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Schiffsfonds als Altersvorsorge geraten in Seenot

Schiffsfonds sind für die Altersvorsorge nicht geeignet. Wer sie empfiehlt, muss dafür haften. Zu diesem Urteil kommt das Landesgericht Heilbronn. Allgemein sind die Aussichten für Anleger von Schiffsfonds eher düster. Hunderttausende deutsche Fondsbesitzer könnten Milliarden an Euro verlieren.
Aktuelles Urteil zur Altersvorsorge durch Schiffsfonds
SOS für Schiffsfonds zur Altersvorsorge - Totalverlust möglich

Eignet sich ein Schiffsfonds zur Altersvorsorge? Diese Frage hat sich auch das Landesgericht Heilbronn gestellt (Az. 6 O 299/13) und sie mit einem Nein beantwortet. Die Volksbank Brackenheim-Güglingen hat dem Gericht zufolge einen Anleger falsch beraten. Der Betroffene zeichnete im Jahr 2007 mehrere geschlossene Fonds und investierte 450.000 Euro zur Altersvorsorge in Schiffsfonds. Nun steht es allerdings schon seit Jahren schlecht um die Schiffsfonds. Für das Anlageziel Altersvorsorge hätte man sie nicht empfehlen dürfen. Der aktuelle Urteilsspruch macht die Volksbank aufgrund von nicht anlagegerechter Beratung haftbar. Sie muss rund eine halbe Million Euro Schadensersatz plus die entgangenen Zinsen zahlen. Die Bank prüft nun, ob sie in Revision gehen soll und will sich bislang zu keinen weiteren Einzelheiten äußern.

Schiffsfonds als Altersvorsorge: Geld zwar langfristig aber unflexibel angelegt

Schiffsfonds können ein höheres Risiko mit sich bringen als beispielsweise offene, frei handelbare Fonds. Die Schiffsanlagen gehören zu den geschlossenen Fonds. Sie waren bis vor einem Jahr Teil des sogenannten Grauen Kapitalmarkts, der nicht staatlich überprüft wird. Wer in Schiffsfonds investiert, muss mit langen Laufzeiten von zehn bis 20 Jahren rechnen. Diese kommen wie folgt zustande: Mit Hilfe der Finanzierung aus dem Fonds wird ein Schiff an Reedereien „vermietet“. Nach einigen Jahren sollte das Schiff seinen Wert eingefahren haben beziehungsweise abgeschrieben sein. Dann wird es mit einem möglichst hohen Erlös verkauft. Wie lange es dauert, bis sich ein Schiff „auszahlt“, hängt nicht zuletzt vom Management der Reederei und den Charterraten des Schiffes ab.

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Wann eignet sich welcher Schiffsfonds?

Neben der Auslastung des Schiffes ist oftmals auch der Schiffstyp entscheidend für den Fondsertrag – sei es nun ein Containerschiff, ein Tanker oder ein Mehrzweckfrachter. Ein Anleger sollte sich vor der Auswahl eines Schiffsfonds ein Bild darüber machen, welche Güter in Zukunft nachgefragt sein könnten: Erdöl, Getreide, Bauteile für Windräder oder doch etwas ganz anderes? Im Idealfall waren mit Schiffsfonds vor ein paar Jahren Renditen von bis zu zwölf Prozent möglich. Damals zeigte die Weltwirtschaft eine hohe Nachfrage an Frachtgütern. In den letzten Jahren sind die Schiffsfonds infolge der Finanzkrise von 2008 und 2009 jedoch stark eingebrochen. Dem Anlagemodell droht seitdem der Untergang. Zur Altersvorsorge eignen sich Schiffsfonds dann erst recht nicht.

Mit dem Schiffsfonds die Altersvorsorge aufs Spiel setzen?

Angesichts der möglichen hohen finanziellen Verluste bei Schiffsfonds sollte sich der Verbraucher gut überlegen, ob er überhaupt darin investiert. Allgemein stehen geschlossene Fonds stark in der Kritik. Vor allem ihre Eignung für Privatanleger wird wegen fehlender Transparenz, schlechten Anlageergebnissen und mitunter Betrugsfällen stark angezweifelt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert daher ein Verbot des aktiven Vertriebs an private Investoren. Denn es besteht das Risiko des Totalverlustes – allgemein für geschlossene Fonds und im Besonderen auch für Schiffsfonds. In der Konsequenz sollten Schiffsfonds erst recht nicht zur Altersvorsorge empfohlen werden. Für die Altersvorsorge bieten sich wesentlich sicherere Kapitalanlagen an.

Wer Schiffsfonds zur Altersvorsorge abgeschlossen hat, kann sich zur Wehr setzen

Wer in Bezug auf seine Geldanlage bereits falsch beraten wurde, sollte sich umgehend von einem Fachmann über seine Möglichkeiten aufklären lassen. Kurzerhand einfach einen Vertrag zu kündigen, kann sogar noch höhere finanzielle Einbußen zur Folge haben als die schlechten Anlagekonditionen.

Wie aus dem aktuellen Gerichtsurteil hervorgeht, können sich schlecht beratene Verbraucher rechtlich zur Wehr setzen. Häufig seien auch außergerichtliche Einigungen möglich, erläutert ein Fachanwalt im Handelsblatt. Grundsätzlich müssen Bank oder Anlageberater anleger- und objektorientiert beraten. Negative Presseberichte dürfen nicht verschwiegen werden. Berater müssen außerdem ungefragt über mögliche Rückvergütungen informieren und nachprüfen, wie plausibel eine Empfehlung ist. Auch der Fondsanbieter selbst darf sich keinen Fehler im Verkaufsprospekt erlauben, andernfalls könnte wegen Prospekthaftung gegen ihn vorgegangen werden – meist innerhalb einer Frist von drei Jahren.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur Altersvorsorge.