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Riester-Rente-Boom vorbei: Warum es 27.000 Verträge weniger gibt

Erstmals ist die Zahl der Riester-Rente-Verträge zurückgegangen. Wie das Bundesarbeitsministerium nun mitgeteilt hat, sank die Anzahl der Verträge im ersten Quartal 2013 um 27.000 Policen. Viele Versicherte haben ihre Riester-Rente gekündigt oder stillgelegt. Sind die hohen Kosten der geförderten Altersvorsorge Schuld am Rückgang?
Riester-Rente-Boom vorbei: Warum es 27.000 Verträge weniger gibt

15,679 Millionen abgeschlossene Verträge zur Riester-Rente hat das Ministerium von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Jahr 2012 verzeichnet. Binnen drei Monaten sank die Zahl um 27.000 auf 15,652 Millionen Policen. Das geht aus einer aktuellen Statistik der Behörde hervor. Damit ist die Zahl der bestehenden Riester-Renten seit 2002 erstmals rückläufig. Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums bestätigte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), dass „eine gewisse Marktsättigung eingetreten“ ist. Doch ist das der wahre Grund für den Rückgang der Riester-Rente? Schon im Oktober 2012 zeigte eine Umfrage, dass die Riester-Rente immer unbeliebter wird. Hohe Kosten und intransparente Verträge haben das Vertrauen der Deutschen in die staatlich geförderte Altersvorsorge erschüttert, die anhaltende Finanzkrise tut ihr Übriges.

Riester Rente: Riester-Boom vorbei

Der Riester-Boom scheint nun ein jähes Ende gefunden zu haben. Im Vergleich zu 2011 sank die Zahl der Neuabschlüsse 2012 um 36 Prozent, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Ende Mai 2013 mitgeteilt hat. Gleichzeitig stellen immer mehr Versicherte ihren Vertrag zur Riester Rente ruhend, berichtet die SZ. Fast jeder fünfte Riester-Sparer (19,5) zahlt keine Beiträge mehr in seine Riester Rente ein. Mehr als drei Millionen Versicherte einer Riester Rente profitieren so nicht mehr von den staatlichen Zulagen. Insgesamt beträgt das Minus im ersten Quartal 2013 allein für die klassische Riester-Rentenversicherung 31.000 Verträge, bei den Riester-Fondssparplänen sank die Zahl sogar um 36.000 Policen.

Während die klassische Riester Rente im ersten Quartal 2013 einen Dämpfer erlitten hat, zeigt die Statistik des Arbeitsministeriums allerdings auch, dass der Wohn-Riester bei den Deutschen nach wie vor gefragt ist: 26.000 neue Verträge zur sogenannten Eigenheimrente wurden bis März 2013 abgeschlossen.

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Vertrauen in staatlich geförderte Altersvorsorge sinkt

Das Vertrauen der Deutschen in die Riester Rente scheint dennoch erschüttert zu sein. Während die staatlich geförderte Altersvorsorge zwischen 2007 und 2011 boomte – rund 4,5 Millionen Verträge wurden in dieser Zeit abgeschlossen – war der Zuwachs 2012 mit rund 370.000 Neuversicherten überschaubar geblieben. Ein Grund für die gesunkene Nachfrage an der Riester Rente könnte der Garantiezins sein, der seit 2012 nur noch 1,75 Prozent beträgt. Viele sind der Meinung, dass sich die Riester Rente nicht mehr lohnt. Eine Sprecherin des GDV weist allerdings gegenüber der SZ darauf hin, dass sich die geförderte Altersvorsorge „für die allermeisten so gut wie keine andere Vorsorgeform“ rechne.

Meinungsmache von Verbraucherschützern kritisiert

Die Versicherungsbranche sieht in der Meinungsmache durch Verbraucherschützer einen weiteren Grund, warum das Vertrauen der Deutschen in die Riester Rente geschwächt ist. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt beispielsweise junge Leute davor, eine private Rentenversicherung abzuschließen. „Der Normalfall ist, dass in fünf bis zehn Jahren irgendetwas dazwischenkommt und der Vertrag angepasst oder aufgelöst wird“, sagte Nauhauser der SZ. Hinzu kommen negative Berichte über undurchsichtige Klauseln in den Vertragsbedingungen oder falsch abgerechnete Riester Renten.

Riester Rente Kritik: Hohe Kosten und undurchsichtige Verträge

Zuletzt war die Riester Rente vor allem wegen ihrer zu hohen Kosten und ihrer Intransparenz in die Kritik geraten. Große Unterschiede bei den Kosten und der garantierten Rentenhöhe hat zuletzt ein Test des Munich Center for the Economics of Aging (MEA) festgestellt. Wer sich nicht ausreichend informiert, muss bis zu 20 Prozent seiner eingezahlten Beiträge in Form von Verwaltungs- und Abschlusskosten an den Versicherer abtreten. Mit einem Riester Rente Vergleich können Interessierte jedoch hohe Kosten vermeiden. Die Testsieger einer aktuellen Studie der Stiftung Warentest können natürlich auch einen ersten Überblick schaffen. Hier geht’s zum Riester Rente Test

Hinsichtlich der Intransparenz hat die Bundesregierung mit der Altersvorsorgeverbesserungsgesetz (AltvVerbG) Verbesserungen angekündigt. Künftig soll ein Produktinformationsblatt über alle Kosten der Riester Rente informieren. So sollen die Angebote leichter verglichen werden können.

Zahl der Riester-Rentenverträge nimmt ab – Reformen gefordert

Dennoch werden weitere Reformen gefordert, um den negativen Trend bei der Riester Rente zu stoppen. „Damit noch mehr Leute für das Alter sparen, sollte die Politik die Zulagen dynamisieren und den steuerlich geförderten Höchstbetrag von 2.100 Euro wie in der betrieblichen Altersversorgung auf vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze festsetzen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbandes BVI, Thomas Richter, der SZ. Der GDV will hingegen, dass die staatliche Zulage von derzeit 154 Euro erhöht wird. Dies würde ein deutliches Signal an die Deutschen senden, so eine Sprecherin.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur Riester-Rente.