Verwahrentgelt der comdirect: Höhe, Freibetrag & Alternativen

Viele Kunden von Banken und Sparkassen müssen mittlerweile Strafzinsen dafür zahlen, dass sie Geld auf ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto haben. Auch bei der comdirect ist das so. Alle Neukunden müssen das Verwahrentgelt entrichten. Viele Bestandskunden werden zudem aufgefordert, einer Vereinbarung zur Erhebung der Negativzinsen zuzustimmen.

Nach der ING und der DKB ist die comdirect die drittgrößte Direktbank in Deutschland. 2020 zählte das Geldinstitut knapp drei Millionen Kunden. In der Zwischenzeit könnten es allerdings etwas weniger geworden sein. Denn die comdirect erhebt seit einiger Zeit ein Verwahrentgelt auf alle Sichteinlagen. Wie hoch genau die Minuszinsen sind, welche Freibeträge greifen und wie Sparer die Negativzinsen vermeiden können, finden Interessierte auf dieser Seite.

Inhaltsverzeichnis

Welche Verwahrentgelte bzw. Strafzinsen erheben die comdirect?

Die comdirect gehört zur Commerzbank, wurde 1994 gegründet und ist eine Direktbank, also ein Geldinstitut ohne Filialnetz. Kunden verwalten ihre Bankgeschäfte überwiegend über das Online-Banking.

Seit Ende 2019 berechnet comdirect ein Verwahrentgelt. Damals wie heute liegt der Zinssatz bei 0,5 Prozent. Geändert hat sich seitdem jedoch die Höhe des Freibetrags. Anfangs mussten sich nur Kunden mit einem Guthaben von mehr als 250.000 Euro Gedanken um die Strafzinsen machen. Wer nun bei der comdirect ein Konto eröffnet, bleibt nur noch bis 50.000 Euro unverschont.

Das Verwahrentgelt ist mit 0,5 Prozent pro Jahr genauso hoch wie der sogenannte Einlagenzins, den die Europäische Zentralbank (EZB) für Kreditinstitute berechnet, die Geld bei ihr anlegen. Wie hoch der Freibetrag der comdirect ist, hängt vom Datum der Kontoeröffnung ab, wie die folgende Übersicht zeigt.

Verwahrentgelt der comdirect: Übersicht des aktuellen Freibetrags

Datum der Konto­eröffnungFreibetrags­höhe
Zwischen dem 17. Juli 2020 und 9. Mai 2021100.000 Euro
Ab dem 10. Mai 2021 oder später50.000 Euro

Anders als bei manch anderen Banken und Sparkassen gilt der Freibetrag nicht je Konto, sondern pro Kundenbeziehung. „Eine Kundenverbindung definiert sich durch sämtliche unter einer identischen Kundennummer geführten Produkte wie z.B. Girokonto, Tagesgeld PLUS-Konto, Verrechnungskonto, CFD-Konto und Wertpapierkreditkonto“, erläutert die comdirect in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis.

Für Bestandskunden, die vor dem 17. Juli 2020 ihr Geld bei der comdirect angelegt haben, wird der Bank zufolge derzeit kein Verwahrentgelt erhoben. Gleichzeitig schreibt das Geldinstitut aber auch, dass sie bei Sparern mit „hohen Einlagen diesbezüglich individuelle Vereinbarungen schließen“ will. Diese Kunden erhalten ein entsprechendes Schreiben von comdirect.

Diese individuelle Vereinbarung sorgt bei einigen Bestandskunden für Frust. Sie berichten im Internet davon, dass für sie ebenfalls der Negativzins von 0,5 Prozent auf Guthaben über der Freibetragsgrenze von 50.000 Euro anfällt. Damit sehen sie sich schlechter gestellt als Personen, die zwischen Juli 2020 und Mai 2021 ein comdirect-Konto eröffnet haben. Dort liegt der Freibetrag bei 100.00 Euro.

Müssen comdirect-Bankkunden den Negativzinsen auf ihre Einlagen zustimmen?

