Hund Kastrieren kosten
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Hund kastrieren: Kosten für Rüden und Hündinnen

Das Kastrieren von Hunden ist ein Routineeingriff in Tierarztpraxen. Die Operation verhindert nicht nur unumkehrbar, dass sich die Tiere fortpflanzen können. Außerdem soll die Kastration vor verschiedenen Hundekrankheiten schützen. Die Kosten für den Eingriff hängen davon ab, ob ein Rüde oder eine Hündin kastriert wird.

Aus welchen Gründen wird ein Hund kastriert?

Hundehalter erwägen eine Kastration oftmals, um eine ungewollte Fortpflanzung zu verhindern. Je nachdem, ob es sich um einen Rüden oder eine Hündin handelt, gibt es weitere, mögliche Gründe für den operativen Eingriff:

Bei einem Rüden

Bei einer Hündin

Keine Fort­pflanzung
Kein hormon­bedingter Stress Keine Läufig­keit
Kein über­steigertes Sexual­verhalten Keine Schein­trächtig­keit
Weniger Aggressi­vität Geringeres Risiko für Brustkrebs
Geringeres Risiko für Hodenkrebs Keine Entzün­dungen der Gebärmutter
Geringeres Risiko für Erkran­kungen der Prostata Keine Eierstock­tumore

Viele Hundehalter wollen ihrem Vierbeiner also etwas Gutes tun, indem sie ihn kastrieren lassen. Ob die dazu erforderliche Operation jedoch tatsächlich vor Krebserkrankungen bewahren kann, ist wissenschaftlich umstritten. Manche Halter berichten zudem, dass ihr Hund nach einer Kastration ein deutlich aggressiveres Verhalten aufzeigt.

Unumstritten ist, dass das Kastrieren Hündinnen helfen kann, die häufig unter Scheinschwangerschaften leiden, die familiär bedingt ein sehr hohes Brustkrebsrisiko haben und die bereits eine Entzündung oder einen Tumor in der Gebärmutter haben. Eine Notfall-Kastration kann ebenfalls durchgeführt werden, wenn die Hündin bereits trächtig ist. Höchstens bis zur dritten Trächtigkeitswoche entfernt der Tierarzt dann auch die Föten aus dem Bauchraum des Muttertieres.

Im Zweifel sollten sich Hundebesitzer an die Empfehlungen ihres Tierarztes halten oder bei Bedarf eine zweite Meinung von einem anderen Tiermediziner einholen.

Wie wird ein Hund kastriert?

Das Kastrieren von einem Hund erfolgt durch eine Operation, die unter Vollnarkose durchgeführt wird. Bei einem Rüden werden während des Eingriffs beide Hoden entfernt, bei einer Hündin entnimmt der Tierarzt beide Eierstöcke, die Eileiter und einen Teil der Gebärmutter.

Sowohl die Narkose als auch die Operation sind für einen Hund sehr anstrengend, er wird nach dem Eingriff benommen und erschöpft sein und auch Schmerzen haben. Damit die inneren und äußeren Wunden gut heilen können, braucht das Tier möglichst viel Ruhe. Springen und längere Spaziergänge sollten tabu sein, die Wundheilung muss sorgfältig beobachtet werden. Nach etwa zehn Tagen zieht der Tierarzt dann die Fäden.

Kastration und Tierschutz

Laut Tierschutzgesetz ist das Entfernen von Organen bei einem gesunden Hund grundsätzlich verboten. Dieses Verbot gilt nicht, wenn ein Eingriff „nach tierärztlicher Indikation geboten“ ist. Die Kastration ist also dann erlaubt, wenn ein Tierarzt zu dem Eingriff rät, um Leid oder Schmerz von einem Hund abzuwenden.

Was kostet es, einen Hund zu kastrieren?

Die Kosten für die Kastration eines Hundes setzen sich aus den Gebühren für den Tierarzt, den Kosten für Narkosemittel, erforderliche Medikamente und Verbandsmaterialien zusammen. Wenn umfangreiche Vor- und Nachuntersuchungen durchgeführt erforderlich sind, entstehen weitere Tierarztkosten.

Was ein Tiermediziner abrechnen darf, steht in der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Da der operative Eingriff bei Hündinnen aufwändiger ist als bei Rüden, sind die Kosten für die Kastration eines weiblichen Hundes höher.

Hund

1-facher Gebühren­satz

2-facher Gebühren­satz

3-facher Gebühren­satz

männlich 51,31 Euro 102,62 Euro 153,93 Euro
weiblich 160,34 Euro 320,68 Euro 481,02 Euro

Zusätzlich zu den Gebühren für die Kastration stellt der Tierarzt die Vor- und Nachuntersuchungen sowie die Narkose, Medikamente und Verbandsmaterialien in Rechnung. Ob der 1-fache, 2-fache oder 3-fache GOT-Satz erhoben wird, hängt davon ab, wie aufwändig der Eingriff ist. Für Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit kann der Arzt einen erhöhten Satz verlangen.

