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Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Verwahrentgelt bei der Deutschen Bank: Wie viel? Warum? Wie vermeiden?

Seit Mai 2020 berechnet die Deutsche Bank ein Verwahrentgelt für die Einlagen von Privatkunden. “Verwahrentgelt” heißt nichts anderes als Negativzinsen: Statt Zinsen zu erhalten, müssen Sparer eine Gebühr für ihr gespartes Vermögen zahlen. Mit gezielten Maßnahmen vermeiden Bankkunden jedoch, dass ihr Guthaben immer kleiner wird.

Ausgehend von der Anzahl der Mitarbeiter und von der Bilanz ist die Deutsche Bank das größte Kreditinstitut in Deutschland. Laut Geschäftsbericht 2020 beschäftigte das Unternehmen aus Frankfurt am Main international rund 84.700 Mitarbeiter. Zuletzt hatten die Deutsche Bank zusammen mit der Postbank AG (eine Marke der Deutschen Bank) rund 19 Millionen Privatkunden in Deutschland.

Lange Zeit hat es die Deutsche Bank vermieden, ein Verwahrentgelt für Privatkunden einzuführen. Doch schließlich sie sich den Minuszinsen nicht mehr entziehen. Auf dieser Seite sind Infos zur Höhe der Strafzinsen, zu Freibeträgen sowie zur Berechnung für Interessierte zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

Welches Verwahrentgelt erhebt die Deutsche Bank?

Immer mehr Banken stellen ihren Kunden in letzter Zeit ein Verwahrentgelt in Rechnung. Der Begriff klingt wie eine besondere Leistung der Bank, so als würde es sich zum Beispiel um die Verwahrung von Spareinlagen auf persönlichen Konten handeln.

In der Umgangssprache ist das Verwahrentgelt besser bekannt als Strafzins, Negativzins und Minuszins. Denn diese Gebühr stellt das vertraute System des Banksparens auf den Kopf: Anstatt Zinsen von der Bank zu bekommen, müssen Kunden von ihrem Sparguthaben auf Giro- oder Tagesgeldkonten jährlich einen bestimmten Prozentsatz an die Bank entrichten.

Die Deutsche Bank berechnet sowohl für Privatkunden als auch für Firmenkunden ein Verwahrentgelt. Auch Kunden der Postbank, die eine Marke der Deutschen Bank ist, sind davon betroffen.

Das Verwahrentgelt beträgt grundsätzlich 0,5 Prozent pro Jahr. Das Kreditinstitut berechnet diese Abgabe für Guthaben auf Girokonten, Anlagekonten, Tagesgeldkonten und Verrechnungskonten.

Für die Kontenarten im Privatkundenbereich gelten verschiedene Freibeträge:

KontoartGeltender Freibetrag
Tagesgeld­konto (Flexgeld­konten)25.000 Euro
Girokonto, Anlagekonto zum Wertpapier­depot, Verrechnungs­konto, maxblue Depotkonto, maxblue Wertpapier Sparplan­konto50.000 Euro
Deutsche Bank Wealth Management (für persönliche Konten sowie Anlage- und Verrechnungs­konten)100.000 Euro

Quelle: Deutsche Bank, Preis- und Leistungsverzeichnis, Abschnitt E Verwahrentgelte für Guthaben (Stand Februar 2022)

Für den Firmenkundenbereich gibt es separate Regelungen. Nach Medieninformationen hat die Bank vor, den Freibetrag zu streichen. Das bedeutet, Geschäftskunden zahlen ab dem ersten Euro Guthaben die 0,5 Prozent Verwahrentgelt. Aktuell erfragt das Kreditinstitut die entsprechenden Vereinbarungen von den Kunden ab. Ab 1.März 2022 soll die neue Vereinbarung gelten.

Die Strafzinsen werden nur für die Geldbeträge fällig, die den Freibetrag übersteigen. Angenommen ein Sparer hat 30.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto. Das Guthaben übersteigt den gültigen Freibetrag von 25.000 Euro um 5.000 Euro. Die Negativzinsen werden dann nur für die 5.000 Euro errechnet.

Wie können Kunden der Deutschen Bank die Strafzinsen umgehen?

Sparer, die hohe Summen auf einem Konto der Deutschen Bank liegen haben, müssen aktiv werden, wollen sie die Minuszinsen vermeiden. Dazu reicht es, wenn sie das Geld so verteilen, dass der jeweilige Geldbetrag unterhalb der Freibetragsgrenze bleibt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: je nachdem ob Sparer eher sicherheitsorientiert oder offen für Geldanlagen mit Rendite und Risiko sind oder ob eine bestimmte Summe schnell und spontan zur Verfügung stehen muss.

