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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Grauer Star-OP: Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Nehmen Bürgerinnen und Bürger die Welt zunehmend durch einen Schleier wahr, kann der Graue Star (Katarakt) verantwortlich sein. Die Erkrankung ist häufig altersbedingt und tritt schleichend auf. Durch den Grauen Star droht Betroffenen ohne Operation die Erblindung. Die Kosten sind abgedeckt, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung

Bei der Diagnose Grauer Star handelt es sich um eine Augenerkrankung, bei der sich die Augenlinse immer stärker trübt und grau verfärbt. Bei Erblindung wird zudem der Blick starr, sodass sich so der Name Grauer Star (Katarakt) ableitet.

Mit rund 700.000 Grauer Star-Operationen pro Jahr zählt der Eingriff zu den häufigsten Augen-OPs. Dies ist nicht verwunderlich: Einerseits tritt die Erkrankung in den meisten Fällen altersbedingt auf, viele Senioren haben mit dem Anzeichen des Alters zu kämpfen. Andererseits gibt es keine Alternative zur Operation. Nur mit dem Austausch der trüben Linse durch eine Kunstlinse lässt sich das Sehvermögen wiederherstellen.

Inhaltsverzeichnis:

Grauer Star-OP: Diese Kosten übernimmt die Krankenversicherung

Schätzungsweise zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden am Grauen Star. Betroffene müssen sich früher oder später einer OP unterziehen, andernfalls verlieren sie ihr Augenlicht komplett. Die Kosten für den Eingriff hängen von verschiedenen Faktoren ab:

  • Gewählter Augenarzt
  • Art der Operationsmethode
  • Art der eingesetzten Linse
  • Zusatzleistungen in Form von weiteren Voruntersuchungen

Generell sind gesetzlich wie privat Krankenversicherte auf der sicheren Seite. Denn die Grauer Star-OP-Kosten werden von der Krankenversicherung erstattet. Allerdings gibt es je nach Versicherungsstatus Unterschiede.

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Behandlungskosten nur dann komplett, wenn sich Patienten für eine Standardlinse (Monofokallinse) entscheiden und der Eingriff mit dem Ultraschall (Phakoemulsifikation) durchgeführt wird. Pro Auge fallen rund 1.800 Euro an, je nach Augenarzt und Praxis können es allerdings auch deutlich mehr sein.

Entscheiden sich Betroffene für eine andere Linse, müssen sie für die Mehrkosten aufkommen. Pro Linse können dies zwischen 400 Euro und 800 Euro sein. Soll bei der Operation ein Femtolaser statt Ultraschall zum Einsatz kommen, wird es nochmals teurer – zwischen 1.000 Euro und 1.500 Euro.

Privat Krankenversicherten wird dagegen auch die Laserbehandlung gezahlt, wenn diese bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Zudem erstatten die Versicherer oftmals jede Linsenart. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen wie die optische Biometrie per Lasertechnik zur Linsenberechnung oder die optische Kohärenztomografie (OCT) zur Untersuchung der Netzhaut übernommen werden. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen lediglich die Ultraschallbiometrie.

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Generell gilt:

Pro Auge können Augenärzte bei Privatversicherten zwischen 665 Euro und 910 Euro für den Lasereinsatz abrechnen. Hinzu kommen die Kosten für die Linse. Die private Krankenversicherung kommt für den Laser auf, wenn der Mediziner die Grauer Star-OP als klassische Katarakt-OP abrechnet (Nr. 1375 der Gebührenordnung der Ärzte – GOÄ).

Zeichnet er diese dagegen als intraoperative Strahlenbehandlung (Nr. 5855) aus, droht eine Ablehnung der Leistung. Denn aus Sicht der Versicherer liegen die Voraussetzungen für diese Abrechnung nicht vor. Mehrere Gerichte haben der privaten Krankenversicherung diesbezüglich den Rücken gestärkt, etwa das Amtsgericht München (Aktenzeichen 233 C 14473/17).

Tipp:

Damit Patienten die Mehrkosten von bis zu 1.500 Euro pro Grauer Star-OP nicht selbst zahlen, sollten sie im Vorfeld einen Kostenvoranschlag einfordern und damit die Kostenübernahme der Krankenversicherung klären.

