Zwei Personen reichen sich die Hände
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Weg mit Fetteinlagerungen: Welche Kosten verursacht die Lipödem-OP?

Schmale Füße, schmale Taille, aber auffallend dicke Beine – diese merkwürdigen Proportionen sind typisch für Frauen, die an einem Lipödem leiden. Bei dieser Erkrankung lagert sich das Fettgewebe des Körpers vor allem an Armen, Beinen und dem Gesäß an. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Lipödem-OP lindernd wirken. Ob Krankenversicherungen die Kosten übernehmen, erklärt dieser Beitrag.

Bei einem Lipödem vergrößern und vermehren sich die Fettzellen des Körpers. Vor allem Frauen leiden unter dieser Störung, die auch als Reiterhose bekannt ist. Denn es sind vor allem Oberschenkel, Beine und Po, an denen die Fettstörung zu sehen ist.

Eine Ursache ist bisher nicht bekannt, daher ist auch eine Behandlung schwierig. Bei starker Ausprägung wird inzwischen die Fettabsaugung als Therapie anerkannt. Die Kosten für eine Lipödem-OP werden nur in bestimmten Fällen durch die Krankenversicherung übernommen.

Inhaltsverzeichnis

Was kostet eine Lipödem-OP?

Die Fettabsaugung (Liposuktion) wird oft dem Bereich Schönheitsoperationen zugeordnet. Im Zusammenhang mit der Krankheit Lipödem handelt es sich jedoch um einen medizinischen Eingriff. Die Kosten für eine solche Lipödem-OP liegen zwischen rund 1.500 Euro und 5.000 Euro. Zum Teil sind auch Preise bis zu 8.000 Euro möglich.

Die Preisunterschiede ergeben sich unter anderem aus

  • der Dauer des Eingriffs,
  • der Art und Anzahl der Körperstellen, die bei dem Eingriff behandelt werden, und
  • der OP-Methode.

Bei stark ausgeprägtem Lipödem können zwei oder mehr Eingriffe nötig sein.

Die Kosten für die Lipödem-OP werden von der gesetzlichen Krankenversicherung normalerweise nur im Einzelfall übernommen. Die privaten Krankenversicherungen sind hingegen an keinen Leistungskatalog gebunden. Daher können Patientinnen auf eine kulante Entscheidung zu ihren Gunsten hoffen.

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Wann zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Lipödem-OP?

Die operative Behandlung eines Lipödems gehört eigentlich nicht zu den Regelleistungen der Krankenversicherung. Patientinnen können dennoch einen Antrag auf Kostenübernahme stellen und darlegen, dass die OP medizinisch notwendig ist.

Bei Patientinnen, die an einem Lipödem im Stadium I oder II leiden, wird bei den gesetzlichen Krankenkassen nach Einzelfall entschieden. Für Frauen, deren Erkrankung weiter fortgeschritten ist, gilt seit Anfang 2020 die Kostenübernahme. Die Krankenkassen haben diese Erkrankung in den Leistungskatalog aufgenommen und übernehmen die Kosten für ambulante und stationäre Operation bei einem Lipödem im Stadium III.

Erprobungsstudie zur Liposuktion bei Lipödem

Die Ursachen für ein Lipödem sind noch ungeklärt. Eine Fettabsaugung gilt als mögliche Behandlung. Die Vor- und Nachteile sind jedoch wissenschaftlich noch unzureichend erforscht. Die Kassenleistung zur Kostenübernahme ist daher zunächst bis 2024 befristet. Bis dahin sollen die ersten Ergebnisse einer Erprobungsstudie vorliegen.

Welche Kosten für die Lipödem-OP erstattet die PKV?

Die privaten Krankenversicherungen stufen ein Lipödem als Erkrankung ein. Damit gilt die Fettabsaugung als medizinische Behandlung, die zur Heilung eingesetzt werden kann. Grundsätzlich sind die privaten Versicherungen offener gegenüber alternativen und modernen Therapiemethoden. Voraussetzung ist, dass diese bereits von Fachleuten als wirksam anerkannt sind. Mehrjährige Studien wie bei den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) sind nicht zwingend nötig.

Im Fall einer Absage sollten Versicherte prüfen lassen, ob eine anteilige Erstattung im Rahmen einer bereits abgeschlossenen Zusatzversicherung oder Wahlleistungen für den stationären Krankenhausaufenthalt möglich ist.

Welche Leistungen die PKV tatsächlich übernimmt, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und hängt zudem vom Versicherungsvertrag ab.