Je nach Tierarztpraxis kostet eine „normale“ Kastration inklusive aller Untersuchungen zwischen 200 und 400 Euro. Bei Not-Kastrationen und sehr zeitintensiven Eingriffen wird es schnell deutlich teurer. Empfehlenswert ist es, vor der OP bei mehreren Tierärzten einen Preis zu erfragen, denn häufig unterscheiden sich die Kosten von Praxis zu Praxis.

Welche Versicherung übernimmt die Kosten der Kastration?

Es gibt sowohl Hundekranken­versicherungen als auch Hunde-OP-Versicherungen, die die Kosten für das Kastrieren eines Hundes übernehmen. Ob und in welchem Umfang eine Versicherung zahlt, steht in den jeweiligen Versicherungs­bedingungen.

Die Hundekranken­versicherung kommt je nach Anbieter für die prophylaktische Kastration, die verhaltensbedingte Kastration und die Kastration wegen Scheinträchtigkeit auf. Manche Tarife schließen diese Leistungen jedoch auch ausdrücklich aus und zahlen nur dann, wenn eine Kastration wegen einer Erkrankung oder eines Tumors an den Geschlechtsorganen beim Hund erforderlich wird.

Die Hunde-OP-Versicherung zahlt den operativen Eingriff häufig nur dann, wenn dieser wegen eines bösartigen Tumors notwendig ist. Dann jedoch kommt die Versicherung zumeist auch für alle Kosten auf, die durch die Vor- und Nachsorgeuntersuchungen entstehen.

In jedem Fall ist es vor dem Abschluss des Kostenschutzes ratsam, einen detaillierten Blick in die jeweiligen Versicherungs­bedingungen zu werfen. Im Vertragswerk ist ausführlich erläutert, ob und in welchem Umfang Leistungen bei Kastration garantiert sind und welche Leistungsausschlüsse gelten.

Tipp:

Auch bei Tarifen, die die Kosten ausdrücklich übernehmen, kann es zu Einschränkungen kommen. Manchmal garantiert die Versicherung für diese Leistung nur einen gewissen Höchstbetrag. Hundebesitzer müssen dann in der Regel noch einen Eigenanteil für den Eingriff aufbringen.

Hundehaftpflicht: Wichtiger Schutz für Hundehalter

Hundehalter müssen für jeden Schaden haften, den ihr Vierbeiner verursacht – egal ob er beim Besuch bei Freunden Schuhe zerkaut oder beim Herumtollen im Park einen Fahrradfahrer zu Fall bringt, der sich den Ellenbogen bricht. Die Hundehaft­pflichtversicherung übernimmt die Schadens­ersatzansprüche und bewahrt Hundebesitzer vor teuren Fehltritten ihres Hundes.

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Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?

Eine Sterilisation wird manchmal auch als „Kastration auf Zeit“ bezeichnet. Bei diesem operativen Eingriff unterbricht der Tierarzt bei einem Rüden die Samenleiter und bei einer Hündin die Eileiter. Die Tiere können sich danach nicht mehr fortpflanzen, sie behalten jedoch ihre naturgegebenen Hormone und damit auch ihr gewohntes Sexualverhalten.

Anders als bei der Kastration handelt es sich bei der Sterilisation um einen Eingriff, der durch eine weitere Operation rückgängig gemacht werden kann. Sofern Hündinnen dauerhaft weder trächtig noch scheinträchtig werden sollen, ist manchmal eine weitere Sterilisation nach einigen Jahren erforderlich.

Kosten für die Sterilisation

Laut der Gebührenordnung für Tierärzte sind die Tierarztgebühren für die Sterilisation und die Kosten für die Kastration eines Hundes identisch. Wie viel es genau kostet, den eigenen Hund sterilisieren zu lassen, können Halter beim Tierarzt erfragen, oftmals lohnt sich ein Preisvergleich.

Welche Folgen kann eine Kastration für Rüden und Hündinnen haben?

Viele Gründe können dafürsprechen, den eigenen Hund kastrieren zu lassen. Vor einem operativen Eingriff sollten sich Hundehalter jedoch ausführlich mit den Pros und Contras befassen.

Grundsätzlich ist jede Operation, die unter Vollnarkose stattfindet, mit einem Risiko für den Hund verbunden. Nicht immer funktioniert zudem die Wundheilung schnell und problemlos. Darüber hinaus kann eine Kastration auch zu:

  • Fettleibigkeit,
  • Fellveränderung,
  • Inkontinenz und
  • Ohrenentzündungen

führen.

Da dem Hund nach der Operation bestimmte Hormone fehlen, kann sich sein Wesen verändern. Manche Hunde werden bissiger, andere lethargisch. Auch ihr Verhalten gegenüber anderen Hunden kann sich wandeln. Gerade unter Hündinnen wird häufig eine erhöhte Aggressivität beobachtet. Kastrierte Rüden können von anderen Rüden nicht mehr richtig eingeordnet werden.

Vor einer Operation ist es daher ratsam, alle Vor- und Nachteile sowie die mit dem Eingriff verbundenen Risiken mit einem Tierarzt zu besprechen.