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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Vasektomie beim Mann: Kosten, Durchführung, Risiken

Bei der Verhütung setzen die meisten auf Antibabypille oder Kondom. Eine eher selten genutzte Variante ist die Vasektomie. Jährlich werden bis zu 50.000 Eingriffe durchgeführt. Die Sterilisation erfolgt dabei im Rahmen einer ambulanten Operation. Die Vasektomie schützt ähnlich gut wie die Pille, kommt jedoch nur mit einmaligen Kosten daher.

Um einer ungewollten Schwangerschaft vorzubeugen, gibt es viele Wege. Bei den meisten Verhütungsmitteln brauchen die Anwender die Nutzung nur wieder abzusetzen, wenn der Kinderwunsch da ist. Es gibt aber auch Menschen, die die Familienplanung bereits abgeschlossen oder sich gegen Nachwuchs entschieden haben. Sie wollen sich oder ihren Partner nicht weiter mit Hormonen belasten, an ein Kondom denken oder haben andere Gründe, sich mit der Vasektomie für eine dauerhafte Form der Verhütung zu entscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Wer übernimmt die Kosten einer Vasektomie?

Die Sterilisation beim Mann mithilfe der Vasektomie kostet bis zu 600 Euro. Der Eingriff ist dabei nicht mit einer Kastration vergleichbar, also der Abnahme der Hoden. Bei der Vasektomie werden lediglich die Samenleiter durchtrennt, der von Testosteron gesteuerte Hormonhaushalt bleibt unverändert.

Die Kosten der Vasektomie setzen sich zusammen aus

  • der ärztlichen Beratung und körperlichen Untersuchung,
  • der Operation und
  • der Nachkontrolle nach dem Eingriff.

Weder die private noch die gesetzliche Krankenversicherung übernehmen die Kosten einer Vasektomie. Nur wenn der Eingriff medizinisch begründet ist, besteht eine Chance auf die Kostenübernahme. Dies ist etwa der Fall, wenn eine Erbkrankheit vorliegt oder sich die Partnerin aus medizinischen Gründen nicht sterilisieren lassen kann. Dann gibt es die Möglichkeit, dass ihre Krankenversicherung für die Vasektomie des Partners aufkommt.

Auch wenn es bei der Übernahme der Kosten keinen Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung gibt, können sich für Privatpatienten einige Vorteile durch ihren Versicherungsschutz ergeben. Sie profitieren beispielsweise häufig von einer schnellen Terminvergabe, insbesondere beim Facharzt, oder einer komfortableren Unterbringung im Krankenhaus.

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Wie sicher ist eine Vasektomie?

Die Vasektomie ist beim Mann die zuverlässigste Verhütungsmethode. Dennoch sind nur rund drei Prozent der Männer zwischen 18 und 49 Jahren sterilisiert, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Die Versagerquote beziehungsweise der sogenannte Pearl-Index liegt bei 0,1 Prozent. Der Index gibt an, wie viele von 100 Frauen dennoch schwanger geworden sind, obwohl sich ihre Partner für die Sterilisation entschieden haben.

Der Pearl-Index der Vasektomie liegt auf dem gleichen Niveau wie der der Antibabypille. Allerdings besteht das Risiko, dass die durchtrennten Samenleiter wieder zusammenwachsen (Rekanalisierung). Daher müssen Paare nach der Vasektomie bis zur zweiten erfolgreichen Nachkontrolle etwa drei bis sechs Monate nach dem Eingriff wie gewohnt verhüten. Dabei wird überprüft, ob es in der Samenflüssigkeit noch Spermien gibt. Denn davon befindet sich nach der Durchtrennung noch ein Rest in den Samenleitern. Erst nach rund 20 Samenergüssen sind keine Spermien mehr nachweisbar.

Ist die Nachkontrolle erfolgreich, können die Partner auf andere Verhütungsmethoden verzichten. Mit Blick auf Geschlechtskrankheiten bleibt allerdings das Kondom das Mittel der ersten Wahl.

Führt die Nachkontrolle auch nach einiger Zeit nicht zum gewünschten Ergebnis, kann dies am Zusammenwachsen der Samenstränge liegen. Laut dem Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie liegt das Risiko der sogenannten Rekanalisierung bei null bis vier Prozent. Am erfolgversprechendsten ist die Methode, bei der die Samenenden nach Durchtrennung in unterschiedliche Gewebeschichten verlegt werden.

Vasektomie beim Mann oder Sterilisation bei der Frau: Was ist besser?

