisch in einen entsprechenden Pflegegrad eingestuft. Doch dabei gab es offenbar Fehler, wie Christiane Rock vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in der Augsburger Allgemeinen erläutert. Bei einigen Betroffenen wurde beispielsweise die eingeschränkte Alltagskompetenz nicht berücksichtigt, sodass sie einen niedrigerer Pflegegrad zugewiesen bekamen. Rock rät Pflegebedürftigen daher, beim Bescheid der Kasse genau hinzuschauen und Widerspruch einzulegen, falls damit etwas nicht stimmt.