Regelmäßige Sehtests ab 40 Jahren

Die Augenkrankheit verläuft häufig jahrelang unbemerkt oder Betroffene schreiben der Sehbehinderung andere Ursachen zu. Experten empfehlen daher, ab dem 40. Lebensjahr alle ein bis zwei Jahre beim Augenarzt für einen Sehtest vorbeizuschauen.

Grauer Star: Welche Symptome treten auf?

90 Prozent der Fälle von Grauer Star sind altersbedingt, häufig beginnt die Krankheit ab dem 60. Lebensjahr. Doch auch andere Faktoren können zur Erkrankung führen, etwa:

  • Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselkrankheiten
  • Verletzung des Auges
  • Augenentzündung
  • Rauchen und starker Alkoholkonsum
  • Starke Belastung durch UV-Licht

Betroffene bemerken eine Abnahme der Sehkraft. Diese zeigt sich in einem Schleier oder Nebel in der Mitte des Sehfelds beim Lesen sowie Sehen in der Ferne, später auch im gesamten Gesichtsfeld. Erkrankte reagieren zudem empfindlich, wenn sie geblendet werden, ihre räumliche Wahrnehmung nimmt ab, sie sehen unscharf und kontrastarm.

Es gibt vier Stadien der Krankheit:

  1. Beginnende Linsentrübung: Geringe Einschränkungen, keine OP notwendig
  2. Fortgeschrittene Linsentrübung: Deutliche Einschränkungen, OP empfohlen
  3. Reifer Grauer Star: Komplette Trübung, OP dringend empfohlen
  4. Überreifer Grauer Star: Vergrößerung der getrübten Linse, umgehende OP, um Folgeschäden wie Grüner Star zu vermeiden

Die Linse kann sich an verschiedenen Stellen trüben. Augenärzte unterteilen hier zwischen einer Rinden- und Kerntrübung sowie einer Schalentrübung. Die Symptome unterscheiden sich teilweise.

Trübung Häufige Symptome des Grauen Stars
Rinden­trübung Blend­empfindlich­keit
Kern­trübung Probleme beim Sehen in der Ferne, Doppel- und Mehrfach­bilder
Schalen­trübung Probleme beim Sehen in der Nähe, Blend­empfindlich­keit

Angeborener Grauer Star

Die Katarakt muss nicht nur ältere Menschen treffen. Auch Kinder können daran erkranken oder haben die Linsentrübung von Geburt an. Erste Anzeichen für den Grauen Star bei Kindern kann das Schielen sein. Wichtig ist, dass die Krankheit früh behandelt wird, um eine permanente Schwachsichtigkeit zu vermeiden.

Gibt es eine Altersgrenze für die Grauer Star-OP?

Bürgerinnen und Bürger brauchen keine Angst haben, für die Operation zu alt zu sein. Der Eingriff wird von den Ärzten in jedem Alter durchgeführt. Wer seinen altersbedingten Grauen Star erst spät behandeln lässt, muss sich daher nicht sorgen, dass es für eine zielführende Behandlung zu spät ist.

Wie läuft die Behandlung des Grauen Stars ab?

Zunächst erfolgt die Diagnose beim Augenarzt, etwa mithilfe des Brückner-Tests (Durchleuchtung des Auges) oder der Untersuchung an der Spaltlampe. Ist die Krankheit im zweiten bis vierten Stadium, wird die mikrochirurgische Operation eingeplant.

Dabei wird die trübe Linse zum Teil oder ganz entfernt und durch eine künstliche Intraokularlinse ersetzt. Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist in der Regel nicht notwendig, stattdessen wird der Eingriff ambulant bei örtlicher Betäubung durchgeführt. Dauer: rund 30 Minuten.

Da der Graue Star in der Mehrheit beide Augen betrifft, wird die Operation nach der Heilungsphase am noch kranken Auge wiederholt. Die einmal eingesetzte künstliche Linse bleibt den Rest des Lebens im Auge.