Die Sterilisation kann auch bei der Frau durchgeführt werden. Allerdings ist die Operation deutlich aufwendiger und die Kosten sind je nach Methode um einiges höher als bei der Sterilisation beim Mann (bis zu 1.600 Euro).

Was passiert bei der Vasektomie?

Die Vasektomie erfolgt in der Regel im Rahmen einer ambulanten Operation mit örtlicher Betäubung. Der Eingriff selbst dauert rund eine halbe Stunde.

Mediziner unterscheiden bei der Sterilisation zwischen zwei Methoden:

Bei beiden werden die Samenleiter im Hodensack durchtrennt, sodass sich keine Spermien mehr künftig im Samen befinden. Nach der Durchtrennung werden die Enden durch Hitze, Titanclips oder Abbinden verschlossen.

Die Vasektomie-Methoden variieren darin, wie sich der Arzt Zugang zu den Samenleitern verschafft. Bei der Non-Skalpell-Methode wird der Hodensack lediglich punktiert. Das Loch wird im Anschluss gespreizt, die Stränge freigelegt und durchtrennt.

Bei der Ligaturtechnik wird mit einem Skalpell ein kleiner, rund ein Zentimeter langer Schnitt am Hodensack gesetzt. Der Arzt legt die Samenleiter frei und durchtrennt sie. Dabei schneidet er auch einen Teil von ihnen ab (bis zu drei Zentimeter), um ein späteres Zusammenwachsen zu verhindern.

Die Samenzellen werden vom Körper nach der Vasektomie weiter produziert. Sie werden nun im Nebenhoden und im verbliebenen Samenleiterstück ganz normal abgebaut.

Wie lange fallen Patienten nach der Vasektomie aus?

Da die Sterilisation bei Männern ein sehr kleiner operativer Eingriff ist, genügt es, wenn sie sich etwa zwei Tage freinehmen und sich körperlich schonen. Bei der Nachsorge hilft es, die operierte Stelle zu kühlen. Zudem sollten Patienten in der ersten Woche von sportlichen Aktivitäten und Geschlechtsverkehr absehen.

Vorteile und Risiken der Vasektomie

Im Vergleich zu anderen Verhütungsmethoden hat die Vasektomie einige Vorteile. Die OP stellt keinen Eingriff in den Hormonhaushalt dar. Männer müssen daher keine Minderung ihres Lustempfindens befürchten. Zudem gibt es keine Probleme bei der Erektion oder dem Orgasmus – die Potenz bleibt bei der Vasektomie komplett erhalten.

Nach dem Eingriff kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen. Zu ihnen zählen:

  • Blutergüsse
  • Druckgefühl
  • Entzündung der Nebenhoden
  • Kleine, knotenartige Gewebeeinschlüsse durch Spermien (Sperma-Granulome)
  • Chronische Schmerzen im Hodenbereich

Letztere kommen sehr selten vor und stellen die Mediziner vor ein Rätsel. Denn die Ursache ist für das sogenannte Post-Vasektomie-Syndrom ungeklärt, etwa ob es körperlich oder psychisch bedingt ist. Darüber hinaus wird häufig davor gewarnt, dass die Operation das Entstehen von Prostatakrebs begünstigt. Allerdings ist der Zusammenhang wissenschaftlich bisher nicht abschließend belegt.

Unabhängig davon kann der Gedanke, nun unfruchtbar beziehungsweise zeugungsunfähig zu sein, belastend sein. Männer sollten sich den Eingriff gut überlegen, damit es später nicht zu psychischen Problemen kommt.

Kann eine Vasektomie rückgängig gemacht werden?

Lebenspläne können sich ändern. So kann es sein, dass der vor Jahren getroffene Plan, keine Kinder (mehr) zu wollen, nicht mehr zu den aktuellen Lebensvorstellungen passt. Eine Refertilisierung ist dann theoretisch möglich – entweder indem die Samenleiter wieder verbunden werden (Vasovasostomie) oder ein Samenleiterende mit dem Nebenhoden verbunden wird (Tubulovasostomie).

Allerdings schlägt die Umkehr der Vasektomie mit hohen Kosten zu Buche. Bis zu 3.000 Euro muss Mann einplanen. Zudem gibt es keine Garantie dafür, dass mit dem Eingriff die Sterilisation auch wirklich rückgängig gemacht wurde.

Alternativ haben Männer die Möglichkeit, vor der Vasektomie Spermienproben einfrieren zu lassen. So bewahren sie sich die Option, Nachwuchs zu zeugen.