Mann schläft im Bett
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Krankentagegeld: Versichert gegen Verdienstausfall bei langer Krankheit

Dauert eine Erkrankung länger, kostet es nicht nur Nerven und Kraft. Auch der Verdienstausfall schmerzt. Eine Krankentagegeldversicherung springt in dieser Situation ein und gleicht das fehlende Einkommen aus. Vor allem Selbstständige profitieren von dieser Absicherung.

Angestellte bemerken die Einkommenseinbußen, wenn die Lohnfortzahlung nach sechs Wochen endet. Bei gesetzlich Versicherten zahlt die Krankenkasse zwar ein Krankengeld. Dieses liegt jedoch unter dem monatlichen Nettogehalt.

Je nachdem, welche Forderungen Erkrankte begleichen müssen, kann auch diese Verminderung des Geldeinganges für Unbehagen sorgen. Eine Krankentagegeld­versicherung schließt diesen finanziellen Engpass.

Inhaltsverzeichnis

Krankentagegeld: Was ist das eigentlich?

Eine Krankentagegeldversicherung schützt Versicherte vor dem Wegfall des Gehaltes, wenn eine Erkrankung ungewöhnlich lange andauert. Wer krankgeschrieben ist, ist nicht arbeitsfähig. Für Selbstständige kann dies sehr unangenehm werden. Anders als Angestellte haben sie keinen Arbeitgeber, der das Gehalt in den ersten Wochen fortzahlt. Sind sie zudem privat krankenversichert, können sie nicht mit einem Krankengeld rechnen. Für sie ist es daher sinnvoll, mit dem Antrag zur privaten Krankenversicherung (PKV) auch eine Krankentagegeldversicherung abzuschließen.

Das Krankentagegeld gleicht ausbleibendes oder verringertes Einkommen infolge einer längeren Erkrankung aus. Es ist wird als Nettobetrag ausgezahlt und ist daher steuer- und abgabenfrei.

Achtung Verwechslungsgefahr!

Der Begriff Krankentagegeld ist leicht zu verwechseln mit:

  • Dem Krankengeld: Dieses zahlen die gesetzlichen Krankenkassen, wenn der Versicherte länger als sechs Wochen krank ist und die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber endet. Es entspricht etwa 70 Prozent des Bruttogehaltes. Mehr als 90 Prozent des letzten Nettogehaltes zahlt die Krankenkasse jedoch nicht.
  • Dem Krankenhaustagegeld: Dies ist eine Zusatzversicherung, die bei einem Krankenhausaufenthalt aufkommt und für die Dauer jeweils einen Tagessatz auszahlt.

Was kostet eine Krankentagegeld­versicherung?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Wie hoch der Versicherungsbeitrag am Ende ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Höhe des Tagegeldes
  • Alter bei Versicherungseintritt
  • Zeitpunkt, ab dem das Krankentagegeld ausgezahlt wird
  • Gesundheitszustand

Je nach Tarif und Vertragsbedingungen kann der monatliche Beitrag für die Krankentagegeldversicherung bei 15 Euro oder auch bei 100 Euro liegen.

Für die Dauer der Auszahlung ist es unerheblich, ab wann das Krankentagegeld gezahlt wird, ob nach einer Woche Krankheit oder erst nach sechs Wochen.

Für wen lohnt sich das Krankentagegeld?

Die Absicherung hilft jeder Person, die im Krankheitsfall von Einkommenseinbußen bedroht ist. Dabei spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle:

  • Arbeitsverhältnis (angestellt oder selbstständig)
  • Art der Krankenversicherung

Oft entscheiden sich Selbstständige und Freiberufler, die komplett für sich selbst verantwortlich sind, für eine solche Versicherung. Aber auch Angestellte schließen mit einer Krankentagegeldversicherung Versorgungslücken, wobei diese bei ihnen durch das Krankengeld deutlich geringer sind.

Welche Leistungen erhält ein Angestellter im Krankheitsfall?