Wie werden die Negativzinsen berechnet?

Was müssen Kunden letztendlich bezahlen, wenn ihr Guthaben höher ist als die Freibetragsgrenze? Die genaue Summe hängt vom Prozentsatz ab. Für diesen orientiert sich die Deutsche Bank am Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Aktuell liegt dieser bei -0,5 Prozent pro Jahr. Die Deutsche Bank berechnet entsprechend dazu Strafzinsen in Höhe von jährlich 0,5 Prozent.

Weiterhin wird das Verwahrentgelt tagesgenau berechnet. Daran zeigt sich dann auch am deutlichsten, dass es sich um Zinsen handelt und nicht um ein festes Entgelt oder eine Gebühr.

Die Formel für die Berechnung der monatlichen Minuszinsen lautet:

(Guthaben minus Freibetrag) x Negativzins : 360 x 30 = monatlicher Negativzins

Wichtig sind zwei Dinge: In dieser Form der Zinsrechnung werden für einen Monat pauschal 30 Tage veranschlagt. Ein Jahr hat demnach 360 Tage.

Dazu ein Beispiel mit Zahlen:

Kehren wir noch einmal zu dem oben genannten Beispiel zurück: Ein Kunde der Deutschen Bank lässt 30.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto verwahren. Das Guthaben übersteigt die Freibetragsgrenze um 5.000 Euro. Folgende Strafzinsen sind im Monat dafür fällig:

5.000 Euro x 0,5% : 360 x 30 = 2,08 Euro

Das Kapital verringert sind also in einem Monat um 2,08 Euro.

Pro Tag werden rund 0,07 Euro an Strafzinsen fällig (2,08 : 30 = 0,07). Auf das ganze Jahr gerechnet summiert sich dieser Centbetrag auf 25 Euro.

Negative Kosten für Kapital – lassen sie sich von der Steuer absetzen?

Leider gibt es für Privatkunden keine Möglichkeit, das Verwahrentgelt steuerlich geltend zu machen. Rechtlich gesehen gelten diese Kosten nicht als Zinsen. Sie dürfen daher nicht als (Negativ-)Zinsen mit anderen Kapitaleinkünften, etwa mit positiven Zinsen, verrechnet werden. Die Kosten der Geldanlage deckt bereits der Sparerpauschbetrag ab.

Warum fordert die Deutsche Bank die Minuszinsen überhaupt?

Wie alle anderen Geldinstitute macht auch die Deutsche Bank die Negativzinspolitik der EZB für das Verwahrentgelt verantwortlich. Die EZB hatte den Einlagenzins (auch bekannt als Zinssatz der Einlagefazilität) im September 2019 auf -0,5 Prozent gesenkt. Diese Zinsen müssen Banken und Sparkassen zahlen, wenn sie ihr überschüssiges Geld aus Kundenspareinlagen, welches sie nicht für ihre Geldgeschäfte brauchen, bei der EZB parken.

In Form der Negativzinsen geben die Banken diese Kosten an ihre Kunden weiter. Auch die Deutsche Bank berief sich auf den EZB-Negativzins, als sie das Verwahrentgelt im Mai 2020 einführte. Damals galt es noch für Neukunden und Konten mit einer Spareinlage ab 100.000 Euro. Die Freibetragsgrenze wurde jedoch mit der Zeit herabgesetzt, sodass immer mehr Kunden davon betroffen sind.

Verbraucherzentralen stehen dieser Argumentation kritisch gegenüber. Zum einen parken die Banken oft nur einen Teil des Geldes bei der EZB. Sie fordern jedoch von allen Kunden das Verwahrentgelt.

Zum anderen gewährt die EZB den Geldinstituten hohe Freibeträge. Die Banken zahlen also nicht so viel für ihre EZB-Einlagen, wie sie es in ihren Zusatzvereinbarungen oft darstellen.

Ob die Erhebung eines Verwahrentgelt überhaupt rechtens ist, ist zudem aktuell noch gar nicht geklärt. Verbraucherzentralen sind daher aktiv, klagen gegen Banken und haben vor Landgerichten bereits einige Prozesse gewonnen (mehr dazu auf der Hauptseite zum Thema Verwahrentgelt). Ein Urteil des Bundesgerichtshofes würde Klarheit in die Sache bringen, steht allerdings noch aus.