Streit zwischen verschiedenen Personen
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Frag einen Anwalt: Info zu Rechtsberatung, Kosten und Anwaltssuche

Bei einer Abmahnung mit Unterlassungserklärung, Streit mit dem Vermieter oder einem Verkehrsunfall ist es ratsam, wenn sich betroffene Personen von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Doch nicht jeder hat bereits einen Anwalt. Verbraucher, die in einer Lebenssituation eine Rechtsberatung brauchen, stellen sich viele Fragen über Beratungsformen und entstehende Kosten.

Unfall, Abmahnung und mehr: Wenn man einen Anwalt um Rat fragen muss

Bei rechtlichen Problemen ist es stets sinnvoll, einen Anwalt hinzuzuziehen und nach seiner juristischen Meinung zu fragen. Die Kosten der Erstberatung sind auf rund 200 Euro gedeckelt, danach hängen die Gebühren vom konkreten Fall ab.

Inhaltsverzeichnis

Mit oder ohne Anwalt: Verschiedene Arten der Rechtsberatung

Zur Rechtsberatung zählen alle Formen einer Rechtsdienstleistung, bei der es um eine juristische Prüfung eines Einzelfalls geht. Sie ist hilfreich, wenn Personen eine schnelle Einschätzung ihrer rechtlichen Situation zu einem bestimmten Sachverhalt erfahren möchten.

Die Bestimmungen rund um diese juristischen Beratungsangebote regelt das Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG). Danach dürfen nur Rechtsanwälte, Rechtsbeistände, Steuerberater oder Patentanwälte eine rechtliche Beratung anbieten – also nur Juristen. Für die Sachgebiete Inkassodienstleistung, Rentenberatung und ausländisches Recht ist die Rechtsberatung nur mit Anwaltszulassung erlaubt.

Verbraucherzentralen dürfen ebenfalls außergerichtliche Rechtsberatung anbieten, die ihrem Zuständigkeitsbereich entspricht.

Behördliche Registrierung für fachgebundene Rechtsberatung

Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Personen oder Personengruppen eine rechtliche Beratung auf dem Gebiet anbieten, auf dem sie tätig sind. Das gilt beispielsweise für Betriebswirte, die auch zu Insolvenzthemen beraten. Diese müssen sich behördlich registrieren lassen und dadurch den Nachweis erbringen, dass sie über die erforderliche Sachkunde in dem jeweiligen rechtlichen Fachgebiet verfügen.

Achtung

Wer eine unentgeltliche Rechtsberatung anbieten will, muss nachweisen, dass dies durch eine nach dem RDG befugte Person erfolgt. Ansonsten sind diese Beratungstätigkeiten strafbar. Somit ist sichergestellt, dass Verbraucher eine fachlich sichere Rechtsberatung erhalten.

Rechtsberatung gewünscht: Was kostet diese Leistung?

Sachkundige Rechtsleistungen von Anwälten sind normalerweise entgeltpflichtig. Der Preis für eine Rechtsberatung ist im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt. Nach Paragraf 34 des RVG darf ein erstes Beratungsgespräch beim Anwalt für eine Privatperson nicht mehr als 190 Euro kosten (plus Mehrwertsteuer).

Einige Fachanwälte aus bestimmten Spezialgebieten bieten jedoch auch kostenlose Erstgespräche an. Diese Unterschreitung der Gebühren ist gerichtlich anerkannt. Verbraucher erhalten so eine schnelle fachliche Einschätzung ihrer Sachlage und eine Auskunft, ob sie Rechte geltend machen können.

Gesprächstermin mit dem Anwalt vorbereiten

  • In der gewünschten Kanzlei anrufen und einen Gesprächstermin vereinbaren
  • In Stichworten alle Eckdaten zum Anliegen sowie Fragen an den Anwalt notieren
  • Belege und Dokumente zu dem Sachverhalt zusammenstellen
  • Wenn eine Rechtsschutzversicherung vorliegt: die entsprechenden Angaben wie den Namen der Versicherung und die Mitgliedsnummer griffbereit haben

Die Beratungsgespräche können persönlich, telefonisch oder auch online oder per E-Mail erfolgen.

Die Kostenfrage bei Anwaltstätigkeit

Eine Abschätzung, wie viel es kostet, wenn der Anwalt weitere Tätigkeiten für eine bestimmten Sachverhalt übernimmt, erhält der Interessent in dem Erstgespräch. Der Anwalt hat die Pflicht, den Mandanten vorher umfassend über die Gebühren und Kosten zu informieren. Auch die Risiken des Rechtsstreits gehören dazu. Dann hat der Ratsuchende die Möglichkeit zu überlegen, ob er die Hilfe in Anspruch nehmen möchte oder nicht. Im Zweifelsfall muss er in diesem Gespräch den Anwalt direkt fragen, welche Kosten bei weiteren juristischen Tätigkeiten entstehen können.