Lipödem: Was ist typisch für die Erkrankung?

Typisch für das Lipödem sind die deutlichen Schwellungen der Haut an Armen und Beinen. Diese entstehen durch die krankhafte Vermehrung der Fettzellen im Unterhautgewebe. Dabei sind bei dieser Erkrankung in der Regel jeweils beide Extremitäten betroffen. Das unterscheidet das Lipödem von anderen Krankheitsbildern wie dem Lymphödem oder der Fettleibigkeit.

Ein Lipödem kann fortschreiten und sich verschlimmern, sehr zum Leidwesen der Betroffenen. Ärzte unterscheiden drei Stadien:

  • Stadium I: glatte Hautoberfläche und leicht verdicktes Unterhautfett
  • Stadium II: unebene Hautoberfläche, Unterhautfettgewebe dicker, aber noch weich
  • Stadium III: deutlich gewachsener Umfang der Extremitäten, Unterhautfettgewebe bereits verhärtet, Fettlappenbildung

Trotz typischer Anzeichen ist die Fettverteilungsstörung vor allem im Anfangsstadium leicht mit anderen Erkrankungen zu verwechseln. Die folgende Übersicht zeigt die Unterschiede zu Erkrankungen mit ähnlicher Erscheinungsform:

Erkrankung Lipödem Lymphödem Adipositas (Fett­leibigkeit)
Beschreibung Starke Vermehrung von Unterhaut­fettzellen an Beinen bzw. Armen, Füße und Hände bleiben ausgespart Störung des Abflusses der Lymph­flüssigkeit, Stauung von Lymph­flüssigkeit im Gewebe, meist an Armen oder Beinen Über­schüssiges Fettgewebe am ganzen Körper
Symmetrie Tritt jeweils an beiden Armen oder Beinen auf Einseitig oder beidseitig Ungleich­mäßig
Schmerzen Druck­schmerzen, Spannungs­gefühl Keine Schmerzen Keine Schmerzen
Blutergüsse Neigung  vorhanden Nein Nein
Fort­schreitende Erkrankung Ja Ja Nein

Die einzelnen Erkrankungen können zusammen auftreten. Bleibt ein Lipödem beispielsweise lange unbehandelt, kann die Schwellung allmählich die Lymphgefäße beeinflussen. So entsteht die Mischform Lipo-Lymphödem. Auch Adipositas tritt häufig zusammen mit dem Lipödem auf.

Behandlungsmethoden für Lipödeme: Konservativ oder Operation?

Gegen die Ansammlung der Fettzellen empfehlen Ärzte konservative Methoden:

Zwei Ärztinnen

Diese Maßnahmen können die Beschwerden des Lipödems lindern, wirken jedoch nicht dauerhaft.

Ganz anders sieht es mit der Fettabsaugung (Liposuktion) aus. Sie gilt mittlerweile als geeignete Behandlungsform. Die Kosten für die Lipödem-Operation übernehmen die Krankenversicherungen in Einzelfällen. Eine Voraussetzung ist, dass die Patientin mindestens sechs Monate lang die konservativen Methoden mit Physiotherapie, Kompression und geeignetem Sport angewendet hat. Wenn das Lipödem dennoch fortschreitet, ist eine operative Entfernung des krankhaften Fettgewebes sinnvoll.

Die Fettabsaugung bei Lipödemen ist sehr komplex. Bei unsachgemäßem Vorgehen können Blut- und Lymphgefäße geschädigt werden. Daher sollte dieser Eingriff nur von einem Arzt durchgeführt werden, der eine Qualifikation dafür besitzt.

Bei der Operation wird grob zwischen zwei Methoden unterschieden:

  • Weil bei der Liposuktion sehr viel Fett entfernt wird, hat sich in erster Linie die sogenannte Turmeszenz-Lokalanästhesie (TLA) durchgesetzt. Dabei wird über Kanülen eine Turmeszenz-Lösung in die betroffenen Körperpartien eingeleitet. Nach einer bestimmten Einwirkzeit wird die Flüssigkeit zusammen mit gelöstem Fettgewebe abgesaugt.
  • Eine andere OP-Methode ist die wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL), die unter Vollnarkose stattfindet. Wie der Name sagt, wird dabei mit einem Wasserstrahl gearbeitet, der das Gewebe ablöst und absaugt. Da weniger Turmeszenz-Flüssigkeit benötigt wird und die Einwirkzeit kurz ist, gilt diese Methode als gewebeschonender.