Kranken­versicherung Gesetzlich versichert Privat versichert
Vorhandene Absicherung Gehalts­fortzahlung durch Arbeitgeber für sechs Wochen

Krankengeld durch Krankenkasse ab dem 43. Tag

Gehalts­fortzahlung durch Arbeitgeber für sechs Wochen
Zusatz­versicherung
Kranken­tagegeld
Sinnvoll, wenn die Differenz zwischen Nettogehalt und Krankengeld sehr groß ist und die monatlichen Ausgaben übersteigt

Übliche Zahlung ab dem 43. Tag

Sinnvoll, wenn die Erkrankung weiterhin andauert

Übliche Zahlung ab dem 43. Tag

Versichert in der gesetzlichen Krankenversicherung: Beschäftigte erhalten bei längerer Krankschreibung und Arbeitsunfähigkeit zunächst für sechs Wochen weiterhin ihr Gehalt. Danach zahlt die Krankenkasse ein Krankengeld. Dieses liegt bei etwa 70 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Mehr als 90 Prozent des Nettoeinkommens zahlt die Krankenversicherung nicht.

Versichert in der privaten Krankenversicherung: Der Erkrankte erhält in den ersten sechs Wochen ebenfalls durch die Entgeltfortzahlung sein Gehalt. Nach den 42 Tagen endet diese Sicherheit. Ein Krankengeld gibt es bei der PKV nicht. Ab jetzt würde die Krankentagegeldversicherung greifen und als Einkommensquelle für die weitere Krankheitsdauer einspringen.

Hinweis: Maximale Höhe Krankengeld

Die Höhe des Krankengeldes ist nach oben hin auf 3.386,25 Euro begrenzt. Denn zur Berechnung wird nur das Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze herangezogen. Diese liegt 2021 bei 4.837,50 Euro pro Monat. Vor allem Personen mit hohem Einkommen sollten dies bedenken.

Welche Leistungen erhält ein Selbstständiger im Krankheitsfall?

Kranken­versicherung Gesetzlich versichert Privat versichert
Vorhandene Absicherung Anspruch auf Krankengeld nur bei entsprechender Vereinbarung mit Krankenkasse

Auszahlungs­beginn des Krankengeldes variiert

keine
Zusatz­versicherung
Kranken­tagegeld
Alternative zum Krankengeld

Auszahlung nach vereinbarter Karenzzeit

Sinnvoll als Vorsorge vor Einkommens­einbußen aufgrund langer Krankheits­dauer

Auszahlung nach vereinbarter Karenzzeit

Als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse: Gesetzlich versicherte Selbstständige entscheiden selbst, ob sie Krankengeld beziehen wollen. Verzichten sie darauf, zahlen sie mit 14,0 Prozent einen geringeren Grundbeitrag für ihre gesetzliche Krankenkasse.

Entscheiden sie sich dafür, zahlen sie den normalen Beitrag in Höhe von 14,6 Prozent des Einkommens. In beiden Varianten kommt jeweils der Zusatzbeitrag hinzu, den jede Kasse individuell festlegt. Danach verhält es sich wie bei den Angestellten: Ab dem 43. Krankheitstag zahlt die Versicherung – sofern vereinbart – ein Krankengeld in Höhe von etwa 70 Prozent des Einkommens.

Tipp:

Wer die sechs Wochen bis zu dieser Zahlung finanziell nicht stemmen kann, hat die Möglichkeit in einen Wahltarif zu wechseln. Gegen einen höheren Beitrag zahlt die Kasse das Krankengeld dann bereits nach zwei oder drei Wochen der Arbeitsunfähigkeit. Doch Achtung: Mit dem Wechsel in einen Wahltarif bindet sich der Versicherte für drei Jahre an die Krankenkasse.

Privat versichert: Selbstständige mit privater Krankenversicherung müssen komplett eigenverantwortlich für einen längeren Ausfall bei Erkrankung vorsorgen. Daher schließen sie mit der Krankenversicherung in der Regel auch eine Krankentagegeldversicherung beim gleichen Versicherer ab. Verpflichtend ist diese Kombination jedoch nicht.

