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Kritik an der elektronischen Gesundheitskarte lässt nicht nach

Seit dem 1. Januar 2014 ist die elektronische Gesundheitskarte (EGK) für gesetzlich Krankenversicherte Pflicht. Doch noch immer besitzen nicht alle Versicherten die neue Karte. Viele haben es bisher versäumt ihrer Kasse ein Foto vorzulegen. Aber auch die anhaltende Kritik an der elektronischen Gesundheitskarte verunsichert viele Versicherte.
Elektronische Gesundheitskarte: Foto auf Karte ist Pflicht
Kritik an der Gesundheitskarte aufgrund mangelnder Sicherheit

Auch mit der verpflichtenden Einführung der elektronischen Gesundheitskarte zum 1. Januar 2014 ebbt die Kritik nicht ab. Für die Versicherten ist die Umstellung auf die neue EGK häufig nicht nachzuvollziehen. Denn von dem ursprünglichen Plan, mit der neuen Karte Ärzten und Apothekern einen besseren Informationsaustausch zu ermöglichen, ist nicht mehr viel geblieben. Stattdessen verursacht das Mammutprojekt hohe Kosten – die am Ende die Versicherten tragen müssen.

Update 19. Juni 2014: Die Kritik an der Gesundheitskarte lässt auch ein halbes Jahr später nicht nach. Krankenkassen und Ärzte beschuldigen sich gegenseitig, an Verzögerungen Schuld zu sein. Bisher unterscheidet sich die EGK zur alten Versichertenkarte nur im Foto. Ursprünglich war jedoch geplant, dass auf der neuen Karte auch Daten wie Vorerkrankungen gespeichert werden können. Wenn sich jedoch Ärzte und Kassen weiter bei der Umsetzung behindern, droht die elektronische Gesundheitskarte zu scheitern. Mit ihr versickern dann wohl mehr als ein Milliarde Euro in den Sand.

Foto verhindert nur bedingt Missbrauch von elektronischer Gesundheitskarte

Einer der Kritikpunkte an der EGK ist das obligatorische Foto. Alle Versicherten – bis auf Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre – müssen ihrer Krankenkasse ein Foto vorlegen, das vor Missbrauch der Gesundheitskarte schützen soll. Dabei wird jedoch nicht überprüft, ob es sich bei dem eingereichten Foto tatsächlich um das Abbild des Versicherten handelt. So kommt es nicht zu einem Abgleich etwa mit dem Personalausweis oder Führerscheinfoto. Dadurch bleibt ein Missbrauch weiterhin möglich.

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Patientendaten werden durch Gesundheitskarte nicht besser geschützt

Am meisten Kritik entzündet sich an der Frage der Datensicherheit. Datenschützer kritisieren generell den Umgang mit Patientendaten in deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern. So würden sensible Patientendaten häufig nicht adäquat verschlossen gehalten. Patientenakten liegen häufig für Dritte in Stations- oder Behandlungszimmern offen. Auch elektronische Patientendaten sind beispielsweise für EDV-Dienstleistern oft einsichtig.

Datenschützer kritisieren elektronische Gesundheitskarte

Die elektronische Gesundheitskarte trägt laut Ansicht der Datenschützer spätestens dann zu diesen Zuständen bei, wenn nicht mehr nur Stammdaten gespeichert, sondern weitere Daten, etwa zu Allergien, Medikamenten oder Diagnosen, auf die Karte übertragen werden. Es wird befürchtet, dass die Karte dauerhaft das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt. Auch die Ärzteschaft steht der EGK kritisch gegenüber. Sie befürchtet neben der Gefahr eines „gläsernen Patienten“ auch den „gläsernen Arzt“. Der deutsche Ärztetag lehnt die elektronische Gesundheitskarte seit 2007 alljährlich ab.

Auch ohne EGK: Behandlungen können noch mit alter Karte abgerechnet werden

Trotz dieser Bedenken sollten sich Versicherte schnell mit ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen, wenn sie noch immer nicht über die elektronische Gesundheitskarte verfügen. Im Behandlungsfall können Ärzte zwar noch bis zum 30. September 2014 Leistungen über die alte Krankenkassenkarte abrechnen. Allerdings gilt hier: Kann der Versicherte nicht innerhalb von zehn Tagen eine gültige Gesundheitskarte oder einen aktuellen Versicherungsnachweis vorweisen, so kann der Arzt die Behandlung per Privatvergütung in Rechnung stellen. Kann der Versicherte dann bis zum Quartalsende keine Gesundheitskarte vorlegen, bleibt er auf den Kosten sitzen.

 

Infobox

Versicherte der privaten Krankenversicherung sind nicht von der Umstellung betroffen. Die privaten Krankenversicherer nehmen nicht an der elektronischen Gesundheitskarte teil. Privatpatienten erhalten also wie bisher für Gesundheitsleistungen eine Privatrechnung, die sie bei ihrem Versicherer einreichen und je nach Tarif erstattet bekommen.

Elektronische Gesundheitskarte nicht so verbreitet wie bisher vermutet

Wie viele gesetzlich Krankenversicherte noch keine Karte haben, ist derzeit unklar. Die Krankenkassen veröffentlichten zwar Zahlen, wonach rund 95 Prozent aller Versicherten im Besitz der neuen Gesundheitskarte sind. Doch wie das Hamburger Abendblatt berichtet, verschickte die AOK noch Ende 2013 rund 3,4 Millionen Briefe an Versicherte, die bisher kein Foto vorgelegt haben. Diese Zahl legt nahe, dass die Verbreitung der elektronischen Gesundheitskarte doch nicht so weit voran geschritten ist, wie von den Krankenkassen geschätzt.

Bildquelle: Barmer GEK

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