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Kostenschock: Zuzahlungsbefreiung für 1.800 Medikamente gestrichen

Kostenschock für gesetzlich Versicherte: Viele Medikamente werden für sie teurer. So waren vor zwei Tagen noch 4.800 Medikamente in Deutschland für Kassenpatienten zuzahlungsbefreit. Seit dem 1. Juli 2014 sind es nur noch 3.000 Arzneien. Darüber hinaus steigen auch die zusätzlichen Mehrkosten für zahlreiche Medikamente. Vermeiden können Patienten die Kostensteigerung kaum.
Kassenpatienten müssen mehr Geld für Medizin ausgeben
Zuzahlung bei immer mehr Medikamenten

Tausende Kassenpatienten werden in den nächsten Tagen und Wochen in der Apotheke eine böse Überraschung erleben – denn Medikamente, die sie jahrelang von ihrer Krankenkasse vollständig erstattet erhalten haben, unterliegen nun einer Zuzahlung. Diskussionen mit dem Apotheker bringen dabei leider wenig: Dieser ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Zuzahlung einzufordern und an die jeweilige Krankenkasse weiterzuleiten. Kassenpatienten müssen seit gestern für viele Medikamente erstmalig eine Zuzahlung leisten. Rund 1.800 Medikamente sind nun nicht mehr zuzahlungsbefreit. Damit sinkt der Anteil der zuzahlungsbefreiten Arzneien, die dem Festbetrag unterliegen, von 15 auf 10 Prozent.  Schon im Jahr 2013 erreichten die Zuzahlungen mit zwei Milliarden Euro einen neuen Höchststand, Patienten mussten laut Angaben des Apothekerverbands durchschnittlich 2,60 Euro pro Arzneimittelpackung bezahlen. In diesem Jahr dürfte die Zahl noch weiter ansteigen.

Wann wird eine Zuzahlung für ein Medikament fällig?

Die Zuzahlung für Medikamente ist in der gesetzlichen Krankenversicherung klar geregelt. So zahlen die Krankenkassen für jedes Medikament maximal einen festgelegten Betrag, den sogenannten Festbetrag beziehungsweise Erstattungshöchstbetrag. Liegt der Preis des jeweiligen Präparats mindestens 30 Prozent unter diesem Festbetrag, dann ist das Arzneimittel zuzahlungsbefreit. Übersteigt der Preis des Medikament hingegen 70 Prozent es Festbetrags, so muss der Kassenpatient zehn Prozent des jeweiligen Arzneimittelpreises selbst bezahlen, in Höhe von mindestens 5 Euro und maximal 10 Euro. Zum 1. Juli 2014 haben die gesetzlichen Krankenkassen die Erstattungshöchstbeiträge für viele Medikamente gesenkt, ohne dass die Hersteller ihre Preise ebenso gesenkt haben. Für 1.800 Präparate fällt die Zuzahlungsbefreiung dadurch weg.

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Zusätzlicher Kostenschock: Viele Medikamente werden noch teurer

Es können sogar noch weitere Kosten auf die Patienten hinzukommen. Denn ist ein Medikament teurer als der Festbetrag, so muss die Differenz zusätzlich zur Zuzahlung entweder vom Versicherten selbst beglichen werden oder er greift auf ein gleichwertiges Mittel zurück, das weniger kostet. Durch die Senkung die Erstattungshöchstbeiträge wird so auch für mehr Arzneien eine Aufzahlung notwendig.

Beispiel: Der Erstattungshöchstbetrag für ein Medikament beträgt 50 Euro. Der Preis für das verschriebene Präparat liegt aber deutlich höher bei 80 Euro. Das heißt, der Patient muss nun einerseits eine Zuzahlung in Höhe von acht Euro (zehn Prozent des Preises) leisten und andererseits zusätzlich die Differenz von 30 Euro als Mehrkosten aufwenden. Somit zahlt die Krankenkasse 42 Euro, der Patient leistet 38 Euro für das Arzneimittel.

Der Deutsche Apothekerverband weist allerdings darauf hin, dass die Mehrkosten durch eine Überschreitung des Festbetrags nicht immer vom Patienten getragen werden müssen. Denn die Kassen haben zum Teil Rabattverträge mit den Herstellern abgeschlossen, die einen Mehrkostenverzicht für die Versicherten beinhalten.

Wenn die Zuzahlungen für Medikamente zu viel werden

Gerade Menschen, die regelmäßig auf die Einnahme von mehreren Präparaten angewiesen sind, stoßen mit den Zuzahlungen für Medikamente schnell an ihre finanziellen Grenzen. Insbesondere ältere Patienten, die nur über eine kleine Rente verfügen, sind durch die Medikamentenkosten überlastet. Damit jedoch niemand auf notwendige Arzneien verzichten muss, gibt es eine Zuzahlungsobergrenze. Diese beträgt zwei Prozent des jährlichen Familien-Bruttoeinkommens. Chronisch Kranke müssen nur maximal ein Prozent ihres Einkommens für Medikamente selbst aufwenden. Wer hohe Ausgaben für Arzneien hat, sollte bei diesem Grenzwert allerdings beachten, dass auch Einkommen aus Mietzahlungen und Kapitalerträgen einberechnet werden. Dafür gibt es im Gegenzug Freibeträge für Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen.

Hier finden Sie Tipps und weitere Informationen zur gesetzlichen Krankenversicherung.