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Verbraucherschutz: Verbraucherlotse enttäuscht

Seit sechs Wochen können Verbraucher ihre Fragen rund um den Verbraucheralltag an den Verbraucherlotsen stellen. Das Projekt wurde von Ministerin Ilse Aigner ins Leben gerufen und traf schnell auf Kritik – „überflüssig“ sei der Lotse. Ein stichprobenartiger Test vom „Handelsblatt-Online“ zeigt, dass die Hilfe oft oberflächlich bleibt.
Verbraucherschutz: Verbraucherlotse enttäuscht

Mit großen Erwartungen startete am 10. Dezember 2012 das Projekt Verbraucherlotse vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) zeigte sich überzeugt, dass sich der Verbraucherlotse „rasch zu einer wichtigen Orientierungshilfe bei allen Verbraucherfragen entwickeln“ wird. Dabei gibt es mit den Verbraucherzentralen und dem Bürgerservice von Bund, Länder und Kommunen, der über die Behördennummer 115 erreichbar ist, bereits gute Anlaufstellen für Verbraucher. Nicole Maisch, die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, vertritt daher die Meinung, dass der Service vom BMELV „in dieser Form einfach überflüssig“ ist.

SPD: Verbraucherlotse „Nullnummer“

Anders als die Verbraucherzentralen bietet der Verbraucherlotse keine Rechtsberatung an. Für die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD, Elvira Drobinski-Weiß ist der Lotse daher „eine Nullnummer.“ Mirjam Stegherr vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht hingegen Potential in dem Angebot aus dem Ministerium von Ilse Aigner. „Wenn die Verbraucherlotsen tatsächlich sofort den richtigen Ansprechpartner nennen können, wäre das ein guter Service“, sagte Stegherr dem „Handelsblatt-Online“. Genau das wollte das Onlinemagazin testen und stellte den Mitarbeitern des Verbraucherlotsen stichprobenartige fünf Anfragen per E-Mail unter anderem zu den Themen Lohnsteuer und Kfz-Versicherung.

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Enttäuschendes Testergebnis für Verbraucherlotsen

Zum Start des Service-Angebots betonte Aigner: „Ein Anruf genügt, und Verbraucher erhalten rasch die gewünschte Information oder werden ohne Umwege an die richtigen Stellen gelotst.“ Schnell sind die Antworten durchaus, wie die Tester feststellten. Doch inhaltlich sind die Ergebnisse enttäuschend. Wie das Magazin berichtet, blieben die Antworten oft oberflächlich. Die Ansprechpartner, auf die verwiesen wurde, stellten sich überwiegend als nicht hilfreich heraus. Das Verbraucherministerium rechtfertigt das schlechte Ergebnis mit der Begründung, dass sich das Projekt noch in der Startphase befinde und es daher zu Fehlern kommen könne.

Ratsuchende erhalten kaum konkrete Hilfe

Für den Verbraucherlotsen wurden 13 neue Stellen bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn geschaffen. Allein die jährlichen Kosten für das Personal sollen rund 800.000 Euro betragen. Für Nicole Maisch ist das „rausgeworfenes Geld“. Aus ihrer Sicht ist das Projekt eine „Aigner-PR-Aktion“. Auch Axel Kleinlein, der Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten, sieht Verbesserungsbedarf in Sachen Verbraucherschutz. Er hält es für sinnvoll, „wenn sich die Politik dafür einsetzen würde, dass Finanzprodukte einfacher und kundenfreundlicher würden, anstatt Behörden zu gründen, die Bürger durch das entstandene Dilemma dirigieren sollen“, wie Kleinlein dem „Handelsblatt-Online“ mitteilte. Klärungsbedarf besteht definitiv vonseiten der Verbraucher: In den ersten vier Wochen haben die Lotsen rund 1.500 Anfragen beantwortet, überwiegend aus den Bereichen Finanzen und Versicherungen sowie Energiepreise und Gewährleitungsrechte.

Bildquelle: BMELV