Welche Gebühren ein Anwalt für die jeweiligen Tätigkeiten berechnen darf, regelt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ebenfalls. Das Gesetz unterscheidet folgende Kategorien:

  • Beratungsgespräche beziehungsweise Beratungsleistungen
  • Außergerichtliche Tätigkeiten
  • Gerichtsverfahren

Einschätzung der Kosten bei Prozesstätigkeit

Die Kosten für einen Gerichtsprozess richten sich nach dem Streitwert. Hinzu kommen weitere Aufwendungen wie Termingebühr, Kommunikationspauschale und die Mehrwertsteuer. Nach diesen Gebühren muss sich der Anwalt bei seiner Kosteneinschätzung und seiner Abrechnung halten.

Frage: Kann der Anwalt höhere Kosten verlangen, wenn der Prozess aufwendig ist?

Sollte der zeitliche Aufwand, den der Anwalt für den Prozess aufbringt, nicht im Verhältnis zum gesetzlich festgelegten Gebührenrahmen stehen, gibt es die Möglichkeit einer individuellen Honorarvereinbarung. Diese trifft er im Vorfeld schriftlich und gemeinsam mit dem Mandanten. Dann kann er seine Gebühren höher ansetzen als es die gesetzliche Grundlage vorsieht.

Frage: Was geschieht, wenn bei Abmahnung die Kosten für den gegnerischen Anwalt nicht bezahlt werden?

Wer Widerspruch gegen eine Abmahnung einlegt, muss meist mit einer gerichtlichen Verhandlung vor dem Landesgericht rechnen. Hier ist eine Vertretung durch einen Anwalt notwendig. Der Abmahner kann seine Kosten für den Anwalt in der Klage geltend machen. Ob diese berechtigt sind, ergibt sich aus der gerichtlichen Überprüfung.

Ansonsten wird ein Anwalt einschätzen, welche Folgen es haben kann, wenn berechtigte Forderungen nicht gezahlt werden oder aus finanziellen Engpässen nicht gezahlt werden können.

Hinweis:

Die Rechtsanwaltskosten im Streit wegen Wettbewerbsverstößen sind nicht durch eine Rechtsschutzversicherung abgedeckt.

Verhandlungsgeschick: Vorteil einer Anwaltsvertretung bei Verkehrsunfall

Ein Unfall im Straßenverkehr ist eine Situation, in der Verbraucher plötzlich mit Recht, Gericht und Verurteilungen in Berührung kommen. Eine rechtliche Beratung lohnt sich in jedem Fall. Dabei ist schnelles Handeln nach dem Unfall wichtig. Das trifft auch zu, wenn Personen überzeugt sind, den Unfall verschuldet zu haben. Sie sollten unmittelbar nach dem Unfall mit einem Anwalt für Verkehrsrecht Kontakt aufnehmen.

Dieser kann die Unfall-Situation ganz anders einschätzen als Betroffene. Vielleicht ergibt sich bei genauerer Untersuchung des Hergangs, dass den vermeintlichen Unfallverursacher nur eine Teilschuld trifft. So kann ein Anwalt die möglichen Kosten senken, die bei der Schadensregulierung ermittelt werden. Dazu können neben den Reparatur- und Anwaltskosten auch Schmerzensgeld oder die Kosten für einen Mietwagen gehören. Außerdem kann er mit der Versicherung des Unfallgegners in Verhandlung treten und die Rechte seines Mandanten vertreten

Personen, die eine Rechtsschutzversicherung mit Verkehrsrechtsschutz haben, sind in dieser Lebenslage im Vorteil. Sie erhalten Auskünfte zu ihrer rechtlichen Lage und im Streitfall auch eine Erstattung der Anwaltskosten.

Zum Tarifvergleich

Mandantenakquise: Wie gewinnen Anwälte neue Mandanten?

Nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) gab es 2020 in Deutschland rund 165.000 zugelassene Rechtsanwälte. Die Konkurrenz ist also groß: jeder will die potenziellen Mandanten von sich überzeugen. Weil immer mehr Verbraucher im Internet nach Informationen, Empfehlungen und Kontaktdaten suchen, müssen Rechtsanwälte sich mit ihrem Webauftritt gut aufstellen und von der Konkurrenz abheben.

Auch die persönliche Empfehlung unter Verwandten und Bekannten ist immer noch eine oft genutzte Methode, um einen guten Anwalt zu finden. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass der empfohlene Rechtsexperte genau das Fachgebiet vertritt, welches man benötigt.

Eine weitere Hilfe für Verbraucher bieten die regionalen Rechtsanwaltskammern. Sie stellen Kontaktlisten mit sämtlichen Anwälten aus allen Rechtbereichen zur Verfügung, die in dem jeweiligen Bundesgebiet tätig sind. Eine Übersicht über alle Rechtsanwaltskammern bietet die BRAK auf ihrer Website.

Tipp:

Wer rechtsschutzversichert ist, sollte vor der Beauftragung eines Anwalts mit der Versicherung Kontakt aufnehmen und nachfragen, ob sie die Kosten übernehmen wird. So ist sichergestellt, dass Verbraucher nicht unerwartet die Anwaltskosten, die über die Selbstbeteiligung hinausgehen, aus eigener Tasche zahlen müssen.

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