Stimmen Bestandskunden der Vereinbarung nicht zu, hält sich die comdirect die Option vor, die Geschäftsbeziehung wirtschaftlich neu zu bewerten. Dies könnte dazu führen, dass Kunden, die der Bank viel Geld bringen, ihr Konto behalten dürfen. Verdient das Geldinstitut dagegen kaum am Sparer, ist die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung groß.

Welche Alternativen gibt es bei der comdirect, um das Verwahrentgelt zu vermeiden?

Um das Verwahrentgelt zu vermeiden, ist es normalerweise eine gute Alternative, das Vermögen auf mehrere Konten zu verteilen, um dort jeweils unter der Freibetragsgrenze zu bleiben. Bei der comdirect ist das jedoch nicht möglich, da die Bank alle Sichteinlagen pro Kundennummer summiert. Von diesem Vermögen wird dann der Freibetrag abgezogen.

Um den Negativzinsen der comdirect aus dem Weg zu gehen, müssen Sparer ihr Vermögen umschichten, zum Beispiel mit:

Wirken sich Strafzinsen in der Einkommen­steuererklärung aus?

Negative Einkünfte aus Kapitalvermögen lassen sich teilweise über die Verlustverrechnung für Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung absetzen. Für das Verwahrentgelt beziehungsweise die Negativzinsen gilt dies allerdings nicht. Somit können Sparer die Strafzinsen nirgends steuerlich geltend machen.

Wie wird das Verwahrentgelt berechnet?

Die comdirect berechnet die Strafzinsen tagesgenau, abgerechnet wird jeweils am Quartalsende. Dabei wird die kaufmännische Zinsrechnung angewendet. Diese geht davon aus, dass ein Jahr 360 Tage beziehungsweise jeder Monat 30 Tage hat.

Dazu ein Beispiel:

Das Vermögen auf den Konten über- und unterschreitet innerhalb eines Quartals die Freibeitragsgrenze von 50.000 Euro.

Zeit­raumGuthaben­höheVerwahr­entgelt
Januar60.000 Euro4,17 Euro
Februar48.000 Euro0 Euro
März75.000 Euro10,42 Euro
Summe: 14,59 Euro

Die Berechnung im Detail: Vom Guthaben wird der Freibetrag abgezogen. Bleiben beispielsweise für den Januar 10.000 Euro. Darauf fallen auf das ganze Jahr gesehen 50 Euro Strafzinsen an (10.000 Euro geteilt durch 100 mal 0,5). Diese 50 Euro werden nun auf den Monat beziehungsweise den Tag heruntergerechnet: 50 Euro geteilt durch 360 Tage mal 30 Tage macht aufgerundet 4,17 Euro.

Warum erhebt die comdirect überhaupt Strafzinsen?

Die comdirect begründet die Berechnung von Strafzinsen wie alle Banken mit der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Seit 2014 erhebt diese einen sogenannten Einlagenzins (auch als Einlagefazilität bekannt), wenn Banken überschüssiges Geld anlegen.

Seit September 2019 liegt er bei minus 0,5 Prozent. Gleichzeitig hat die EZB einen großzügigen Freibetrag eingeführt. Laut Deutscher Bundesbank haben die Kreditinstitute im Euro-Raum dadurch allein im ersten Jahr über 4,7 Milliarden Euro eingespart. Wie gerecht es daher erscheint, dass viele Banken wie die comdirect den EZB-Zins in gleicher Höhe an ihre Kunden weitergeben, ist fraglich.

Verlauf des EZB-Einlagenzinses seit 2012
  • 11. Juli 2012 – 10. Juni 2014 - 0 Prozent
  • 11. Juni 2014 – 09. September 2014 - Minus 0,1 Prozent
  • 10. September 2014 – 08. Dezember 2015 - Minus 0,2 Prozent
  • 09. Dezember 2015 – 15. März 2016 - Minus 0,3 Prozent
  • 16. März 2016 – 17. September 2019 - Minus 0,4 Prozent
  • Seit 18. September 2019 - Minus 0,5 Prozent

 

Zuletzt aktualisiert am: 28.09.2022

Autor:innen des Beitrags

Anja Schlicht