Für die OP stehen unterschiedliche Methoden bereit, am häufigsten wird die dritte Form durchgeführt:

  • Extrakapsuläre Kataraktextraktion: Öffnung der vorderen Linsenkapsel und Entfernung des Linsenkerns, hornhautschonende Methode
  • Intrakapsuläre Kataraktextraktion: Entfernung von Linse und Kapsel, häufige Anwendung bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium
  • Phakoemulsifikation: Entfernung des Linsenkerns mit Ultraschall

Bei der letztgenannten Methode wird der kleinste Schnitt in die Hornhaut (rund drei Millimeter) vorgenommen. Patienten können durch die schnellere Heilung eher in ihren Alltag zurückkehren als bei den anderen Methoden.

Zunehmend greifen Ärzte bei der Operation auch auf einen sogenannten Femtosekundenlaser oder nur Femtolaser zurück. Im Gegensatz zum Ultraschall wird dabei die Netzhaut weniger stark belastet. Zudem sind die Schnitte präziser. Allerdings steht die Bewertung der gesundheitlichen Vorteile vonseiten der Krankenkassen noch aus, sodass diese Methode für Kassenpatienten in der Regel eine Selbstzahlerleistung ist.

Bei der Grauer Star-OP ist es sehr unwahrscheinlich, dass es zu Komplikationen kommt. Dennoch handelt es sich noch immer um einen chirurgischen Eingriff, es gibt also minimale Risiken wie

  • Hornhautverkrümmung,
  • Entzündung infolge von Bakterieninfektion,
  • Blutungen im Auge und
  • Netzhautablösung durch Kapselriss.

Generell kann sich zudem ein Nachstar bilden. Dabei kommt es zu einer Trübung der hinteren Kapsel im Auge. Der Nachstar lässt sich unkompliziert mit einem Lasereingriff beheben.

Wie erfolgreich ist die Operation des Grauen Stars?

Viele Patienten bemerken schon kurz nach dem Eingriff eine Verbesserung ihrer Sehkraft. Bei anderen kann es dagegen einige Wochen dauern, bis sich das Sehsystem an die Intraokularlinse anpasst.

Was unterscheidet die Linsen, die für die Grauer Star-OP verwendet werden?

Die neue Intraokularlinse muss die gleiche Brechkraft wie die alte natürliche Linse haben. Die Stärke berechnet der Augenarzt. Die Linsen selbst unterscheiden sich hinsichtlich Platzierung im Auge, Material und optischen Besonderheiten:

Implantations­ort Material
Iris­getragene Linse An der Iris, Keine Verwendung mehr in Deutschland aufgrund häufiger Verletzung der Hornhaut bei Befestigung
Vorder­kammer­linse Vor der Iris, Nutzung eher selten, da Gefahr einer Erkrankung an Grünen Star oder Trübung der Hornhaut besteht Poly­methyl­methacrylat (Plexiglas)
Hinter­kammer­linse Hinter der Iris Silikon, Acryl, Plexiglas

Linsenarten Vor- und Nachteile:

Linsenart Multifokallinse Monofokallinse
Gute Sehschärfe für nahes und fernes Sehen
Keine Brille mehr nötig nach OP?
Blendempfindlichkeit gut?
Scharfe Kontraste?
Hohe Kosten
Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkasse?
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Eine Monofakollinse kann dabei bis zu 2.000 Euro kosten, bei der Multfokallinse sind es sogar bis zu 3.000 Euro. Generell schwanken die Kosten extrem je nach Arzt und Praxis.

Darüber hinaus gibt es weitere Sonder- beziehungsweise Speziallinsen, zum Beispiel:

  • Torische Linse, bei der eine etwaige Hornhautverkrümmung korrigiert wird (1.000 Euro bis 2.000 Euro pro Linse)
  • Asphärische Linse, bei der die Kontrastwahrnehmung im Dämmerlicht besser ist (ab 700 Euro pro Linse)
  • Blaufilterlinse, schützt durch das Herausfiltern des blauen Anteils im Licht Netzhautzellen (ab 700 Euro pro Linse)

Aus medizinischer Sicht sind diese Premiumlinsen in der Regel nicht notwendig, sondern dienen dazu, das Leben des Patienten zu vereinfachen, etwa wenn keine Brille mehr benötigt wird. Bei der Grauer Star-OP werden die Kosten dieser Linsen daher nicht von der Krankenkasse erstattet. In der privaten Krankenversicherung zeigt man sich oftmals großzügiger.