Eine Zusatzversicherung für das Krankentagegeld lohnt sich am meisten für Selbstständige, ganz gleich, ob sie gesetzlich oder privat krankenversichert sind. Wenn sie auf lange Zeit nicht arbeitsfähig sind, verlieren sie ihr Einkommen. Vor diesem Fall schützt die Versicherung.

Experten raten dazu, die Krankentagegeld-Angebote von mehreren Versicherern zu vergleichen. Dies gilt vor allem für PKV-Versicherte. Manchmal haben andere Anbieter bessere Konditionen als die eigene private Krankenversicherung.

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Wichtig:

Kann die betroffene Person wegen der Krankheit gar nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, endet die Zahlung der Krankentagegeldversicherung. Denn diese ist an die Arbeitsunfähigkeit gekoppelt. Darum handelt es sich allerdings nicht mehr, sondern um eine Berufsunfähigkeit. Diesen Fall sichert eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab.

Tipp:

Beamte benötigen keine Krankentagegeldversicherung. Sie erhalten ihre Bezüge auch dann, wenn eine Erkrankung sehr lange dauert. Für den Fall einer Dienstunfähigkeit sollten sie allerdings mit einer Dienstunfähigkeitsversicherung vorsorgen.

Den Bedarf ermitteln: Wie viel Krankentagegeld soll die Versicherung zahlen?

Die Krankentagegeldversicherung soll die ausbleibenden Gehaltszahlungen decken und so eine Versorgungslücke schließen. Beim Vertragsabschluss entscheidet der Versicherte unter anderem, wie viel Geld er im Krankheitsfall erhalten will. Die Höhe des Krankentagegelds ist abhängig von den monatlichen Ausgaben. Bei einem hohen Einkommen und moderaten Ausgaben ist es nicht immer nötig, ein ganzes Nettoeinkommen abzusichern.

Mit folgenden Tipps können Interessierte die Höhe und die Bedingungen der Krankentagegeldversicherung bestimmen:

Versicherung im Detail: So wird der Tagessatz ermittelt

Ein kurzes Rechenbeispiel soll die Ermittlung des Tagesgeldsatzes veranschaulichen:

Beispiel für einen Angestellten mit gesetzlicher Krankenversicherung

Monatliches Bruttogehalt 3.500,00 Euro
Monatliches Nettogehalt 2.271,37 Euro
90 Prozent des Nettogehaltes 2.044,23 Euro
Sozialabgaben (insgesamt 12,025%) 245,82 Euro
Krankengeld 1.798,41 Euro
Differenz zum Nettogehalt 472,96 Euro

Die Berechnung des Nettogehaltes und der Abzüge erfolgte ohne Kirchensteuer und für eine Person ohne Kinder.

Die Versorgungslücke in diesem Beispiel liegt bei rund 473 Euro pro Monat. Dieser Betrag fehlt, damit der Erkrankte das übliche Nettogehalt hätte.

Um den Tagessatz zu erhalten, wird der Betrag durch 30 geteilt:

473 Euro : 30 = 15,76 Euro

Mit einer Zusatzversicherung für Krankentagegeld zu einem Tagessatz von 15,76 Euro gleicht der Angestellte diese Einkommensverminderung aus.

Beispiel für einen Selbstständigen mit privater Krankenversicherung

Monatliches Nettoeinkommen 2.400 Euro
Krankengeld 0 Euro
Differenz zum Nettogehalt 2.400 Euro

Angenommen wird, dass im Krankheitsfall der gesamte Verdienst wegfällt.

2.400 Euro : 30 = 80 Euro

Die Krankentagegeldversicherung müsste mit einem Tagessatz von 80 Euro abgeschlossen werden, um den Einkommensverlust abzudecken.

Hinweis:

Es ist nicht zwingend nötig, das gesamte monatliche Nettoeinkommen abzusichern. Falls Rücklagen vorhanden sind oder falls die Ausgaben nicht so hoch sind, genügt auch ein geringerer Betrag.

Was gibt es beim Abschluss der Krankentagegeld­versicherung noch zu beachten?

FAQ zum Krankentagegeld